🇻🇳 Vietnam
für digitale Nomaden
Morgens im Meer vor Da Nang schwimmen, danach am Glasfaseranschluss arbeiten, abends für vier Euro besser essen als zu Hause für vierzig: Vietnam liefert das Leben, das viele in Asien suchen, zum halben Preis. Nur beim Aufenthaltsrecht macht es dir das Land nicht leicht. Ein Digital-Nomad-Visum gibt es nicht, der reale Weg heißt E-Visum, und der hat eine harte Grenze bei 90 Tagen.
Vietnam ist unter Remote-Arbeitern längst eine feste Größe: Da Nang mit Küste und Coworking, Ho-Chi-Minh-Stadt mit echter Wirtschaftskraft, dazu Lebenskosten, die deutlich unter Thailand liegen. Nur beim Aufenthaltsrecht ist das Land konservativ geblieben. Während Thailand, Indonesien und Malaysia eigene Programme für Remote-Arbeiter aufgelegt haben, arbeitet in Vietnam praktisch die gesamte Nomadenszene mit Touristenkonditionen. Diese Seite erklärt dir, wie die Wege 2026 wirklich funktionieren, wo die Grauzone beginnt und was ein längerer Aufenthalt steuerlich bedeutet. Das Leben vor Ort, von An Thuong bis Thao Dien, beschreibt unser Länderprofil Vietnam.
Der reale Weg auf einen Blick
| Instrument | E-Visum (elektronisches Visum), offen für alle Nationalitäten |
| Laufzeit | Bis zu 90 Tage, wahlweise einfache oder mehrfache Einreise |
| Gebühren | 25 US-Dollar einfache Einreise, 50 US-Dollar mehrfache Einreise |
| Antragsort | Ausschließlich online über das amtliche Portal evisa.gov.vn |
| Bearbeitungszeit | Offiziell rund 3 Arbeitstage, mit Puffer planen |
| Verlängerung | Kein regulärer Verlängerungsanspruch; in der Praxis Ausreise und Neuantrag |
| Erwerbstätigkeit | Formal nicht gestattet; Remote-Arbeit für ausländische Auftraggeber ist eine geduldete Grauzone |
Das E-Visum ist seit der Reform vom 15. August 2023 das zentrale Einreiseinstrument: Damals hat Vietnam die Laufzeit von 30 auf bis zu 90 Tage verlängert, die mehrfache Einreise eingeführt und das Verfahren für alle Nationalitäten geöffnet. Es gilt an sämtlichen internationalen Flughäfen sowie an einer langen Liste von Land- und Seegrenzen. Wichtig für die Planung: Beantrage das E-Visum nur über das amtliche Portal evisa.gov.vn. Das Netz ist voll von Agenturseiten, die für dieselbe Leistung ein Vielfaches verlangen und teils in offiziellem Gewand auftreten.
45 Tage visumfrei: wer sie bekommt und wer nicht
Innerhalb des deutschsprachigen Raums behandelt Vietnam die drei Pässe unterschiedlich, und das überrascht viele. Deutsche Staatsangehörige reisen visumfrei ein und dürfen 45 Tage bleiben. Diese einseitige Befreiung gilt in der 45-Tage-Fassung seit dem 15. August 2023 und wurde im März 2025 bis zum 14. März 2028 verlängert. Schweizer Staatsangehörige wurden zum 15. August 2025 in eine gleichwertige Regelung aufgenommen, ebenfalls 45 Tage, befristet bis zum 14. August 2028, gemeinsam mit elf weiteren europäischen Staaten von Belgien bis Slowenien.
Für Österreicher: Österreich steht auf keiner der beiden Befreiungslisten. Du brauchst also von der ersten Reise an ein E-Visum. Das ist kein großes Hindernis, 25 US-Dollar und ein paar Arbeitstage Vorlauf, aber es ist ein Schritt, den Deutsche und Schweizer nicht haben. Vietnam passt diese Listen regelmäßig an, prüfe den Stand deshalb vor jeder Reise auf evisa.gov.vn.
Für einen ernsthaften Arbeitsaufenthalt ist die Visumfreiheit ohnehin nur die zweite Wahl: 45 Tage sind schnell vorbei, und eine Verlängerung im Land ist nicht vorgesehen. Wer als digitaler Nomade nach Vietnam geht, plant realistischerweise von Anfang an mit dem 90-Tage-E-Visum und nutzt die visumfreie Frist höchstens zum Ankommen und Ausprobieren.
Das E-Visum beantragen: einfacher als sein Ruf
Das Verfahren ist eines der unkompliziertesten in Asien, gerade weil es keine Einkommensnachweise, keine Kontoauszüge und keine Versicherungspflicht kennt. Du brauchst nur einen Reisepass mit ausreichender Restgültigkeit, ein Passfoto und ein Foto der Passdatenseite als Upload.
- Antrag auf evisa.gov.vn ausfüllen: Personendaten, Reisedaten, gewünschte Einreisestelle. Die Einreisestelle ist verbindlich, bei mehrfacher Einreise gilt das E-Visum aber an allen zugelassenen Grenzübergängen.
- Gebühr online zahlen: 25 US-Dollar für einfache, 50 US-Dollar für mehrfache Einreise. Die Gebühr wird bei Ablehnung nicht erstattet.
- Bescheid abwarten: offiziell rund 3 Arbeitstage, um Feiertage wie Tet herum spürbar länger. Danach lädst du das E-Visum als PDF herunter und druckst es aus.
- Einreisen: Das Dokument wird an der Grenze geprüft, gestempelt wird bis zum aufgedruckten Enddatum. Overstay ist in Vietnam keine Bagatelle, plane die Ausreise nicht auf den letzten Tag.
Für die meisten Remote-Arbeiter ist die Variante mit mehrfacher Einreise die richtige: Sie kostet 25 US-Dollar mehr und erlaubt dir, innerhalb der 90 Tage nach Bangkok, Kuala Lumpur oder Singapur zu fliegen, ohne das Visum zu verlieren. Genau diese Städte sind auch die Standardziele, wenn medizinisch etwas Ernstes ansteht. Warum deine Police dafür eine Evakuierungsdeckung braucht, liest du im Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden.
Die Grauzone: Visa-Runs und die Frage der Arbeitserlaubnis
Hier gehört Klartext hin. Das E-Visum ist ein Besuchsvisum, eine Erwerbstätigkeit gestattet es formal nicht, und eine eigene Kategorie für Remote-Arbeit mit ausländischen Auftraggebern kennt das vietnamesische Recht schlicht nicht. Die gelebte Praxis der Szene sieht seit Jahren so aus: 90-Tage-E-Visum, Ausreise, neues E-Visum, Wiedereinreise. Das funktioniert für sehr viele Menschen über lange Zeiträume, und der Vollzug der Behörden richtet sich erkennbar gegen Ausländer, die ohne Arbeitserlaubnis für vietnamesische Firmen arbeiten, nicht gegen Nomaden mit Kunden im Ausland.
Trotzdem solltest du den Charakter dieser Konstruktion nüchtern sehen. Es gibt keinen Anspruch auf das nächste E-Visum und keinen Anspruch auf Wiedereinreise. Jeder Antrag ist eine neue Einzelfallentscheidung, und wer im Passverlauf eine lange Kette lückenloser Vietnam-Aufenthalte stehen hat, kann Rückfragen bekommen oder ohne Begründung abgelehnt werden. Eine Duldung ist keine Rechtslage, sie kann sich mit einer einzigen Verwaltungsanweisung ändern. Die praktische Konsequenz: Geh keine Verpflichtungen ein, die einen gesicherten Langzeitaufenthalt voraussetzen, keine Jahresmietverträge ohne Ausstiegsklausel, keine Vorauszahlungen über den Horizont eines Visums hinaus.
Als Alternative kursiert in Foren regelmäßig das Business-Visum (Kategorie DN). Für digitale Nomaden ist es in der Regel kein gangbarer Weg: Es setzt eine Einladung durch ein in Vietnam registriertes Unternehmen voraus, das als Sponsor auftritt. Wer keinen echten vietnamesischen Geschäftspartner hat, kommt an ein DN-Visum nur über Agenturen, die diese Einladung konstruieren, und damit tauschst du eine Grauzone gegen eine dunklere. Für legale Beschäftigung bei einem vietnamesischen Arbeitgeber führt der Weg ohnehin über Arbeitserlaubnis und Arbeitsvisum, ein völlig anderes Verfahren.
Kommt ein Nomadenvisum? Der Stand im August 2026
Bewegung gibt es, aber nicht dort, wo Nomaden sie brauchen. Seit 2025 wird in Vietnam öffentlich über ein Golden Visa mit fünf bis zehn Jahren Laufzeit diskutiert, angestoßen vom Tourism Advisory Board, mit Pilotstandorten wie Phu Quoc, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Da Nang im Gespräch. Nur: Es ist bis heute ein Vorschlag geblieben. Es gibt kein beschlossenes Gesetz, keine Durchführungsregeln und kein Antragsportal. Wer dir 2026 ein vietnamesisches Golden Visa verkaufen will, verkauft Luft.
Konkret geworden ist der Gesetzgeber an anderer Stelle: Mit dem Änderungsgesetz Nr. 118/2025/QH15 vom Dezember 2025 hat Vietnam zum 1. Juli 2026 zwei neue Visakategorien eingeführt, UĐ1 und UĐ2, mit bis zu fünf Jahren Laufzeit. Sie richten sich an hochqualifizierte Fachkräfte der Digitalwirtschaft und deren Familien, setzen aber eine Nominierung durch einen vietnamesischen Arbeitgeber oder eine anerkannte Organisation voraus. Für Angestellte eines Chip- oder KI-Projekts in Vietnam ist das ein echter Fortschritt, für selbständige Remote-Arbeiter mit Kunden im Ausland ist es unerreichbar.
Die ehrliche Prognose lautet deshalb: Plane mit dem, was heute gilt, nicht mit dem, was angekündigt ist. Vietnam hat seine Visapolitik seit 2023 mehrfach gelockert, immer aber zugunsten von Tourismus und angeworbenen Fachkräften. Ein Titel für ortsunabhängige Selbständige stand bisher in keinem beschlossenen Gesetz.
Steuern: die 183-Tage-Frage und die Nirgendwo-Falle
Das Visum regelt nur, dass du bleiben darfst, die Steuerfrage läuft parallel. Vietnam macht dich zum Steueransässigen, wenn du dich 183 Tage oder mehr innerhalb von zwölf Monaten im Land aufhältst oder dort einen ständigen Wohnsitz hast, etwa über eine registrierte Wohnung mit längerem Mietvertrag. Ansässige sind grundsätzlich mit dem Welteinkommen steuerpflichtig. Der Einkommensteuertarif ist progressiv und reicht bis 35 Prozent; mit der Steuerreform 2026 wurde er von sieben auf fünf Stufen gestrafft, der Spitzensatz blieb. Nichtansässige zahlen auf vietnamesische Erwerbseinkünfte pauschal 20 Prozent. Mit Deutschland, Österreich und der Schweiz bestehen Doppelbesteuerungsabkommen. Die laufenden Sätze, Stufen und Freibeträge führt das Steueratlas-Profil Vietnam.
In der Praxis bleiben die meisten Nomaden schon durch die Visumlogik unter der Schwelle, weil sie regelmäßig ausreisen. Wer aber E-Visum an E-Visum reiht und die Tage summiert, wächst in die vietnamesische Steuerpflicht hinein, ob er sich registriert oder nicht. Und damit zum eigentlichen Konstruktionsfehler Vietnams für Auswanderer: Weil es keinen belastbaren Aufenthaltstitel gibt, bekommst du kaum eine Ansässigkeitsbescheinigung, mit der du dem heimischen Finanzamt eine neue steuerliche Heimat nachweisen könntest. Wer aus Deutschland wegzieht und dann jahrelang mit E-Visa in Da Nang lebt, riskiert die klassische Nirgendwo-Ansässigkeit, steuerlich die schlechteste aller Positionen.
Für Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Die unbeschränkte Steuerpflicht endet nicht mit dem Abflug, sondern mit der sauberen Aufgabe von Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt. Deutschland kennt zusätzlich die Wegzugsbesteuerung auf Beteiligungen ab einem Prozent, Österreich die Zweitwohnsitzverordnung und eine eigene Wegzugsbesteuerung auf Kapitalvermögen, in der Schweiz entscheidet die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde. Die tragfähige Konstruktion für Vietnam heißt deshalb meist: Vietnam als Aufenthaltsort, steuerliche Ansässigkeit und Struktur in einem Land, das dir tatsächlich eine Bescheinigung ausstellt. Kläre das vor dem Abflug, nicht danach.
Für wen Vietnam trotzdem die richtige Wahl ist
Vietnam passt, wenn du das beste Verhältnis aus Kosten, Küste, Essen und Internet in Asien suchst und bereit bist, dafür alle 90 Tage ein Flugticket zu kaufen. Für Sparer und Aufbauer, die ihre Fixkosten drücken wollen, während das Geschäft wächst, ist Da Nang eine der stärksten Basen der Welt, und die Ausreisepflicht lässt sich mit Reisen verbinden, die du ohnehin machen willst. Was dich vor Ort erwartet, von den Vierteln bis zur Luftqualität, steht im Länderprofil Vietnam.
Es passt nicht, wenn du einen planbaren Aufenthaltsstatus brauchst oder eine Basis suchst, auf die du eine steuerliche Ansässigkeit gründen kannst. Dann liefert dieselbe Region bessere Werkzeuge: Thailand mit dem DTV, fünf Jahre gültig bei 180 Tagen je Aufenthalt, Malaysia mit DE Rantau oder Indonesien mit dem E33G für die Bali-Fraktion. Weitere Programme sortiert die Übersicht aller Digital Nomad Visa.
Ist Vietnam das Richtige für dich?
Wir klären mit dir, ob die E-Visum-Route zu deiner Situation passt, wo deine steuerliche Ansässigkeit hingehört und wie der Wegzug aus Europa sauber funktioniert.
Beratung buchen