Taiwan ist das Land, das fast alles kann, was Japan kann, und einen entscheidenden Punkt besser: Man kommt hier tatsächlich an.
Das ist die kürzeste ehrliche Zusammenfassung. Sicherheit, Infrastruktur, öffentlicher Nahverkehr, Internet, Essen und Gesundheitsversorgung liegen auf japanischem Niveau oder nahe daran. Die Kosten liegen deutlich darunter. Und der soziale Zugang ist ein anderer: Taiwanesen gelten unter Zugezogenen als die freundlichsten Menschen Ostasiens, und die Schwelle zu echten Bekanntschaften ist ungleich niedriger als in Tokio oder Seoul.
2026 hat sich zudem etwas Wesentliches verändert. Das taiwanische Nomadenvisum wurde von sechs Monaten auf bis zu zwei Jahre verlängert. Damit ist aus einem Kurzzeitangebot ein ernsthafter Aufenthaltstitel geworden.
Was gegen Taiwan spricht: sechs bis sieben Stunden Zeitverschiebung, ein feuchtes Klima, das nicht jedem bekommt, und eine geopolitische Lage, die man nicht wegplanen kann. Auch das behandeln wir hier offen.
Der Alltag
Der taiwanische Alltag ist unaufgeregt und außerordentlich funktional. Die U-Bahn in Taipeh ist sauber, pünktlich und deckt die Stadt vollständig ab. Die EasyCard bezahlt Bahn, Bus, Leihrad und den halben Einzelhandel. Convenience Stores an jeder Ecke erledigen Paketannahme, Rechnungen und die halbe Verwaltung des Lebens.
Was sofort auffällt: Die Menschen sind hilfsbereit in einer Weise, die man zunächst für Zufall hält. Wer ratlos auf eine Karte schaut, wird angesprochen. Wer im Restaurant nicht weiterkommt, bekommt Hilfe vom Nebentisch. Die Höflichkeit ist weniger formell als in Japan und dafür wärmer.
Der Roller prägt das Straßenbild. Taipeh hat gleichzeitig ein ausgezeichnetes Radwegenetz entlang der Flüsse und ein Bergland direkt am Stadtrand, das in zwanzig Minuten mit der U-Bahn erreichbar ist. Wandern ist Volkssport, und heiße Quellen liegen innerhalb der Stadtgrenze.
Taiwan ist außerdem gesellschaftlich das offenste Land Asiens, mit einer lebendigen Zivilgesellschaft, freier Presse und einer politischen Kultur, die für Mitteleuropäer sofort lesbar ist.
Die Basen
Taipeh ist für praktisch jeden die richtige Wahl. Innerhalb der Stadt sind Da'an und Zhongzheng die zentralen, gutbürgerlichen Bezirke mit Parks, Cafés und Universitätsnähe. Zhongshan ist stilvoll und ruhig mit japanischem Erbe. Xinyi ist modern, hochhauslastig und teuer. Wanhua ist das alte Taipeh, deutlich günstiger und rauer.
Die Stadt hat für ihre Größe eine ungewöhnlich hohe Lebensqualität, weil sie kompakt ist, alles zu Fuß oder mit der Bahn funktioniert und die Berge unmittelbar angrenzen.
Taichung in der Mitte des Landes ist wärmer, sonniger und deutlich günstiger, mit einer wachsenden Café- und Designszene. Für viele der bessere Kompromiss aus Kosten und Klima.
Tainan im Süden ist die älteste Stadt Taiwans, kulinarisch die wichtigste des Landes, entspannt und billig. Für alle, die tiefer eintauchen wollen und keine internationale Blase brauchen.
Hualien und Taitung an der Ostküste liegen zwischen Pazifik und Bergen und sind landschaftlich außergewöhnlich, infrastrukturell deutlich dünner.
Internet und Arbeiten
Taiwan ist technisch erstklassig. Glasfaser mit 300 bis 1.000 Mbit kostet zwischen 800 und 1.500 Neuen Taiwan-Dollar im Monat, umgerechnet grob 23 bis 43 Euro. Mobiles Internet ist schnell, günstig und praktisch flächendeckend, auch in den Bergen und in den Zügen. Unbegrenzte Prepaid-Datentarife sind für Kurzzeitbesucher problemlos verfügbar.
Ein Vorteil, den man erst schätzt, wenn man ihn nutzt: Öffentliches WLAN funktioniert im ganzen Land zuverlässig, und die Convenience-Store-Kette als Arbeitsplatz für zwanzig Minuten ist eine ernsthafte Option.
Coworking gibt es in Taipeh in großer Auswahl und guter Qualität, mit Preisen zwischen 5.000 und 12.000 Neuen Taiwan-Dollar im Monat für einen festen Platz. Die Café-Kultur ist ausgeprägt und ausdrücklich arbeitsfreundlich, viele Häuser haben Steckdosen an jedem Tisch.
Taiwan ist zudem ein globales Zentrum der Halbleiter- und Hardwareindustrie, was für alle im Technologiebereich ein reales Netzwerkargument ist.
Essen
Taiwanisches Essen wird international unterschätzt und ist für viele der Hauptgrund, länger zu bleiben.
Die Nachtmärkte sind die bekannteste Form, aber die Tiefe liegt woanders: in den Frühstückslokalen, den Nudelküchen, den Reisgerichten, der Beeinflussung durch die japanische Kolonialzeit und durch die verschiedenen chinesischen Regionalküchen, die nach 1949 mitgebracht wurden. Tainan gilt als kulinarische Hauptstadt.
Preislich ist es außergewöhnlich günstig: Eine gute Mahlzeit kostet 80 bis 180 Neue Taiwan-Dollar, also zwei bis fünf Euro. Selbst in Taipeh isst man für zehn Euro am Tag sehr gut.
Vegetarisch essen ist in Taiwan einfacher als irgendwo sonst in Asien, weil der Buddhismus eine eigene, ausgebaute vegetarische Küche hervorgebracht hat, die überall verfügbar ist.
Dazu kommt die Teekultur, die zu den ernsthaftesten der Welt gehört, mit Oolong aus den Bergen des Landes, und eine Kaffeeszene in Taipeh auf hohem Niveau. Bubble Tea stammt von hier, was zwar kein kulinarisches Argument ist, aber gelegentlich Freude macht.
Menschen und Anschluss
Das ist Taiwans stärkster Punkt gegenüber Japan und Südkorea.
Taiwanesen sind offen, neugierig und ausgesprochen freundlich gegenüber Fremden, ohne die Distanz, die den japanischen Umgang prägt. Die Bereitschaft, Englisch zu sprechen, ist höher als in Japan, wenn auch das Niveau schwankt. Wer Mandarin lernt, wird sehr schnell belohnt, und Taiwan ist einer der besten Orte weltweit, um es zu lernen.
Die internationale Gemeinde in Taipeh ist mittelgroß, stabil und ungewöhnlich gut vernetzt, geprägt von Technologieleuten, Sprachlernenden und Gold-Card-Inhabern. Die deutschsprachige Präsenz ist klein, aber vorhanden.
Was Taiwan besonders macht: Der Zugang zur lokalen Gesellschaft ist real. Man wird zu Familienessen eingeladen, man landet in Wandergruppen, man bekommt Kontakte über Kontakte. Das ist in Ostasien selten und der Grund, warum viele, die für sechs Monate kamen, drei Jahre bleiben.
Kosten
| Position | Taipeh | Taichung / Tainan |
|---|---|---|
| Möbliertes Studio, gute Lage | 18.000–30.000 TWD | 11.000–19.000 TWD |
| 1-Schlafzimmer-Wohnung | 25.000–45.000 TWD | 15.000–28.000 TWD |
| Essen (Straße und Restaurant) | 12.000–20.000 TWD | 9.000–16.000 TWD |
| Coworking, fester Platz | 5.000–12.000 TWD | 3.500–8.000 TWD |
| Glasfaser | 800–1.500 TWD | 800–1.500 TWD |
| Nahverkehr | 1.200–2.500 TWD | 1.500–3.000 TWD |
| Private Krankenversicherung | 2.000–5.000 TWD | 2.000–5.000 TWD |
Realistisch liegst du in Taipeh bei 1.300 bis 2.000 Euro im Monat, in Taichung oder Tainan bei 900 bis 1.400 Euro. Damit ist Taiwan teurer als Vietnam und Malaysia, aber deutlich günstiger als Japan bei vergleichbarer Infrastrukturqualität.
Wohnen ist der teure Posten in Taipeh. Der reguläre Mietmarkt verlangt in der Regel einen längeren Vertrag und eine Kaution von zwei Monatsmieten. Kurzzeitmieten über Plattformen sind teurer, aber für Aufenthalte unter sechs Monaten meist der einzige praktikable Weg.
Ein Konto ohne Aufenthaltskarte zu eröffnen ist schwierig, mit ARC dagegen unproblematisch, siehe freedombanking.plus.
Gesundheit und Sicherheit
Das taiwanische Gesundheitssystem gilt international als eines der besten und effizientesten überhaupt. Ärzte sind hervorragend ausgebildet, Wartezeiten kurz, Kosten niedrig.
Für dich hängt der Zugang am Aufenthaltstitel. Auf dem Nomadenvisum bist du nicht in der staatlichen Krankenversicherung und brauchst eine internationale Police, die ohnehin Antragsvoraussetzung ist und Behandlung und Krankenhausaufenthalt abdecken muss. Reine Reiseversicherungen werden abgelehnt. Gold-Card-Inhaber können der staatlichen Versicherung beitreten, angestellte und selbstständig tätige Inhaber sogar ohne die sonst übliche Sechs-Monats-Wartefrist. Details im Versicherungsleitfaden und in der Übersicht zur medizinischen Versorgung.
Die Alltagssicherheit ist außergewöhnlich hoch, vergleichbar mit Japan. Gewaltkriminalität ist selten, Diebstahl ebenfalls, und nächtliches Unterwegssein ist völlig unproblematisch.
Naturgefahren sind dagegen real: Taiwan liegt in einer erdbebenaktiven Zone und wird jährlich von Taifunen getroffen, typischerweise zwischen Juli und Oktober. Die Bauvorschriften und die Katastrophenorganisation sind gut, und Taifune bedeuten in der Praxis meist ein bis zwei Tage Stillstand statt Zerstörung. Trotzdem gehört ein Vorrat für zwei bis drei Tage in den Schrank.
Die geopolitische Frage
Das gehört in ein ehrliches Profil.
Taiwans völkerrechtlicher und sicherheitspolitischer Status ist ungeklärt, und die Spannungen in der Straße von Taiwan sind ein dauerhaftes Thema. Für den Alltag hat das derzeit keine spürbaren Konsequenzen: Das Leben in Taipeh ist normal, entspannt und in keiner Weise von Krisenstimmung geprägt. Taiwanesen selbst gehen mit der Lage mit bemerkenswerter Gelassenheit um.
Für deine Planung heißt das trotzdem: Taiwan ist ein hervorragender Aufenthaltsort und ein schwieriges Land, um Vermögen, Struktur oder eine Lebensplanung über zehn Jahre daran zu binden. Wer für ein Jahr oder zwei kommt, für den ist die Frage nachrangig. Wer eine dauerhafte Basis sucht, sollte sie bewusst bewerten statt wegzudiskutieren. Die Systematik dafür steht im Leitfaden zur geopolitischen Sicherheit.
Ein praktischer Aspekt: Taiwanische Bankkonten und dort verwahrte Vermögenswerte sind aus dieser Perspektive anders zu bewerten als solche in Singapur oder der Schweiz.
Klima
Taiwan ist subtropisch im Norden und tropisch im Süden, mit hoher Luftfeuchtigkeit das ganze Jahr.
Die beste Zeit ist von Oktober bis Dezember und im März und April. Angenehme Temperaturen, weniger Regen, gut zum Wandern.
Der Sommer von Juni bis September ist heiß und sehr schwül, mit über dreißig Grad und Luftfeuchtigkeit, die die Stadt anstrengend macht, dazu die Taifunsaison.
Der Winter in Taipeh ist der unterschätzte Schwachpunkt. Er ist nicht kalt, aber grau, feucht und regnerisch über Wochen, und weil die Wohnungen weder isoliert noch geheizt sind, ist es innen ungemütlich. Wer den Winter in Taiwan verbringt, geht in den Süden, wo Tainan und Kaohsiung deutlich sonniger und trockener sind.
Anreise und Zeitzone
Direktflüge nach Taipeh gibt es ab Frankfurt mit China Airlines sowie ab München und Wien mit EVA Air, ansonsten läuft es über Bangkok, Singapur, Doha, Dubai oder Istanbul. Nonstop bist du in rund dreizehn Stunden dort, mit Umsteigen rechnest du mit sechzehn bis achtzehn Stunden Gesamtreisezeit.
Innerhalb Taiwans ist der Hochgeschwindigkeitszug entlang der Westküste hervorragend und bringt dich von Taipeh nach Kaohsiung in unter zwei Stunden. Das Land ist klein genug, um es vollständig mit der Bahn zu erschließen.
Die Zeitzone ist UTC+8, also sechs Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit und sieben im Winter. Wenn dein Kunde in München um neun Uhr beginnt, ist es bei dir fünfzehn Uhr. Die Überschneidung liegt zwischen deinem Nachmittag und deinem späten Abend. Das ist besser als Japan und eine Stunde schlechter als Thailand. Für asynchrone Arbeit unproblematisch, für tägliche Vormittagstermine ungeeignet. Siehe Zeitzonen und Kundenkontakt.
Einreise und Nomadenvisum 2026
Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt Visumfreiheit für 90 Tage. Das ist der einfachste Einstieg und für ein Quartal völlig ausreichend.
Darüber hinaus hat Taiwan im Januar 2025 ein Digital Nomad Visa eingeführt, und hier liegt die wichtigste Änderung des Jahres: Seit dem 8. Januar 2026 beträgt die maximale Aufenthaltsdauer nicht mehr sechs Monate, sondern bis zu zwei Jahre, aufgebaut aus einem sechsmonatigen Ersteintrag plus drei Verlängerungen. Grundlage ist die am 24. September 2025 verkündete Novelle des Gesetzes zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte, in Kraft seit dem 1. Januar 2026.
Die Eckdaten:
- Offen für Staatsangehörige visumbefreiter Länder, was Deutschland, Österreich und die Schweiz einschließt.
- Jahreseinkommen von mindestens 40.000 US-Dollar, für Antragsteller zwischen 20 und 29 Jahren reichen 20.000 US-Dollar.
- Kontoguthaben von durchschnittlich mindestens 10.000 US-Dollar über die letzten sechs Monate.
- Nachweis der Remote-Arbeitserfahrung über Lebenslauf und Verträge, dazu eine Tätigkeitsbeschreibung auf dem vorgesehenen Formular.
- Internationale Krankenversicherung mit Behandlungs- und Krankenhausdeckung für die gesamte Dauer. Reise- und Erstattungspolicen werden abgelehnt.
- Kein Arbeitsrecht in Taiwan, keine lokalen Kunden, kein Zugang zur staatlichen Krankenversicherung, kein Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung.
- Antragstellung im Ausland oder, bei visumfreier Einreise, im Land innerhalb eines definierten Zeitfensters vor Ablauf des visumfreien Aufenthalts.
Wichtig zur Abgrenzung: Das Nomadenvisum kennt keine Mitnahme von Ehepartner oder Kindern. Offene Arbeitserlaubnisse für Ehepartner und der beschleunigte Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung für Spitzenverdiener gehören zur Gold Card. Alle Wege mit Voraussetzungen, Gebühren und Verfahrensschritten im Detail findest du auf unserer Visa-Seite Taiwan.
Die Gold Card
Wer die Einkommenshürde erreicht, sollte die Employment Gold Card ernsthaft prüfen, weil sie ein grundsätzlich anderes Produkt ist.
Sie bündelt Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsvisum, Aufenthaltskarte und Wiedereinreiseerlaubnis in einem Dokument, ist ein bis drei Jahre gültig nach eigener Wahl und verlangt keinen taiwanischen Arbeitgeber. Der übliche Zugang läuft über ein Monatseinkommen von mindestens 160.000 Neuen Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 5.000 US-Dollar, oder über eine Qualifikation in einem von zwölf anerkannten Fachgebieten. Der Antrag läuft vollständig online.
Was sie bietet und das Nomadenvisum nicht: Zugang zur staatlichen Krankenversicherung, lokale Arbeitsrechte, offene Arbeitserlaubnis für den Ehepartner, einen Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung nach drei Jahren und erhebliche Steuervorteile. Zum Stand Ende Februar 2026 waren rund 8.400 Gold Cards in Umlauf, seit dem Start 2018 wurden knapp 16.000 erteilt.
Die Faustregel: Ab rund 60.000 US-Dollar Jahreseinkommen ist die Gold Card in fast jedem Fall die bessere Wahl, zwischen 40.000 und 60.000 US-Dollar nimmst du das Nomadenvisum. Ohne diese Einkommensschwellen bleiben zwei Türen: die Gold Card über den Qualifikationsweg in einem der zwölf Fachgebiete, und das Nomadenvisum über den Nachweis eines Nomadenvisums eines anderen Landes.
Steuern vor Ort
Hier liegt die Falle, und sie ist teuer.
Aufenthalte bis 90 Tage im Kalenderjahr sind unproblematisch. Ausländische Einkünfte bleiben unberührt.
Über 90 Tage greift eine pauschale Quellenbesteuerung auf in Taiwan steuerpflichtige Einkünfte, mit einem Satz von 18 Prozent. Und der entscheidende Punkt: Nach taiwanischer Auffassung kann Arbeit, die physisch in Taiwan erbracht wird, als taiwanische Quelle gelten, auch wenn der Auftraggeber im Ausland sitzt und das Geld auf ein ausländisches Konto fließt. Das ist eine deutlich strengere Auslegung als in Thailand oder Malaysia und wird von den meisten Ratgebern übergangen.
Ab 183 Tagen im Kalenderjahr wirst du steuerlich ansässig und unterliegst dem progressiven Tarif statt der Pauschale.
Ausländische Einkünfte von Ansässigen werden nicht regulär besteuert, sondern über die alternative Mindeststeuer erfasst. Dabei bleiben Auslandseinkünfte unter einer Million Neuen Taiwan-Dollar außer Ansatz, und es gilt ein großzügiger Grundfreibetrag von 7,5 Millionen Neuen Taiwan-Dollar, bevor überhaupt ein Satz von 20 Prozent zur Anwendung kommt. Für die meisten Selbstständigen bedeutet das im Ergebnis eine sehr niedrige effektive Belastung auf ausländische Einkünfte, sofern die Einkünfte tatsächlich als ausländische Quelle qualifizieren. Genau diese Qualifikation ist der Punkt, den du prüfen lassen solltest.
Gold-Card-Inhaber erhalten zusätzlich in den ersten fünf Jahren eine Halbierung der Bemessungsgrundlage für Gehaltseinkünfte oberhalb von drei Millionen Neuen Taiwan-Dollar.
Die laufenden Sätze führen wir im Steueratlas-Profil Taiwan.
Ein wichtiger struktureller Hinweis: Taiwan unterhält aufgrund seines völkerrechtlichen Status mit vielen Staaten keine regulären Doppelbesteuerungsabkommen. Prüfe die konkrete Abkommenslage für dein Herkunftsland, bevor du eine längere Ansässigkeit planst, siehe Doppelbesteuerungsabkommen.
Deine Steuerpflicht zu Hause
In Deutschland bleibt die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen, solange Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt fortbestehen, siehe unbeschränkte Steuerpflicht. Wer wegzieht und Anteile ab einem Prozent hält, prüft die Wegzugsbesteuerung.
Für Österreich gelten § 26 BAO, die Zweitwohnsitzverordnung und § 27 Abs. 6 EStG. Für die Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde maßgeblich.
Die vernünftige Konstruktion hängt an der Aufenthaltsdauer. Wer Taiwan in Blöcken unter 90 Tagen nutzt, hat steuerlich keine Berührungspunkte. Wer die zwei Jahre des Nomadenvisums ausschöpft oder die Gold Card nimmt, sollte die Frage der Quellenzuordnung und die eingeschränkte Abkommenslage vorher klären. Zur Rechnungsstellung siehe nullsteuer.llc.
Passt Taiwan zu dir
Taiwan passt, wenn du japanische Qualität ohne japanische Preise und ohne japanische Distanz willst. Es passt, wenn dir Sicherheit, Gesundheitsversorgung und funktionierender Nahverkehr wichtig sind, und wenn du asynchron arbeitest. Für Menschen im Technologiebereich ist es zusätzlich ein Netzwerkstandort. Und mit der Verlängerung des Nomadenvisums auf zwei Jahre ist es 2026 erstmals eine ernsthafte mittelfristige Basis.
Es passt schlechter, wenn du täglich am europäischen Vormittag erreichbar sein musst, wenn dir hohe Luftfeuchtigkeit zusetzt, oder wenn du eine Basis für eine sehr langfristige Lebens- und Vermögensplanung suchst.
Wer denselben Standard mit noch mehr Präzision und höheren Kosten will, findet ihn in Japan. Wer Englisch als Alltagssprache braucht, ist in Malaysia besser aufgehoben. Südkorea ist die dritte Option in dieser Gruppe. Die Gegenüberstellung steht in Asien-Basen im Vergleich.
Wer den Schritt konkret plant, klärt Ansässigkeit und Struktur vor dem Umzug, nicht danach. Das ist der eine Fehler, der sich später nicht mehr reparieren lässt.
Häufige Fragen
Kann ich von Taiwan aus für europäische Kunden arbeiten, oder passt die Zeitzone nicht?
Die Zeitzone ist UTC+8, also sechs Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit und sieben im Winter. Wenn dein Kunde in München um neun Uhr beginnt, ist es bei dir fünfzehn Uhr, deine Überschneidung liegt zwischen Nachmittag und spätem Abend. Für asynchrone Arbeit ist das unproblematisch, für tägliche Vormittagstermine aber ungeeignet.
Mit welchen monatlichen Kosten muss ich in Taiwan rechnen?
Realistisch liegst du in Taipeh bei 1.300 bis 2.000 Euro im Monat, in Taichung oder Tainan bei 900 bis 1.400 Euro. Damit ist Taiwan teurer als Vietnam und Malaysia, aber deutlich günstiger als Japan bei vergleichbarer Infrastruktur. Wohnen ist in Taipeh der teure Posten.
Wie lange darf ich mit dem Nomadenvisum in Taiwan bleiben?
Seit dem 8. Januar 2026 beträgt die maximale Aufenthaltsdauer nicht mehr sechs Monate, sondern bis zu zwei Jahre, aufgebaut aus einem sechsmonatigen Ersteintrag plus drei Verlängerungen. Für einen kurzen Einstieg gilt für Deutsche, Österreicher und Schweizer ohnehin Visumfreiheit für 90 Tage. Das Visum verlangt unter anderem ein Jahreseinkommen von mindestens 40.000 US-Dollar.
Muss ich in Taiwan Steuern zahlen, wenn ich dort arbeite?
Aufenthalte bis 90 Tage im Kalenderjahr sind unproblematisch, ausländische Einkünfte bleiben unberührt. Über 90 Tage greift eine pauschale Quellenbesteuerung von 18 Prozent, denn Arbeit, die physisch in Taiwan erbracht wird, kann als taiwanische Quelle gelten. Ab 183 Tagen wirst du steuerlich ansässig und unterliegst dem progressiven Tarif.
Lohnt sich die Gold Card statt des Nomadenvisums?
Zwischen 40.000 und 60.000 US-Dollar Jahreseinkommen nimmst du das Nomadenvisum, ab rund 60.000 aufwärts ist die Gold Card fast immer die bessere Wahl. Ohne die Einkommensschwellen bleiben zwei Türen: die Gold Card über den Qualifikationsweg in einem der zwölf Fachgebiete und das Nomadenvisum über den Nachweis eines Nomadenvisums eines anderen Landes. Die Gold Card bündelt Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsvisum und Aufenthaltskarte, verlangt keinen taiwanischen Arbeitgeber und bietet Zugang zur staatlichen Krankenversicherung sowie einen Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung nach drei Jahren.
Wie gefährlich sind Erdbeben und Taifune in Taiwan?
Taiwan liegt in einer erdbebenaktiven Zone und wird jährlich von Taifunen getroffen, meist zwischen Juli und Oktober. Die Bauvorschriften und die Katastrophenorganisation sind gut, und Taifune bedeuten in der Praxis meist ein bis zwei Tage Stillstand statt Zerstörung. Trotzdem gehört ein Vorrat für zwei bis drei Tage in den Schrank.