Digitale Nomaden - damit der Traum vom Job am Strand nicht platzt
Arbeiten, wo andere Urlaub machen - so stellen sich viele Menschen das Leben als Digital Nomaden vor.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen - so stellen sich viele Menschen das Leben als Digital Nomaden vor. Online Meetings in einer Hängematte am Strand in Thailand , Australien , Kalifornien oder Dubai hören sich definitiv verlockender an als Arbeiten im winterlichen Grau Deutschlands.
So schön wie das klingen mag, bringt das Leben als Digital Nomade auch einige Herausforderungen mit sich und komplett befreit von Verpflichtungen bist du auch nicht.
In unserem aktuellen Podcast sprechen wir mit Sebastian Sauerborn , der schon viele Digital Nomaden beraten hat. Er erklärt uns, was Digital Nomaden bezüglich Steuern und Wohnsitz alles beachten müssen.
Abmelden am Wohnsitz und beim Finanzamt - Zahle ich dann keine Steuern mehr?
Deutschland ade, Finanzamt ade. Das ist der Traum vom Digital Nomadentum . Doch kann man sich wirklich einfach abmelden und steuerfrei leben?
Willst du in deiner Heimat keine Steuern mehr zahlen, musst du diesem Land wirklich komplett den Rücken kehren.
Und hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, was eigentlich der Mythos ist. Der Fehler ist nicht das niedrige Steuerniveau. Der Fehler ist, nirgendwo ansässig zu sein. Ein Mythos ist "steuerfrei" ohne Ansässigkeit: Wer sich nur abmeldet und dann durch die Welt reist, ist nicht steuerfrei, sondern überall angreifbar, ohne Abkommensschutz und ohne Tie-Breaker. Steuerpflichtig bist du mit deinem Welteinkommen grundsätzlich dort, wo dein Lebensmittelpunkt liegt.
Kein Mythos ist dagegen, dass du mit der richtigen Ansässigkeit sehr wenig oder keine Steuer zahlst: Die Philippinen besteuern Ausländer nur territorial, die Vereinigten Arabischen Emirate erheben auf privater Ebene keine Einkommensteuer, die Türkei stellt Neuansässige nach Gesetz 7582 bei ausländischen Einkünften frei. Das ist geltendes Recht dieser Länder, keine Grauzone. Wie du dahin kommst, ist vor allem eine Frage der Planung.
Wie kann ich die Steuerlast radikal senken?
Zunächst einmal: Planung ist das A und O. Wenn du ein Leben als Digital Nomade planst oder schon durch die Welt tingelst, dann lohnt es sich besonders in Steuerfragen einiges zu berücksichtigen.
- Wähle ein Land als Wohnsitz, das ausländische Einkünfte nicht oder kaum besteuert. Dazu gehören etwa die Philippinen (territoriale Besteuerung), die Vereinigten Arabischen Emirate (keine Einkommensteuer auf privater Ebene) und die Türkei (Befreiung ausländischer Einkünfte für Neuansässige nach Gesetz 7582). Portugal fällt dagegen weitgehend aus: Das NHR-Programm ist geschlossen, der Nachfolger IFICI ist eng auf bestimmte Tätigkeiten zugeschnitten.
- Überleg dir, ob es für deine Situation sinnvoll ist, eine Firma zu gründen . Denn in einigen Staaten kannst du durch eine Unternehmensgründung die Steuerlast enorm reduzieren. Ein beliebtes Land für Unternehmensgründer ist zum Beispiel Malta .
- Steuerbefreit im Heimatland- Wie geht das?: Dafür musst du deine Wohnung kündigen oder mindestens dauerhaft vermieten und Verträge und Mitgliedschaften auflösen. Falls du Fahrzeuge besitzt, musst du auch diese verkaufen und Versicherungen kündigen. Und wenn du verheiratet bist, muss auch deine Familie mit dir ins Ausland gehen. Nur so kannst du dem Finanzamt glaubhaft nachweisen, dass du wirklich deinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt hast.
Das waren nur ein paar Steuer-Tipps. In vielen Fällen lohnt sich auch eine persönliche Beratung, um Steuerfallen zu vermeiden.
Wie lange kann ich mich in einem Land aufhalten, ohne einen Wohnsitz auszulösen?
In den wenigsten Ländern kann man sich mehr als 183 Tage aufhalten, ohne steuerpflichtig zu werden. Natürlich muss man immer die Gesetzeslage des jeweiligen Landes beachten, daher ist keine Pauschalaussage möglich.
Aber egal in welchem Land du mit deinem Laptop am Strand sitzen willst, eine gute Planung ist auch hier unerlässlich. Überleg dir: Wie lange werde ich mich dort aufhalten? Was werde ich verdienen und wie werde ich arbeiten? Gibt es für mein Zielland ein Visum für digitale Nomaden ? Wenn du das im Voraus abklärst, kannst du vermeiden, in dem jeweiligen Land einen steuerlichen Wohnsitz auszulösen.
Eine Faustregel wie "je öfter man den Ort wechselt, desto besser" führt dich allerdings in die falsche Richtung. Ohne feste Ansässigkeit löst häufiges Weiterziehen dein Steuerproblem nicht, es verschiebt es nur. Besser ist der umgekehrte Weg: ein Land als echte Basis, in dem du ansässig bist und das ausländische Einkünfte nicht oder kaum besteuert. Von dort aus kannst du reisen, so viel du willst, solange du in deinen Reiseländern keinen zweiten Lebensmittelpunkt aufbaust.
Wie ist das bei einer Weltreise?
Viele, die das Fernweh packt, denken sich vielleicht, sie können eine Weltreise machen und als Digital Nomade weiterhin Geld verdienen. Wie sieht es da steuerrechtlich aus?
Bei einer temporären Abwesenheit ist es grundsätzlich so, dass man weiterhin im Heimatland steuerpflichtig bleibt. Auch wenn die Weltreise 2 Jahre oder sogar länger dauert.
Das sollte man unbedingt bei seinen Planungen berücksichtigen.
Warum es sich lohnt, irgendwo einen Wohnsitz zu haben?
Es ist ja ganz klar, auch als digitaler Nomade muss man von irgendwas leben. Man muss Flüge und eine Unterkunft buchen und seinen Cappuccino im Café bezahlen.
Das heißt, auch als Weltenbummler und Nomade braucht man mindestens eine Bank und eine Kreditkarte. Und manche Digital Nomaden wollen vielleicht auch eine Firma gründen .
All das geht viel einfacher, wenn man einen offiziellen Wohnsitz hat. Denn bei jeder Firmengründung und bei jeder Kontoeröffnung musst du mindestens eine Adresse und in vielen Fällen auch eine Steuernummer angeben.
Hast du jetzt ein bisschen Fernweh bekommen und überlegst, den Laptop einzupacken und die Welt zu bereisen? Dann hast du sicher noch viele Fragezeichen im Kopf. In unserem aktuellen Podcast werden sicher noch einige dieser Fragen beantwortet.
Fragen zu diesem Thema?
Buch dir ein Gespräch mit Sebastian. Ob das in deiner Situation trägt, entscheidet sich an drei Punkten: wo du tatsächlich bist, was du unterschrieben hast und in welcher Reihenfolge du es machst.
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