Steuerbelastung radikal reduzieren
Hand aufs Herz: Es mag politisch nicht korrekt sein (und die politisch Korrekten mögen diese Seite nun verlassen), aber es gibt genug erfolgreiche Freiberufler und Unternehmer, die hochinteressiert daran sind, ihre Steuerbelastung radikal zu reduzieren.
Freilich hält uns die Politik Predigten zum Thema Solidarität und Verantwortungsbewusstsein und und und… Wir werden von Kindesbeinen darauf gedrillt zu glauben, dass in einer funktionierenden Gesellschaft jeder seinen Beitrag zu leisten hat. Und wer mehr verdient (wer "breite Schultern" hat), der soll einen größeren Solidarbeitrag leisten (= mehr Steuern zahlen).
Und wer könnte dem widersprechen? Ein hoher moralischer Anspruch an sich hat unseren Zynismus sicher nicht verdient. Was allerdings in den Augen vieler als Farce wahrgenommen wird, ist, wie bei der Anwendung besagter moralischer Prinzipien ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird:
Große Konzerne (die "breitesten Schultern") tricksen bei der steuerlichen Veranlagung und kommen so mit einer steuerlichen Belastung im unteren einstelligen Prozentbereich davon, ganz legal.
Wer bluten muss und einen überdurchschnittlichen hohen Beitrag leisten "darf", sind Freiberufler und Unternehmer, die sich dem Zugriff der Steuerbehörden nicht entziehen können.
Ganz abgesehen davon erscheint den Steuerzahlern vieles, was mit ihren Steuergeldern passiert, problematisch: Ist Solidarität mit der eigenen "Sippe" bzw. der eigenen Gesellschaft noch für jeden Bürger bis zu einem Grad nachvollziehbar, so macht so mancher hinter das Bailout von ganzen Staaten und ausländischen Banken doch ein großes Fragezeichen. Ähnliches kann zu Teilnahme an Kriegen gesagt werden oder der Kostenübernahme von direkten Kriegsfolgen fremder Mächte (siehe mittlerer Osten und Flüchtlingskrise).
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die meisten Menschen empfinden es als große Befriedigung, Gutes zu tun und sich für eine gute Sache, die ihnen am Herzen liegt, einzusetzen: Entwicklungsarbeit, Umweltschutz, Bildung, Obdachlose, Flüchtlinge, Kultur, Mission, Gesundheit usw.
Aber wir wollen in Freiheit selbst entscheiden, wie und in welchem Maß sich unsere eigene persönliche Solidarität ausprägt und nicht unter Zwang und Androhung von Gefängnisstrafen fast 50% unseres Einkommens an die Staatsmacht überreichen.
Jeder stimmt einer gewissen steuerlichen Belastung zur Finanzierung der Aufgaben des Staates zu, aber spontan würde niemand behaupten, dass 50% des eigenen Einkommens dafür ein gerechtfertigter Beitrag sind.
Das alles führt dazu, dass bei nicht wenigen Bürgern ein Wunsch entsteht, sich aus dem System abzumelden und nicht mehr "mitzuspielen".
Lustig ist das Zigeunerleben… oder doch nicht?
Aber kann man so einfach aussteigen? Was wäre, wenn man nirgendwo wohnt und somit auch nirgendwo steuerpflichtig ist? Was wäre, wenn man einfach geht?
Die meisten Menschen empfinden solche Ideen als bedrohlich und wenig erstrebenswert.
Es kommt einem das alte deutsche (vermutlich mittlerweile auch politisch inkorrekte) Zigeunerlied in den Sinn und schon im ersten Vers wird dort kurioserweise erwähnt, dass einer der Hauptvorteile der nicht sesshaften Lebensweise die Streuerfreiheit ist:
Lustig ist das Zigeunerleben,
Faria, faria, fum.
Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben,
Faria, faria, fum.
Lustig ist's im grünen Wald
wo des Zigeuners Aufenthalt
Faria, faria, faria, faria
Faria, faria, fum.
Nun, man hat eher negative Assoziationen mit einem solchen Lebensstil, denn er wird auch mit einem Kreislauf von Armut und Entbehrung verknüpft. Von Kriminalität und einem unlauteren Lebenswandel ganz zu schweigen. So wollen wir nicht leben, auch wenn dies schon fast nach diskriminierenden Vorurteilen gegenüber Sinti und Roma klingt.
Aber auch jenseits dieser negativen Assoziationen haben die meisten Mitbürger andere Vorstellungen vom Gücklichsein, als ständig unterwegs zu sein (wir sehen auf "Vagabunden" sogar herab): Ein Haus bauen, Familie haben, sesshaft werden, Wurzeln schlagen. Einen stabilen Job haben, der gut bezahlt ist und ein gutes Ansehen hat.
Viel reisen, ja. Aber immer wieder an den gleichen Ort zurückkehren, wo man sich zu Hause fühlt.
Diese Lebensauffassung ist verständlich und völlig legitim. Der Lehnsherr (bzw. die Regierung) weiß auch, wie seine Untertanen denken und verlangt deswegen einen relativ hohen Preis dafür, dass man sich in seinen Landen niederlassen kann. Und die meisten Menschen bezahlen dem Lehnsherr gern ihren Fron für dieses Privileg.
Und auch wenn so mancher jugendlicher "Träumer" insgeheim den Wunsch verspürt, wenigstens für ein paar Jahre "auszusteigen", ist doch die Angst groß, den Anschluss zu verlieren und die eigene Karriere zu verpassen. Das klingt alles viel zu riskant. Und am Ende passiert nichts.
Man denke nur an den Udo Jürgens Song "Ich war noch niemals in New York":
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss'nen Jeans,
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei,
einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n.
Aber das war früher. Die Zeiten ändern sich…
Vorhang auf für die digitale Economy und ein neues Lebensgefühl
Durch die digitale Economy entsteht eine völlig neue Dynamik. Denn auf einmal gibt es jede Menge gut bis sehr gut bezahlte Jobs, Projekte und profitable Unternehmensideen, die eine Ortsgebundenheit im herkömmlichen Sinn unnötig machen.
App-Entwickler, Designer, Fotografen, Grafiker, Copywriter, Online Marketing Spezialisten, Berater, Gründer usw.
Zwar muss man sich unter Umständen regelmäßig tageweise oder wochenweise mit Kollegen zum Austausch treffen (keine Frage: Face-to-Face ist nicht zu schlagen). Aber viele der Tätigkeiten lassen sich von zu Hause oder von überall auf der Welt ausführen.
Und es handelt sich um interessante, coole Tätigkeiten. Freunde und Familienmitglieder beneiden einen. Man ist voll im Trend und verdient dabei noch sehr gut. Und dabei sitzt man vielleicht "nur" den ganzen Tag in Unterhosen vor dem Computer.
Wenn du auch in der digitalen Economy arbeitest, weißt du wovon ich spreche. Das Ganze kann zuzeiten unfreiwillig komisch werden. Wenn z.B. Nachbarn dich fragen, ob du arbeitslos bist, weil du den ganzen Tag zu Hause "rumhängst".
Oder man dir schon einen Job als Hausmeister in der Schule angeboten hat, weil man dich bemitleidet, da du ja offensichtlich keine Arbeit findest. Dabei verdienst du mit deinem Startup das Jahresgehalt eines Hausmeisters in einem Monat, von zu Hause aus.
Es sind Menschen wie du, die "digitale Nomaden" oder Perpetual Travelers werden können, vorausgesetzt du kannst dir diesen Lebensstil vorstellen. Auch viele potenzielle Nomaden sind ja viel lieber an einem Ort und fest verwurzelt. Das Nomadendasein wird immer nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung infrage kommen.
Wer jedoch den Mut hat, für den sind die Vorteile enorm wenigstens für einige Jahre die Koffer zu packen und zu gehen. Du kannst von überall arbeiten und hast laufend ein gutes Einkommen. Dieses Einkommen musst du bei richtiger Gestaltung kaum versteuern. Du kannst dir einen guten Lebensstandard leisten. Du erlebst viel und die ganze Zeit sammelst du auch noch wertvolle Berufserfahrung und arbeitest an interessanten Projekten bzw. baust dein Startup.
Von einem wirklichen "Ausstieg" kann also keine Rede sein. Du wirst den Anschluss nicht verlieren. Von einer wirklichen "Vagabunden-Existenz" wie in unserem oben zitierten Volkslied kann also keine Rede sein. Du wohnst nicht im Planwagen, sondern in schicken Hotels, Ferienwohnungen oder bei Freunden.
Aber dieser Lebensstil sagt dennoch nicht jedem Freelancer bzw. Gründer zu. Bei weitem nicht alle potentiellen Nomaden können sich vorstellen, die Heimat einfach so zu verlassen und alles zu Hause aufzugeben, selbst wenn es nur für ein paar Jahre ist.
Und alles aufgeben, das musst du. Zumindest aus steuerlicher Sicht.
First things first: Was sind digitale Nomaden, was Perpetual Travelers?
Am Begriff des digitalen Nomaden dürften die meisten von uns vor allem in den letzten Jahren nicht vorbeigekommen sein. Die Corona-Pandemie hat den Trend zum digitalen Nomadentum weiter beschleunigt. Sie hat gezeigt, dass es auch ohne 40-Stunden-Woche im Büro geht, und bei vielen noch weiter geführt: Man will nicht mehr nur Homeoffice oder selbst entscheiden, von wo aus man arbeitet, sondern auch sein eigener Chef sein.
Deshalb sagen in der Post-Corona-Ära viele nicht nur ihrem alten Job bzw. eingerosteten Unternehmensstrukturen, sondern auch gleich ihrem Zuhause ade und wagen den Schritt in die völlige Ortsunabhängigkeit. Als Dauerreisender lebt man dort, wo es einen gerade hin verschlägt. So reist man ohne fixen Wohnsitzstaat von Land zu Land. Nebenbei geht man von unterwegs seiner Arbeit nach und verdient sich so seinen Lebensunterhalt dort, wo andere Urlaub machen. Mittlerweile bieten einige Länder auch Visa für digitale Nomaden an.
Im gleichen Kontext begegnet einem oft auch der Perpetual Traveler. Der "ewige Reisende" hat, ebenso wie der Digitalnomade, keinen festen Wohnsitz. Anstatt einer Heimat hat er unendlich viele. Häufig bezeichnet der Terminus Perpetual Traveler im Gegensatz zum Digitalnomaden dabei jemanden, der nicht aktiv einer Arbeit nachgeht, sondern von passiven Einkünften lebt. Das kann beispielsweise ein Privatier sein, der Kapitalerträge erhält oder anderweitig Vermögen aufgebaut hat und von den Zinsen lebt.
Alles aufgeben: Was das konkret bedeutet
Selbstständig im Ausland Steuern, wie und wo zahlt man die? Wenn du dich entschließt, digitaler Nomade bzw. Perpetual Traveler zu werden, musst du "alles" in der Heimat aufgeben, um dich dem Zugriff der dortigen Steuerbehörde zu entziehen, und wenn du verheiratet bist, gilt das auch für deine Familie. Dein Ehepartner und deine Kinder müssen mit dir Nomaden werden, ansonsten ist dein Lebensmittelpunkt und Ort der Besteuerung weiterhin zu Hause.
Eine gemietete Wohnung musst du kündigen. Wohneigentum musst du vermieten. Ein Zimmer bei den Eltern oder bei Freunden gilt nicht als Wohnung und ist steuerlich nicht relevant.
Autos, ADAC Mitgliedschaft usw. musst du abmelden. Du musst dich natürlich auch selbst abmelden. Private Krankenversicherungen und Lebensversicherungen kannst du aber behalten.
Wenn du selbständig bist, musst du dein Gewerbe abmelden oder in eine Gesellschaft überführen. Beachte in diesem Kontext das Thema Wegzugsbesteuerung.
Kurzum: Du musst deine Bezugspunkte zur Heimat weitgehend kappen, wie es jeder tun würde, der ins Ausland umzieht. Wenn du dies nicht tust, bleibst du vermutlich auch weiterhin mit deinem Welteinkommen zu Hause steuerpflichtig.
Außerdem musst du die Intention haben, die Heimat bis auf Weiteres zu verlassen. Ein Expat oder Student, der nur für ein Auslandssemester ins Ausland umzieht, bleibt auch weiterhin zu Hause steuerpflichtig. Dein Wegzug darf nicht absichtlich temporär sein, selbst wenn du nach zwei oder drei Jahren deine Meinung änderst und wieder in der Heimat leben möchtest.
Nur wenn du dir diese "radikalen" Maßnahmen in deiner konkreten Lebenssituation vorstellen kannst, ist das Dasein als digitaler Nomade oder Perpetual Traveler für dich realistisch. Einen Zwischenweg gibt es nicht.
Natürlich kannst du dich auch weiter regelmäßig in der Heimat aufhalten, z.B. eine Woche pro Monat, um Verwandte zu besuchen. Aber du bist in Zukunft eben nur noch Besucher.
Zur Sicherheit erwähnen wir besser auch noch, dass ein "scheinbarer Wegzug ins Ausland" als Umgehung (= Steuerhinterziehung) von den Steuerbehörden interpretiert werden würde. Vielleicht bist du alt genug und erinnerst dich noch an den Scheinumzug von Boris Becker nach Monaco.
Rechtsfolge deines Wegzuges aus der Heimat
Wenn du die Heimat verlässt und tatsächlich "alles aufgibst", bist du dort nicht mehr oder nur noch begrenzt steuerpflichtig. Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen zum Beispiel werden immer dort besteuert, wo sich die Immobilie befindet.
Angenommen du bist Freiberufler und stellst Rechnungen an Kunden, dann ist das Einkommen aus diesen Leistungen nach deinem Wegzug nicht mehr im alten Wohnsitzstaat steuerpflichtig, selbst wenn sich die Kunden dort befinden.
Wo bist du dann nach deinem Wegzug steuerpflichtig?
Angenommen, dass du nach deinem Wegzug nur noch in Hotels lebst und dich nirgendwo sehr lange aufhältst, nirgendwo. Du kannst um die Welt reisen und Rechnungen stellen und musst keine Steuern mehr bezahlen.
Theoretisch.
Aber dass diese Theorie Lücken hat und unter Umständen riskant ist, darauf gehen wir später ein.
Im Grundsatz halten wir an dieser Stelle fest, dass der freiberufliche Nomade nach seinem Wegzug aus der Heimat zunächst nirgendwo steuerpflichtig ist, solange er keinen neuen Lebensmittelpunkt in einem anderen Staat auslöst.
Der Mythos von der 183-Tage Regel
Sicher hast du auch schon davon gehört, dass du dich weniger als 183 Tage in einem Land aufhalten musst, um dort mit deinem Welteinkommen nicht steuerpflichtig zu werden.
Diese Regel ist ein Mythos und existiert so nicht. Du bist in jedem Fall in einem Land steuerpflichtig, wenn du dort mehr als 183 Tage im Jahr zubringst.
Es reicht allerdings auch aus, sich 50 Tage in einem Land aufzuhalten, um dort mit dem Welteinkommen steuerpflichtig zu sein. Denke nur an Fernfahrer oder Piloten.
Es ist alles eine Frage des Lebensmittelpunktes. Du bist dort mit deinem Welteinkommen steuerpflichtig, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet.
183 Tage Regelung Freiberufler: Es ist also wichtig, dass du als digitaler Nomade bzw. Perpetual Traveler zu Hause keinen Lebensmittelpunkt mehr hast, aber auch im Ausland nicht ungewollt einen neuen Lebensmittelpunkt auslöst.
Wenn du dich beispielsweise von zu Hause abmeldest und dann gleich ein Haus in Spanien für ein Jahr mietest, dann tappst du in eine Steuerfalle, auch wenn du planst, dich weniger als 183 Tage im Jahr in Spanien aufzuhalten. Denn wenn das Haus in Spanien deine einzige Bleibe ist, dann kann dir schnell dort ein Lebensmittelpunkt konstruiert werden und du bist dann in Spanien mit dem Welteinkommen steuerpflichtig.
Das Risiko der steuerlichen Nachweispflicht
Ein weiteres mögliches Problem für digitale Nomaden und Perpetual Travelers ist die steuerliche Nachweispflicht, und da kommen wir jetzt auf den vorherigen Abschnitt zurück, in dem auf die gänzliche Steuerfreiheit hingewiesen wurde.
Nehmen wir an, dass du als Freiberufler deinem Kunden in Deutschland auch als digitaler Nomade weiterhin Rechnungen sendest. Der Kunde hat eine Betriebsprüfung und deine Rechnungen an den Kunden werden einer näheren Untersuchung unterzogen.
Du gibst keine Ust-ID-Nr auf der Rechnung an. Absender der Rechnung ist ein Hotel auf Ibiza.
Der Prüfer fragt deinen Kunden, um was es bei der Rechnung eigentlich geht. Der Kunde antwortet wahrheitsgemäß, dass du nun digitaler Nomade bist.
Der Prüfer hält dies für eine Umgehung und sagt deinem Kunden, dass deine Rechnung für ihn nur abzugsfähig ist, wenn du einen neuen steuerlichen Wohnsitz nachweisen kannst, inklusive der steuerlichen Registrierungen.
Weiterhin droht das Finanzamt damit, dich wieder in Deutschland steuerlich zu veranlagen, da du offensichtlich keinen neuen Wohnsitz nachweisen kannst und du folglich immer noch in Deutschland deinen Lebensmittelpunkt hast.
Was machst du dann?
Handhabe der Umsatzsteuer
Während sich die Besteuerung auf Gewinne noch relativ einfach am Wohnsitz festmachen lässt, ist die Frage der Umsatzsteuer eine gesonderte Herausforderung. Dies gilt zumindest, wenn du dich in der EU aufhältst und an Kunden in der EU Rechnungen stellst.
Denn hierbei stellt sich nicht nur die Frage nach der Dauer des Aufenthaltes in einem bestimmten Land, sondern auch nach der Höhe der in Rechnung gestellten Beträge und des Staates, wo der Kunde ansässig ist.
Allein die Tatsache, dass du an Kunden z.B. in Deutschland eine Rechnung ohne UST-ID-Nr stellst, wird zu Stirnrunzeln bei den Buchhaltern des Kunden führen.
Da wird schnell die Sorge wach, ob es sich dabei um eine legitime Rechnung handelt oder ob die Bezahlung der selbigen später zu Problemen mit dem eigenen Finanzamt führt.
Mögliche Probleme mit Banken im Ausland
Wenn du als digitaler Nomade oder Perpetual Traveler ein Bankkonto im Ausland eröffnen willst, wird dich die Bank nach einem Adressnachweis fragen. Dabei geht es um einen Kontoauszug oder eine Verbrauchsrechnung (Gas, Wasser, Strom).
Da du keinen Wohnsitz hast, hast du auch keine Verbrauchsrechnung in deinem Namen. Einen Kontoauszug von deinem Konto in der Heimat hast du und kannst du vorlegen.
Aber was passiert dann?
Aufgrund des internationalen Informationsaustausches ist die Bank verpflichtet, Kontodaten an die Finanzbehörden ausländischer Steuerzahler zu übermitteln. Indem du den besagten Kontoauszug der Bank vorlegst, wird diese also an dein Finanzamt in der Heimat Bewegungen auf dem neuen Konto im Ausland melden.
Dies führt wiederum dazu, dass das Finanzamt, z.B. in Deutschland, annimmt, dass du weiterhin in Deutschland wohnst und versuchst, Steuern zu hinterziehen. Wiederum musst du dem deutschen Staat nachweisen, dass du einen neuen Wohnsitz hast, ansonsten wird Besteuerung in Deutschland für dich veranschlagt.
Was Arbeitgeber und Kunden im Ausland möglicherweise verlangen
Je nachdem welche Aufträge du bearbeitest oder wie deine tägliche Arbeit im Detail gestaltet ist, kann es Fragen auf Seiten deiner Kunden und Arbeitgeber im Ausland geben.
So können diese unter Umständen einen Nachweis verlangen, dass du nicht scheinselbstständig bist.
Oder du musst nachweisen, dass du in deinem Wohnsitzland sozialversicherungspflichtig bist.
Kannst du die Nachweise nicht erbringen, zieht dir der Kunde unter Umständen einen Betrag bis zu 30% deiner Rechnungssumme ab und leitet diesen an seine Finanzbehörde weiter.
Je nach steuerlicher Gesetzeslage kann sich auch sofort und auch bei Kurzeitprojekten eine Steuerpflicht im Ausland ergeben, wenn du nicht anderweitig gemeldet bist und z.B. von einem Arbeitgeber ins Ausland entsandt wirst.
Ist der Status als digitaler Nomade bzw. Perpetual Traveler ein Rohrkrepierer?
Wir haben hier die diversen möglichen steuerlichen Probleme eines "reinen" digitalen Nomaden bzw. Perpetual Traveler auf dieser Seite etwas überspitzt dargestellt, um die Herausforderungen als ganzes besser klar zu machen. Natürlich lassen sich für jedes einzelne dieser Probleme Lösungen finden.
Aber das Grundproblem bleibt: Unsere Gesellschaft und die hier herrschende Wirtschafts- und Rechtsordnung ist nicht für Aussteiger und Nomaden gemacht.
Wenn man sich die möglichen rechtlichen Probleme vor Augen hält, die einen als digitalen Nomaden oder Perpetual Traveler erwarten können, dann fragt man sich, ob es das alles Wert ist.
Ist es im Angesicht des ganzen Ärgers, der einem unter Umständen blüht, nicht der bessere Weg, die ganze Idee des digitalen Nomadentums zu vergessen und ein Häuslebauer zu werden?
Wir glauben, dass man pragmatisch sein muss. Vergessen Sie die reine Lehre. Das wird nicht funktionieren.
Aber das heißt nicht, dass man die Grundidee über Bord werfen muss. Im folgenden Abschnitt erklären wir dir, wie dem Leben als digitaler Nomade oder Perpetual Traveler nichts mehr im Wege steht und stellen dir in weiterer Folge einen konkreten Ansatz vor, der unserer Erfahrung nach für viele Mandanten funktioniert.
Unser rechtssicheres Konzept für digitale Nomaden & Perpetual Travelers
Um etwaigen Problemen vorzubeugen, ist unsere Empfehlung für digitale Nomaden bzw. Perpetual Travelers folgende: Vergiss den "echten" Nomadenstatus und entscheide dich stattdessen für eine pragmatische Lösung. Auf diese Weise erhältst du die nötige Rechtssicherheit bei maximalen steuerlichen Vorteilen.
Wie das am besten funktioniert, erklären wir dir hier step by step.
- Wohnung in einem steuergünstigen Land: Wenn du als Digitalnomade oder Perpetual Traveler leben willst, gib zunächst deinen alten Wohnsitz auf. Anschließend entscheidest du dich für einen steuergünstigen Staat mit hoher Glaubwürdigkeit (z.B. in einem EU-Land wie Rumänien, Malta, Zypern oder Irland) und mietest dort eine Wohnung.
- Dieser Punkt ist extrem wichtig: Gemäß der Definition der OECD bist du dort steuerpflichtig, wo sich deine EINZIGE Wohnung befindet, und zwar unabhängig davon, wie oft du dort anwesend bist!
- Durch die Einrichtung der Wohnung bist du über alle Zweifel erhaben und machst es dir selbst einfach.
- Steuerliche Registrierung vor Ort: Anschließend lässt du dich in diesem Land steuerlich registrieren. Idealerweise wählst du einen Staat, in dem Auslandseinkünfte nicht besteuert werden. So erhältst du einen offiziellen Wohnsitz, musst aber in dem Land keinerlei Steuern bezahlen, sofern du vor Ort wenig bis gar keine Einkünfte hast.
- Ggf. Unternehmensgründung: Je nach individueller Situation gründest du im Anschluss ein Unternehmen vor Ort, das dir anschließend beispielsweise ein Gehalt zur Deckung der Mietkosten im jeweiligen Land bezahlt. Wenn du selbst der Geschäftsführer des Unternehmens bist, ist hier wichtig zu beachten, dass der Ort der Leitung bei einer Kapitalgesellschaft eine Betriebsstätte, und damit unter Umständen eine Steuerpflicht, auslöst. Trittst du selbst als Geschäftsführer auf, wird deine Auslandsgesellschaft steuerlich wie eine Inlandsgesellschaft behandelt. Aus diesem Grund sollte dieser Punkt vorab immer genau überlegt und strukturiert werden, um den Erfolg der steueroptimierten Gestaltung nicht zu gefährden.
Du fragst dich, ob diese Lösung funktioniert und du dann tatsächlich ein digitaler Nomade bzw. Perpetual Traveler bist?
Ja, einen Wohnsitz hast du mit dieser Gestaltung nur auf dem Papier. Du reist trotzdem wie es dir beliebt durch die Welt und arbeitest oder lebst, wo es dir gefällt. Gleichzeitig genießt du aber folgende Vorteile:
- Problemlose Eröffnung von Bankkonten: um ein Konto bei einer Bank zu eröffnen, verwendest du bequem deine selbstgewählte Wohnsitzadresse und weist bei Bedarf Verbrauchsrechnungen vor
- Adresse für Ausstellung von Rechnungen: Du hast garantiert keine Probleme mit Kunden und kannst auf Rechnungen die Adresse deines selbsternannten Wohnsitzes angeben
Wichtig ist, bei dieser Gestaltung lediglich ein Punkt: Die angemietete Wohnung muss weltweit deine einzige sein, du darfst in keinem anderen Land einen Lebensmittelpunkt auslösen. Sofern das der Fall ist, können Steuerbehörden praktisch nicht nachweisen, dass sie dort nicht steuerpflichtig sind. Auch wenn manche Länder theoretisch vorschreiben, wie lange du für eine Steuerpflicht im Land anwesend sein musst, wird die Aufenthaltsdauer in der Praxis nicht überprüft.
Beispiel Malta: Wohnsitz und Firma plus Holding im Ausland bei 5% bis 8% Totalbelastung
Eine Lösung, die sich aus unserer Sicht für viele anbietet, ist momentan die Wohnsitzverlegung nach Malta und die Gründung einer Kapitalgesellschaft in Malta mit ausländischer Holding.
Wichtig: Vorab ist an dieser Stelle anzumerken, dass diese Lösung vergleichsweise aufwendig ist. Sie beinhaltet eine relativ komplexe Firmenstruktur, die drei Gesellschaften beinhaltet. Je nach Vorhaben bietet sich eventuell eine einfachere Lösung ohne komplizierte Unternehmensstruktur an.
Hier erfährst du, warum Malta für viele digitalen Nomaden bzw. Perpetual Traveler eine gute Wahl ist:
Vorteile von Malta
- Non-Dom-Status: Als Ausländer bist du Non-Dom in Malta, d.h. dein ausländisches Einkommen (= Einkommen, das keine maltesische Quelle hat) ist steuerfrei. Nur das Auslandseinkommen, das auf ein Konto in Malta fließt, muss dort versteuert werden.
- Kein Außensteuergesetz: Es gibt in Malta kein Außensteuergesetz, keine Hinzurechnungsbesteuerung und keine CFC Rules. Du kannst nach Belieben Auslands- und Offshore-Gesellschaften besitzen und leiten.
- Niedrige Steuern: Malta-Gesellschaften bezahlen effektiv 5% Körperschaftsteuer auf ihre Gewinne.
- Günstig: Die Lebenshaltungskosten sind günstig und nicht mit Steuerparadiesen wie Monaco, Dubai oder der Schweiz zu vergleichen.
Vorteile der Malta-Gestaltung speziell für digitale Nomaden & Perpetual Travelers
- Rechtssicherheit & Planungssicherheit: Du kannst Steuerbehörden, Banken und allen interessierten Personen detailliert nachweisen, dass du einen festen Wohnsitz hast, sozialversicherungspflichtig beschäftigt bist und Steuern bezahlst.
- EU-Gesellschaft: Deine Rechnungen an Kunden kommen von einer EU-Gesellschaft mit US-ID-Nr. und ordentlichem Firmensitz. Die Gesellschaft reicht ordentliche Bilanzen und Steuererklärungen ein.
- Maximale Steuerentlastung: Nirgendwo in Europa bezahlst du geringere Steuern.
- Große Freiheit: Wie oft du dich tatsächlich in Malta aufhältst, bleibt dir überlassen. Du kannst dein Dasein als digitaler Nomade oder Perpetual Traveler nach Herzenslust ausleben und bleiben, wo das Gras am grünsten für dich ist.
- Geringes Risiko: Das Risiko, dass eine Steuerbehörde deinen Status anzweifelt, ist extrem gering. Vorausgesetzt natürlich, dass du dich nicht zu viel in der Heimat aufhältst.
Alternativen zu Malta
Wer nicht kurzfristig nach Malta umziehen kann und eine schnelle, wenn auch temporäre Lösung im Ausland benötigt, dem können wir eine temporäre Meldeadresse im UK anbieten. Damit kannst du dich zu Hause offiziell abmelden und dann auch ein Konto im UK eröffnen, worauf deine Kunden zunächst Rechnungen bezahlen können.
Dies ist wohlgemerkt kein Ersatz für eine korrekte steuerliche Planung und Gestaltung (diese bleibt dir nicht erspart), sehr wohl aber eine wirksame Sofortmaßnahme, wenn du schnell Fakten schaffen willst.
Im gleichen Kontext wäre auch die Gründung einer US-Gesellschaft zu nennen. Diese ist schnell gegründet und lässt sich steuerlich vorteilhaft gestalten, wenn das Einkommen der Gesellschaft keinen Bezug zu den USA hat (z.B. keine US-Kunden). Dass die US-Gesellschaft ein hohes Maß an Vertraulichkeit gewährleistet, wirkt sich ebenfalls zu deinem Vorteil aus.
Tipp: Informiere dich über unsere Nullsteuer LLC, die ideale steuerfreie & anonyme Rechtsform für digitale Nomaden und Perpetual Travelers.
Weitere Steuertipps für digitale Nomaden bzw. Perpetual Travelers
Damit du als digitaler Nomade oder Perpetual Traveler möglichst keine steuerlichen Probleme bekommst, empfehlen wir weitere Verhaltensweisen unter der Prämisse der Steueroptimierung:
- Aufenthaltsorte sorgfältig auswählen: Sei bei der Auswahl deiner Aufenthaltsorte bedachtsam. In manchen Ländern kann schon relativ schnell eine Steuerpflicht ausgelöst werden. Die USA sind notorisch dafür.
- Langfristige Arrangements vermeiden: Vermeide langfristige ortsgebundene Arbeitsverträge und Mietverträge. Alles, was über 6 Monate hinaus geht, ist problematisch. Ggf. ergeben sich auch davor schon steuerliche Verpflichtungen.
- Festanstellung vermeiden: Vermeide auf jeden Fall eine unbefristete Festanstellung. Du schaffst sonst sofort einen Lebensmittelpunkt und ggf. Schwerpunkt der wirtschaftlichen Interessen.
- Verträge richtig formulieren: Achte bei Arbeits- und Projektverträgen darauf, dass diese zu deinem Vorteil formuliert sind und keine steuerlichen Nachteile daraus abgeleitet werden können. Beispielsweise sollte der Arbeitsort frei gewählt werden können bzw. du solltest von der Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz befreit sein.
- Ordentlich abrechnen: Schreibe immer eine ordentliche Rechnung. Vermeide "inoffizielle" Barzahlungen und ähnliches.
- Dokumentation: Dokumentiere in einer Tabelle oder in deinem Kalender deinen Aufenthaltsort. Bewahre Verträge, Rechnungen usw. auf.
- Heimatbesuche begrenzen: Du kannst die Heimat oft besuchen. Aber eben nur besuchen. Es darf sich daraus kein Ort des üblichen Aufenthalts ableiten lassen.
- Vermögen in der Heimat abbauen: Baue bestehendes Vermögen in der Heimat ab und kein neues auf. Sonst kann ein Schwerpunkt der wirtschaftlichen Interessen in der Heimat konstruiert werden. Langfristig sollte sich nicht mehr als ein Drittel deines Vermögens im Heimatland befinden.
- Vorsicht bei Kapitaleinkünften: Wenn du dich an Kapitalgesellschaften beteiligst, ergeben sich unter Umständen diverse Steuerpflichten wie Quellensteuer oder Besteuerung von Kapitalerträgen. Diese fallen immer wieder am Ort der Kapitalgesellschaft an. Informiere dich dazu im Voraus und erwäge eine mögliche steueroptimierte Gestaltung (Holding etc.)
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