🇸🇮 Slowenien
Digital Nomad Visum
Alpen am Vormittag, Adria am Nachmittag, und abends sitzt du in Ljubljana am Fluss: Slowenien packt viel Leben auf wenig Fläche. Seit dem 21. November 2025 gibt es dafür erstmals einen eigenen Aufenthaltstitel für digitale Nomaden. Ob du ihn überhaupt brauchst, hängt allerdings von deinem Pass ab.
Slowenien war lange eine Lücke auf der europäischen Nomaden-Landkarte: Kroatien, Ungarn, Griechenland und Portugal hatten längst eigene Programme, Slowenien nicht. Das hat sich geändert. Mit einer Novelle des Ausländergesetzes (ZTuj-2) hat Slowenien zum 21. November 2025 einen befristeten Aufenthaltstitel für digitale Nomaden eingeführt, offiziell angekündigt über das Regierungsportal gov.si. Diese Seite erklärt dir, wie der Titel funktioniert, wo seine Grenzen liegen und was ein Umzug nach Slowenien steuerlich bedeutet.
Das neue Aufenthaltsrecht auf einen Blick
| Laufzeit | Bis zu 1 Jahr, nicht verlängerbar |
| Neuantrag | Frühestens 6 Monate nach Ablauf des alten Titels |
| Mindesteinkommen | 2 slowenische Durchschnittsnettolöhne, aktuell rund 3.360 Euro im Monat |
| Erlaubte Arbeit | Nur remote für Arbeitgeber und Kunden außerhalb Sloweniens |
| Antragsort | Slowenische Auslandsvertretung oder, bei legalem Aufenthalt, jede Verwaltungseinheit im Land |
| Gebühren | 102 Euro am Konsulat; im Land rund 60 Euro inklusive Aufenthaltskarte |
Als digitaler Nomade gilt nach der Novelle, wer kein EU- oder EWR-Bürger ist und entweder für ein Unternehmen mit Sitz außerhalb Sloweniens angestellt ist, auf zivilrechtlicher Vertragsbasis für ein solches arbeitet oder im Ausland selbständig registriert ist, und die Arbeit vollständig über Informations- und Kommunikationstechnik erledigt. Die wichtigste Konsequenz daraus: Du betrittst den slowenischen Arbeitsmarkt nicht. Aufträge für slowenische Firmen oder Kunden vor Ort sind mit diesem Titel tabu, dafür brauchst du keinerlei Arbeitserlaubnis für deine Remote-Tätigkeit.
Die Einkommenshürde: höher, als sie klingt
Slowenien hat sich gegen eine fixe Euro-Schwelle entschieden. Verlangt werden monatliche Mittel in Höhe des Doppelten des slowenischen Durchschnittsnettolohns, berechnet auf Basis des zuletzt im slowenischen Amtsblatt veröffentlichten Durchschnittsbruttolohns. Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen des Statistikamts liegt der Durchschnittsnettolohn bei rund 1.680 Euro im Monat, die Schwelle damit aktuell bei etwa 3.360 Euro monatlich. Weil die Löhne in Slowenien seit Jahren kräftig steigen, wandert dieser Wert mit jeder Veröffentlichung nach oben. Plane also nicht auf Kante, sondern mit Puffer.
Zum Vergleich: Das ist mehr als beim kroatischen Nachbarprogramm und mehr, als viele klassische Nomadenziele verlangen. Slowenien filtert damit bewusst auf gut verdienende Remote-Profis. Als Nachweis akzeptiert werden alle legalen Einkommensquellen; in der Praxis heißt das Arbeitsvertrag oder Kundenverträge plus Kontoauszüge der letzten 6 Monate, aus denen die regelmäßigen Zahlungseingänge hervorgehen.
Dazu kommen die üblichen Bausteine: ein Reisepass, der noch mindestens 3 Monate über den geplanten Aufenthalt hinaus gültig ist, ein Unterkunftsnachweis, ein Führungszeugnis und eine Kranken- oder Reiseversicherung, die für die gesamte Aufenthaltsdauer in Slowenien gilt. Slowenien will ausdrücklich verhindern, dass Nomaden das öffentliche Gesundheitssystem belasten. Was eine tragfähige internationale Police ausmacht, liest du in unserem Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden und im Artikel Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden.
Antrag: Konsulat oder direkt im Land
Es gibt zwei Wege ins Verfahren. Der klassische läuft über die slowenische Botschaft oder das Konsulat im Land deines legalen Wohnsitzes. Der zweite ist oft der elegantere: Wer sich bereits legal in Slowenien aufhält, etwa visumfrei im Rahmen der 90 Tage, die für viele Drittstaater im Schengen-Raum gelten, kann den Antrag direkt bei jeder Verwaltungseinheit (Upravna enota) im Land stellen. Nach der Antragstellung erhältst du eine Bescheinigung, die bis zur Entscheidung als vorläufiger legaler Aufenthalt gilt.
- Unterlagen sammeln: Pass, Verträge, Kontoauszüge der letzten 6 Monate, Versicherungspolice, Unterkunftsnachweis, Führungszeugnis, biometrische Fotos.
- Antrag einreichen am Konsulat oder bei der Verwaltungseinheit; Gebühr am Konsulat 102 Euro, im Land rund 50 Euro Verwaltungsgebühr plus etwa 10 Euro für Antragsformular und Aufenthaltskarte.
- Biometrie-Termin wahrnehmen: Fingerabdrücke und Foto für die Aufenthaltskarte.
- Entscheidung abwarten. Aus der bisherigen Verfahrenspraxis werden 30 bis 60 Tage berichtet; eine amtlich garantierte Frist ist das nicht, das Programm ist schlicht noch jung.
Ein Pluspunkt, den kaum ein anderes Nomadenprogramm bietet: Familiennachzug ist sofort möglich, ohne Wartefristen und ohne Kopplung an eine Mindestaufenthaltsdauer. Ehepartner und Kinder können also von Anfang an mitkommen, sofern die Mittel für die ganze Familie nachgewiesen werden.
Die harte Grenze: ein Jahr, dann Pause
Hier unterscheidet sich Slowenien deutlich von Programmen, die auf Daueransiedlung zielen. Der Titel gilt maximal ein Jahr und ist nicht verlängerbar. Bei Angestellten und Vertragsarbeitern kann die Laufzeit sogar kürzer ausfallen, wenn der zugrunde liegende Vertrag früher endet. Nach Ablauf gilt eine Wartefrist von 6 Monaten, bevor du erneut einen Nomaden-Titel beantragen kannst. Wer die Pause im übrigen Schengen-Raum verbringen will, muss zusätzlich die eigenen 90/180-Tage-Grenzen im Blick behalten.
Das Kalkül des Gesetzgebers ist offensichtlich: Slowenien will Kaufkraft auf Zeit, keine dauerhafte Zuwanderung über die Nomadenschiene. Einen Wechsel in einen anderen Aufenthaltstitel während der Laufzeit schließt das Gesetz allerdings nicht aus; wer etwa vor Ort ein Unternehmen gründet oder eine Stelle bei einem slowenischen Arbeitgeber annimmt, wechselt in die entsprechende Kategorie mit eigenen Voraussetzungen. Als Sprungbrett zur Daueransässigkeit taugt der Nomaden-Titel selbst aber nicht.
Steuern: die 183-Tage-Frage
Der Aufenthaltstitel regelt nur, dass du bleiben darfst. Die Steuerfrage läuft parallel, und sie ist in Slowenien schnell beantwortet: Wer sich mehr als 183 Tage im Kalenderjahr im Land aufhält oder dort seinen Lebensmittelpunkt hat, wird unbeschränkt steuerpflichtig, und zwar mit dem Welteinkommen. Ein steuerliches Sonderregime für Nomaden gibt es nicht.
Die Sätze haben es in sich: Die Einkommensteuer läuft progressiv in fünf Stufen von 16 bis 50 Prozent, der Spitzensatz greift bereits ab rund 78.000 Euro Jahreseinkommen. Kapitalerträge wie Dividenden und Zinsen werden pauschal mit 25 Prozent belastet. Bemerkenswert ist allein die Haltefrist-Staffel bei Veräußerungsgewinnen, die nach 15 Jahren auf null fällt. Die vollständigen Zahlen, Stufen und Sonderregeln führt das Steueratlas-Profil Slowenien.
Für die Praxis heißt das: Unter 183 Tagen bleibt Slowenien für dich in aller Regel eine reine Aufenthaltsfrage, dein Steuerthema spielt dann weiter dort, wo du ansässig bist. Wer dagegen ganzjährig bleibt und den Lebensmittelpunkt verlagert, holt sich eines der höchsten Steuerniveaus der Region ins Haus. Genau deshalb passt die Ein-Jahres-Logik des Titels am Ende sogar zur Steuerlogik: Slowenien ist ein großartiger Ort für eine Saison, als steuerlicher Dauerwohnsitz für gut verdienende Remote-Arbeiter ist es schlicht teuer.
Für Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Ziehst du im Rahmen der Freizügigkeit nach Slowenien, gelten dieselben Grundregeln wie bei jedem Wegzug innerhalb Europas. Wer die Wohnung zu Hause behält, bleibt dort steuerpflichtig, ganz gleich, was er in Ljubljana anmeldet. Österreich kennt eine Wegzugsbesteuerung auf Kapitalvermögen, in der Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde der entscheidende Schritt. Kläre diese Punkte vor dem Umzug, nicht danach.
Für wen sich Slowenien trotzdem lohnt
Steuern sind nicht alles, und bei kaum einem Land stimmt das so sehr wie hier. Slowenien bietet auf zwei Autostunden Alpen, Karst, Weinberge und Adriaküste, dazu eine Hauptstadt in Fahrradgröße, sehr gute Sicherheit und schnelles Internet. Als Sommer- oder Übergangsbasis zwischen zwei Stationen ist das Land kaum zu schlagen, gerade weil du aus dem deutschsprachigen Raum in wenigen Stunden mit dem Auto dort bist. Was Ljubljana, Maribor und die Küste für Unternehmer und Remote-Arbeiter konkret bieten, liest du in unserem Artikel über Chancen für Unternehmer und digitale Nomaden in Slowenien.
Wer dagegen ein Programm mit Verlängerungsperspektive im gleichen Kulturraum sucht, sollte einen Blick auf das kroatische Nomadenprogramm werfen; weitere Optionen sortiert die Übersicht aller Digital Nomad Visa, und Länder mit echtem Steuervorteil findest du in der Länderübersicht.
Ist Slowenien das Richtige für dich?
Wir klären mit dir, ob Freizügigkeit, Nomaden-Titel oder ein ganz anderes Ziel zu deiner Situation passt, und wie der Wegzug steuerlich sauber funktioniert.
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