🇨🇷 Costa Rica
Digital Nomad Visum
Costa Rica hat als eines der ersten Länder Lateinamerikas ein eigenes Gesetz für Remote-Arbeiter verabschiedet. Die Estancia nach Ley 10008 bringt dir bis zu zwei Jahre legalen Aufenthalt, null Steuern auf dein Auslandseinkommen und die zollfreie Einfuhr deiner Arbeitsgeräte.
Costa Rica ist seit Jahren eine der beliebtesten Basen für Remote-Arbeiter in Lateinamerika: politisch stabil, sicher im regionalen Vergleich, mit starken Nomad-Hubs wie Santa Teresa, Tamarindo und dem Valle Central. Wo das Land im weltweiten Vergleich steht, zeigt dir unsere Länderübersicht und der Artikel über die besten Länder für digitale Nomaden; einen ausführlichen Blick auf das Leben vor Ort wirft das Costa-Rica-Profil auf Wohnsitz Ausland. Diese Seite hier beantwortet die praktische Frage: Mit welchem Status bleibst du legal im Land, wie läuft das Verfahren 2026 tatsächlich ab, und was bringt dir das Gesetz steuerlich?
Eine Begriffsklärung vorweg: Was überall "Digital Nomad Visa" heißt, ist rechtlich eine Estancia, eine eigene Aufenthaltskategorie für "Trabajadores y Prestadores Remotos de Servicios", geschaffen durch das Gesetz Nr. 10008 vom August 2021 und praktisch nutzbar seit dem Ausführungsreglement von 2022. Es ist kein Visum im klassischen Sinn und keine Residencia, sondern ein befristeter Sonderstatus mit eingebauten Steuer- und Zollvorteilen.
Die zwei Wege auf einen Blick
Für Deutsche, Österreicher und Schweizer gibt es zwei realistische Einstiege. Der erste kostet nichts: Seit September 2023 darfst du als Tourist bis zu 180 Tage visumfrei im Land bleiben (Dekret Nr. 44187-MGP, vorher waren es 90 Tage). Der zweite ist die Estancia nach Ley 10008, das eigentliche Digital-Nomad-Programm.
| Weg | Antragsort | Laufzeit | Kosten |
|---|---|---|---|
| Visumfrei als Tourist | Keiner, einfach einreisen | Bis 180 Tage je Einreise | 0 |
| Estancia (Ley 10008) | Online über Tramite Ya, aus dem Ausland oder im Land | 1 Jahr, einmalig um 1 Jahr verlängerbar | 100 USD Antragsgebühr plus 90 USD für das Aufenthaltsdokument |
Die Faustregel ist einfach: Wer unter sechs Monaten bleibt, braucht die Estancia nicht. Die 180 visumfreien Tage decken eine komplette Saison ab, ohne Antrag und ohne Behörde. Ein wichtiger Praxishinweis dazu: Die 180 Tage sind das Maximum, einen Anspruch darauf hast du nicht. Der Grenzbeamte legt die Aufenthaltsdauer im Einzelfall fest und stempelt gelegentlich weiterhin nur 90 Tage ein. Die Estancia lohnt sich, sobald du Costa Rica zur echten Basis machen willst: Sie gibt dir Planungssicherheit für bis zu zwei Jahre, einen offiziellen Ausweis (DIMEX) für Alltagsdinge wie Bankkonto und Verträge, und sie aktiviert die Steuer- und Zollvorteile des Gesetzes.
Für Österreicher und Schweizer: Beide Länder gehören wie Deutschland zur ersten Ländergruppe der costa-ricanischen Einreiseregeln, die 180 Tage visumfrei und das gesamte Estancia-Verfahren gelten also identisch. Unterschiede entstehen erst beim Wegzug aus dem Heimatland: Österreich kennt eine Wegzugsbesteuerung auf Kapitalvermögen, in der Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde der entscheidende Schritt. Kläre das vor dem Abflug, nicht danach.
Die Estancia nach Ley 10008: Voraussetzungen
Die Anforderungsliste ist erfreulich kurz und kommt ohne Universitätsabschluss, Altersgrenze oder Mindestinvestition aus:
- Einkommen von 3.000 USD pro Monat aus Remote-Arbeit für Arbeitgeber oder Kunden außerhalb Costa Ricas; 4.000 USD, wenn du mit Familie beantragst (der Betrag gilt dann für die ganze Familiengruppe, nicht pro Kopf)
- Das Einkommen muss stabil über die letzten 12 Monate geflossen sein, nachgewiesen per Kontoauszügen des letzten Jahres oder einer Bescheinigung eines Wirtschaftsprüfers
- Krankenversicherung mit mindestens 50.000 USD Deckung für die gesamte Aufenthaltsdauer, für dich und alle mitreisenden Angehörigen
- Gültiger Reisepass und das ausgefüllte Online-Antragsformular
Bemerkenswert ist, was nicht auf der Liste steht: Ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt die offizielle Anforderungsliste der Estancia nicht, anders als bei den klassischen Residencia-Kategorien. Auch ein Mietvertrag oder Unterkunftsnachweis ist keine Antragsvoraussetzung.
Interessant wird das Gesetz durch das, was es dir aktiv gibt. Ley 10008 verankert für Estancia-Inhaber ausdrücklich:
- Volle Befreiung von der Einkommensteuer auf das im Antrag deklarierte Auslandseinkommen
- Zollfreie Einfuhr deiner Arbeitsgeräte: Computer, IT- und Telekommunikationsausrüstung, die du für deine Remote-Arbeit brauchst, kommen ohne Einfuhrabgaben ins Land
- Dein Führerschein aus dem Heimatland bleibt für die Dauer des legalen Aufenthalts gültig
- Das Recht, ein Bankkonto bei costa-ricanischen Banken zu eröffnen
Antragsweg: online über Tramite Ya
Zuständig ist die Migrationsbehörde DGME (Dirección General de Migración y Extranjería, migracion.go.cr). Der Antrag läuft digital über die Behördenplattform Tramite Ya. Zum Antragsort ganz explizit, weil dazu viel Halbwissen kursiert: Du kannst die Estancia sowohl aus dem Ausland als auch bereits im Land beantragen. Die Plattform nimmt beides an, alternativ geht auch die persönliche Einreichung bei der DGME in San José. In der Praxis reisen die meisten Antragsteller visumfrei ein und stellen den Antrag aus Costa Rica heraus, denn nach der Bewilligung steht ohnehin ein persönlicher Termin im Land an.
So sieht der Ablauf Schritt für Schritt aus:
- Unterlagen vorbereiten: Kontoauszüge der letzten 12 Monate, Versicherungspolice, Passkopien. Im Ausland ausgestellte Dokumente wie eine Wirtschaftsprüfer-Bescheinigung brauchen eine Apostille; fremdsprachige Unterlagen müssen von einem in Costa Rica anerkannten Übersetzer ins Spanische übersetzt werden.
- Gebühren zahlen: 100 USD Antragsgebühr auf das Konto der Banco de Costa Rica, später weitere 90 USD für das Aufenthaltsdokument und den Migrations-Sozialfonds. Rechne Bankspesen von rund 15 USD je Überweisung ein.
- Antrag auf Tramite Ya einreichen und die Nachweise hochladen.
- Auf die Bewilligung warten. Das Gesetz gibt der Behörde eine Frist von 15 Tagen vor. Die Praxis 2026 streut deutlich stärker: Rechne realistisch mit mehreren Wochen bis wenigen Monaten, je nach Rückfragen und Auslastung. Das ist eine Beobachtung aus der Antragspraxis, keine amtliche Zahl.
- Registrierung im Land: Nach der Bewilligung nimmst du in Costa Rica den Termin bei der DGME wahr. Dort werden Fingerabdrücke und Foto erfasst, anschließend bekommst du die DIMEX-Karte, deinen offiziellen Ausländerausweis mit Kategorie Estancia.
Die DIMEX ist im Alltag mehr wert, als es klingt: Sie ist deine Identifikationsnummer für Bankkonto, Handyvertrag und Behördengänge. Ohne sie bleibst du für das costa-ricanische System ein Tourist mit Reisepass.
Krankenversicherung: Pflicht mit Spielraum
Die Versicherungspflicht ist Bewilligungsvoraussetzung, lässt dir aber die Wahl des Anbieters: Zugelassen sind internationale Policen ebenso wie lokale Versicherer unter Aufsicht der costa-ricanischen SUGESE, solange die Deckung von mindestens 50.000 USD für die gesamte Aufenthaltsdauer steht. Anders als bei den Residencia-Kategorien musst du dich nicht in die staatliche Caja einkaufen. Für die meisten Nomaden ist eine internationale Police ohnehin die bessere Wahl, weil sie auch Reisen in Nachbarländer abdeckt; die Grundlagen findest du in unserem Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden und im Artikel Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden.
Verlängerung: die 80-Tage-Falle
Die Estancia gilt 1 Jahr und lässt sich einmalig um ein weiteres Jahr verlängern, danach ist Schluss mit dieser Kategorie. Die Verlängerung läuft wieder über Tramite Ya, mit aktuellen Einkommensnachweisen auf demselben Niveau, gültiger Versicherung und erneut 90 USD Dokumentengebühr.
Die eine Bedingung, die du von Anfang an einplanen musst: Für die Verlängerung musst du im ersten Jahr mindestens 80 Tage physisch in Costa Rica gewesen sein. Das ist bewusst nomadenfreundlich niedrig angesetzt, du kannst also weiter reisen und Costa Rica als Basis nutzen. Wer das Land aber nur auf dem Papier nutzt und die 80 Tage verfehlt, verliert den Anspruch auf das zweite Jahr.
Steuern: Territorialprinzip plus Extra-Befreiung
Costa Rica besteuert nach dem Territorialprinzip: Steuerpflichtig sind grundsätzlich nur Einkünfte aus costa-ricanischen Quellen. Dein Honorar von deutschen Kunden, dein Gehalt vom europäischen Arbeitgeber oder Erträge deiner ausländischen Firma bleiben in Costa Rica unbesteuert, und zwar unabhängig vom Visum. Die Estancia legt noch eine Schicht darüber: Ley 10008 stellt das deklarierte Auslandseinkommen ausdrücklich von der Einkommensteuer frei, du bist also nicht auf die Auslegung des Territorialprinzips im Einzelfall angewiesen.
Zur steuerlichen Ansässigkeit: Wer sich mehr als 183 Tage im Steuerjahr in Costa Rica aufhält, gilt dort als steuerlich ansässig. Für dich als Remote-Arbeiter mit reinen Auslandseinkünften ändert das wegen des Territorialprinzips an der Steuerlast praktisch nichts, es kann aber genau der Ansässigkeitsnachweis sein, den du für die Abmeldung aus dem deutschen System brauchst. Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst der saubere Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, dann die neue Basis. Wer die Wohnung zu Hause behält, bleibt dort steuerpflichtig; ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Costa Rica, das dich im Konfliktfall retten würde, existiert nicht. Die Grundlagen zum Wegzug findest du auf unserer Seite Steuern für digitale Nomaden, die Details zum costa-ricanischen Steuerrecht führt das Steueratlas-Profil Costa Rica.
Alternativen für den längeren Horizont
Die Estancia endet nach spätestens zwei Jahren und führt nicht automatisch in eine Residencia. Wer dann bleiben will, wechselt in eine der klassischen Kategorien: die Rentista-Residencia (nachgewiesenes stabiles Einkommen von 2.500 USD pro Monat über zwei Jahre, üblicherweise über ein Bankdepot von 60.000 USD gelöst) oder die Inversionista-Residencia über eine Investition im Land. Beide sind eigene Verfahren mit eigenen Spielregeln, unter anderem mit Führungszeugnis und Pflichtmitgliedschaft in der staatlichen Caja. Für die strategische Planung eines dauerhaften Standbeins in Lateinamerika lohnt der Blick auf unsere Schwesterseite VidaLibrePlan.
Und für alle, die sich gar nicht binden wollen, bleibt der einfachste Weg der beste: 180 Tage visumfrei einreisen, arbeiten, weiterziehen. Kein Antrag, keine Apostille, keine Behörde. Erst wenn Bankkonto, Steuervorteile und Planungssicherheit wichtig werden, spielt die Estancia ihre Stärken aus. Wie sich Costa Rica gegen andere Programme schlägt, siehst du in der Übersicht aller Digital Nomad Visa.
Ist Costa Rica das Richtige für dich?
Wir klären mit dir, ob Estancia oder visumfreier Aufenthalt zu deiner Situation passt und wie der Wegzug aus Europa abläuft, von der Abmeldung bis zur 183-Tage-Frage.
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