🇮🇩 Indonesien
Digital Nomad Visum
Seit April 2024 hat Indonesien mit dem E33G Remote Worker Visum einen echten Aufenthaltstitel für Remote-Arbeiter. Er ist online beantragbar, kommt ohne Sponsor aus und setzt genau eine harte Hürde: 60.000 US-Dollar Jahreseinkommen aus dem Ausland.
Bali ist der bekannteste Nomaden-Standort der Welt, und wie sich das Leben dort 2026 tatsächlich anfühlt, mit Verkehr, Kosten und der größten internationalen Community überhaupt, liest du im ausführlichen Länderprofil Indonesien. Diese Seite hier beantwortet die andere Hälfte der Frage: Mit welchem Titel bleibst du legal im Land, was kostet das, und was bedeutet es steuerlich?
Vorweg eine Klarstellung, denn im Netz kursieren zu Indonesien besonders viele veraltete Angaben: Der Nomaden-Weg heißt seit dem 1. April 2024 E33G Remote Worker Visum. Das oft zitierte Second Home Visum mit 130.000 US-Dollar Bankguthaben ist ein Kapital-Weg für Vermögende, kein Nomaden-Standard. Und das alte B211A-Besuchsvisum existiert unter diesem Namen nicht mehr; seit Januar 2024 heißt die Kategorie C1.
Die Wege auf einen Blick
Für Deutsche, Österreicher und Schweizer führen 2026 vier realistische Wege nach Indonesien. Welcher passt, hängt fast nur an einer Frage: Wie lange willst du bleiben?
| Weg | Antragsort | Laufzeit | Kosten (Staatsgebühr) |
|---|---|---|---|
| Visa on Arrival / e-VOA | Bei Einreise oder vorab online | 30 Tage, einmal um 30 verlängerbar | 500.000 IDR (rund 27 EUR) |
| C1-Besuchsvisum (ex B211A) | Online (E-Visa), vor Einreise | 60 Tage, zweimal um 60 verlängerbar | je nach Variante, plus Verlängerungsgebühren |
| E33G Remote Worker | Online (evisa.imigrasi.go.id) | 1 Jahr, mehrfache Einreise | 7.000.000 IDR (rund 400 EUR) |
| Second Home E33 | Online (E-Visa) | 5 oder 10 Jahre | Gebühr plus 2 Mrd. IDR Depot (rund 130.000 USD) |
Zur Einordnung der Begriffe: Die E-Serie der indonesischen Visa-Systematik führt zu einem KITAS beziehungsweise ITAS, der befristeten Aufenthaltserlaubnis. Erst dieser Titel gibt dir das, was ein Touristenvisum nie gibt: ein lokales Bankkonto, langfristige Mietverträge und die Sicherheit, bei einer Kontrolle nichts erklären zu müssen. Die C-Serie (Besuchsvisa) und das Visa on Arrival sind dagegen reine Besuchstitel ohne diesen Status.
Für Österreicher und Schweizer: Einreise, Visa on Arrival und E33G-Bedingungen sind identisch zu Deutschland. Unterschiede entstehen erst beim Wegzug aus dem Heimatland: Österreich kennt eine Wegzugsbesteuerung auf Kapitalvermögen, in der Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde der entscheidende Schritt. Kläre das vor dem Umzug, nicht danach.
Das E33G Remote Worker Visum
Das E33G ist seit dem 1. April 2024 der offizielle Aufenthaltstitel für Remote-Arbeiter und läuft vollständig online über das staatliche E-Visa-Portal evisa.imigrasi.go.id. Die Anforderungen sind klar definiert:
- Einkommen von mindestens 60.000 US-Dollar pro Jahr, also rund 5.000 US-Dollar monatlich, aus Quellen außerhalb Indonesiens. Diese Schwelle ist fest und wird nicht verhandelt.
- Arbeitsvertrag mit einem außerhalb Indonesiens registrierten Unternehmen. Arbeit für indonesische Firmen, indonesische Kunden oder Zahlungen in Rupiah sind ausdrücklich ausgeschlossen.
- Kontoauszug mit mindestens 2.000 US-Dollar Guthaben über die letzten drei Monate, dazu Lebenslauf, Foto und Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit.
- Internationale Krankenversicherung, keine reine Reiseversicherung.
- Kein lokaler Sponsor nötig, Familiennachzug über die E31-Serie möglich.
Die Staatsgebühr (PNBP) liegt bei 7.000.000 Rupiah, umgerechnet rund 400 Euro; Agenturen berechnen darüber hinaus eigene Honorare, sind aber nicht vorgeschrieben. Nach Bewilligung musst du innerhalb von 90 Tagen einreisen, sonst verfällt das Visum. Die Laufzeit beträgt ein Jahr mit mehrfacher Ein- und Ausreise.
Zur Verlängerung eine ehrliche Ansage, weil die Quellenlage hier auseinanderläuft: Einzelne Dienstleister berichten 2026 von einer In-Country-Verlängerung um ein weiteres Jahr (Staatsgebühr rund 3.000.000 Rupiah plus Re-Entry-Permit), andere beschreiben das E33G weiterhin als nicht verlängerbar mit Neuantrag als Regelweg. Eine amtliche, öffentlich abrufbare Verlängerungsregel gibt es derzeit nicht, plane also konservativ mit einem Neuantrag pro Jahr. Zum Daueraufenthalt (KITAP) führt das E33G nach heutigem Stand nicht.
Und ein Punkt, der Selbstständige direkt betrifft: Die Vorschrift verlangt einen Arbeitsvertrag und ist damit auf Angestellte zugeschnitten. Ob Dienstleistungsverträge von Freiberuflern akzeptiert werden, handhabt die Praxis uneinheitlich, eine klare Aussage der Einwanderungsbehörde fehlt. Wer selbstständig ist, sollte das vor Antragstellung konkret prüfen lassen, zum Beispiel im Rahmen einer Beratung.
Steuern: Das E33G ist keine Steuer-Abkürzung
Hier räumen wir mit dem hartnäckigsten Bali-Mythos auf. Die verbreitete Behauptung, Remote-Arbeiter zahlten in Indonesien keine Steuern auf Auslandseinkommen, war immer eine Verkürzung und ist seit Ende 2025 schlicht falsch. Indonesien besteuert Steueransässige auf ihr Welteinkommen, mit einem progressiven Tarif bis 35 Prozent. Ansässig wird, wer sich mehr als 183 Tage innerhalb von zwölf Monaten im Land aufhält oder die Absicht zeigt, sich niederzulassen.
Genau daran hängt die entscheidende Änderung: Mit der Verwaltungsanweisung PER-23/PJ/2025, wirksam ab Dezember 2025, können KITAS-Inhaber, also auch E33G-Inhaber, unabhängig von der 183-Tage-Schwelle als Steueransässige behandelt werden. Die Logik der Finanzverwaltung: Wer einen Aufenthaltstitel beantragt, dokumentiert die Absicht, sich niederzulassen. Parallel verknüpft das System Coretax Aufenthaltstitel, Steuernummer und Anwesenheit digital. Praktisch heißt das: Mit dem E33G solltest du davon ausgehen, indonesischer Steueransässiger zu sein, eine Steuernummer (NPWP) zu beantragen und eine Jahreserklärung abzugeben. Im Ausland gezahlte Steuern lassen sich über die Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, Österreich und der Schweiz anrechnen.
Von einer echten Territorialbesteuerung für Zuzügler kann keine Rede mehr sein. Es existiert zwar eine Sonderregel, nach der ausländische Staatsangehörige mit bestimmten Qualifikationen auf Antrag vier Jahre lang nur auf indonesische Einkünfte besteuert werden; sie ist an enge Bedingungen geknüpft und kollidiert mit der Nutzung der Doppelbesteuerungsabkommen. Als Planungsgrundlage taugt sie für Nomaden nicht. Die laufenden Sätze, Details und offenen Verfahrensfragen führt das Steueratlas-Profil Indonesien.
Die Kehrseite ist auch eine Chance: Wer wirklich auswandert, bekommt mit KITAS und indonesischer Ansässigkeit einen sauber dokumentierten neuen Steuerwohnsitz, den das heimische Finanzamt akzeptieren kann. Voraussetzung bleibt der saubere Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz: Wer die Wohnung zu Hause behält, bleibt dort steuerpflichtig, ganz gleich, was Indonesien sagt. Wie das Zusammenspiel im Detail aussieht, erklärt unser Artikel Arbeiten in Indonesien und Steuern.
Die Alternativen: VoA, C1 und Second Home
Visa on Arrival beziehungsweise e-VOA: 500.000 Rupiah, 30 Tage, einmal um 30 Tage verlängerbar, Maximum also 60 Tage. Das e-VOA beantragst du vorab online und gehst am Flughafen durch das E-Gate. Die Verlängerungs-Realität 2026: Seit Juni 2025 verlangt die Verlängerung wieder einen persönlichen Termin bei der örtlichen Einwanderungsbehörde, die rein digitale Verlängerung wurde zurückgenommen. Rechne mit Behördengang, Wartezeit oder Agenturgebühr. Für einen Probelauf reicht das trotzdem völlig.
C1-Besuchsvisum: Das ist der Nachfolger des B211A, seit der Umstellung der Visa-Nomenklatur auf die C-Serie im Januar 2024. Single Entry, 60 Tage, zweimal um je 60 Tage verlängerbar, also maximal 180 Tage am Stück; bei Ausreise verfällt es. Wichtig: Auch das C1 ist ein Besuchsvisum ohne Arbeitstitel. Die früher übliche Praxis, damit dauerhaft auf Bali zu leben und zu arbeiten, ist heute ein reales Risiko, dazu gleich mehr.
Second Home E33: Der Kapital-Weg, oft fälschlich als das Nomadenvisum bezeichnet. Er bietet 5 oder 10 Jahre Aufenthalt gegen ein Depot von 2 Milliarden Rupiah (rund 130.000 US-Dollar) bei einer indonesischen Staatsbank oder alternativ Immobilieneigentum ab 1 Million US-Dollar. Das Guthaben muss während der gesamten Laufzeit gehalten werden und ist nach Bewilligung binnen 90 Tagen nachzuweisen. Für Vermögende mit Indonesien-Fokus ein solider Titel, für den typischen Remote-Arbeiter schlicht die falsche Kategorie: Das E33G verlangt Einkommen, kein gebundenes Kapital.
Die Faustregel daraus: Bis 60 Tage Visa on Arrival, bis 180 Tage C1, ab Langfrist-Absicht E33G, und Second Home nur, wenn du die 130.000 US-Dollar ohnehin parken willst.
Bali 2026: Kontrollen sind Alltag geworden
Wer die Entscheidung zwischen Touristenvisum und E33G auf die leichte Schulter nimmt, sollte die aktuelle Lage kennen. Im Frühjahr 2026 hat die Einwanderungsbehörde auf Bali eine eigene Task Force mit rund 100 Beamten aufgestellt, die gezielt in den Nomaden-Hochburgen Canggu, Ubud, Seminyak, Kerobokan und Uluwatu kontrolliert. In den ersten Wochen wurden 62 Ausländer wegen illegaler Arbeit, Overstay oder gefälschter Unterlagen festgesetzt; allein das Immigration Office am Flughafen Ngurah Rai zählte 2025 über 330 Abschiebungen.
Bemerkenswert ist die Methode: Die Behörden werten Social-Media-Profile aus, und schon gesponserte Posts, Shootings oder eine Villa gegen Content gelten als kommerzielle Tätigkeit auf einem Besuchsvisum. Die Konsequenzen reichen von Abschiebung bis zu mehrjährigen Wiedereinreisesperren. Die Zeit, in der man jahrelang folgenlos auf Besuchsvisa auf Bali arbeiten konnte, ist vorbei. Genau das ist das stärkste Argument für das E33G: Es kostet rund 400 Euro Staatsgebühr und nimmt dir dieses komplette Risiko ab.
Antrag Schritt für Schritt
- Konto auf evisa.imigrasi.go.id anlegen und den Antragstyp E33G wählen. Der Antragsort ist das Online-Portal, ein Botschaftstermin ist nicht nötig.
- Unterlagen als PDF/JPEG hochladen: Arbeitsvertrag mit dem ausländischen Unternehmen, Einkommensnachweis über 60.000 US-Dollar pro Jahr, Kontoauszüge der letzten drei Monate mit mindestens 2.000 US-Dollar, Passkopie, Foto, Lebenslauf, Versicherungsnachweis.
- Gebühr zahlen (7.000.000 Rupiah) und auf die Bewilligung warten; in der Praxis dauert das wenige Tage bis wenige Wochen.
- Binnen 90 Tagen einreisen. Das E-Visum wird bei Einreise zum ITAS, deine Aufenthaltskarte läuft ab da ein Jahr.
- Nach der Ankunft: Adresse registrieren, Bankkonto eröffnen, und wenn du bleibst, das Steuerthema aktiv angehen statt es auszusitzen.
Zur Krankenversicherung noch ein Hinweis aus der Praxis: Die medizinische Versorgung auf Bali ist begrenzt, bei ernsthaften Fällen ist die Evakuierung nach Singapur der Standardweg. Deine Police muss das abdecken. Die Grundlagen findest du in unserem Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden und im Artikel Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden.
Für wen sich Indonesien lohnt
Indonesien passt, wenn du die größte Nomaden-Community der Welt willst, das Klima und die Landschaft dich tragen und du entweder unter den Aufenthaltsschwellen bleibst oder die indonesische Besteuerung bewusst akzeptierst. Das E33G ist dafür ein ehrlicher, gut erreichbarer Titel, sofern du die 60.000-Dollar-Schwelle nachweisen kannst. Wie sich das Leben vor Ort anfühlt, steht im Länderprofil Indonesien; einen Einstieg in die Bali-Szene gibt unser Artikel Digitale Nomaden auf Bali, und wer über die Insel hinausdenkt, liest Indonesien jenseits von Bali. Andere Länder zum Vergleich findest du in der Länderübersicht.
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