Kolumbien für digitale Nomaden 2026

Beratung buchen
Kolumbien für digitale Nomaden 2026

Medellín hat ein Klima, das man erfinden müsste, wenn es es nicht gäbe: zweiundzwanzig bis siebenundzwanzig Grad, das ganze Jahr, jeden Tag. Keine Heizung, keine Klimaanlage, keine Jahreszeiten. Die Stadt heißt deshalb Ciudad de la Eterna Primavera, und das ist ausnahmsweise keine Tourismuswerbung, sondern eine Wetterbeschreibung.

Dazu kommt das, was Kolumbien in diesem Ranking wirklich auszeichnet: die Menschen. In fünfzehn Jahren Beobachtung von Auswandererzielen gibt es kein Land, aus dem Zugezogene mit einer stärkeren Zuneigung zu den Einheimischen zurückkommen. Kolumbianer sind warm, lebensfroh, gastfreundlich und ausgesprochen bereit, Fremde in ihr Leben zu lassen.

Was dagegen steht: sechs bis sieben Stunden Zeitverschiebung, eine Sicherheitslage, die Aufmerksamkeit verlangt, und für deutsche und österreichische Leser ein steuerliches Problem, das die meisten Ratgeber nicht einmal erwähnen. Das behandeln wir weiter unten in einem eigenen Abschnitt, weil es die Planung grundlegend verändert.

Der Alltag

Kolumbien lebt in einem Rhythmus, der Mitteleuropäern zunächst ungewohnt und dann sehr angenehm erscheint. Man steht früh auf, weil es um sechs hell wird und um achtzehn Uhr dunkel, das ganze Jahr über, weil man nah am Äquator ist. Der Tag ist damit fest strukturiert.

Das Sozialleben ist dicht. Man trifft sich, man geht aus, man tanzt. Salsa ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Grundfähigkeit, und wer sie lernt, hat eine Eintrittskarte in Kreise, die Ausländern sonst verschlossen bleiben.

Praktisch funktioniert vieles gut. Medellín hat als einzige kolumbianische Stadt eine Metro, dazu ein Seilbahnsystem, das die Hanglagen erschließt und international als Stadtentwicklungsprojekt studiert wird. Uber und die lokalen Fahrdienste funktionieren überall. Lieferdienste sind allgegenwärtig und billig.

Was mühsam bleibt: Behörden, Banken und alles mit Papier. Und die Tatsache, dass ohne Spanisch praktisch nichts geht.

Die Basen

Medellín ist die naheliegende Wahl und der Grund, warum Kolumbien überhaupt auf Nomadenlisten steht. El Poblado ist das internationale Viertel: grün, hügelig, voller Cafés, Restaurants und Coworking, dazu am teuersten und am stärksten von Zuzug geprägt. Laureles und Envigado sind flacher, bürgerlicher, kolumbianischer und deutlich besser für alle, die tatsächlich im Land leben wollen statt in der Blase. Laureles ist außerdem eines der wenigen Viertel, in denen man vollständig zu Fuß leben kann.

Bogotá ist die kulturelle Hauptstadt: Museen, Theater, Gastronomie, Universitäten, eine ernsthafte Restaurantszene. Auf 2.640 Metern Höhe ist die Stadt kühl, oft grau und regnerisch, und der Verkehr ist zermürbend. Wer Kultur und Geschäft sucht, kommt an Bogotá nicht vorbei. Wer Klima sucht, geht nach Medellín.

Cali ist die Salsa-Hauptstadt, heißer, ärmer und weniger auf Zugezogene eingestellt.

Cartagena an der Karibikküste ist wunderschön, sehr touristisch, sehr heiß und für längeres Arbeiten selten die erste Wahl. Santa Marta und Minca sind die entspannteren Küstenalternativen.

Salento und die Zona Cafetera bieten Kaffeefincas, Wachspalmen und ein Klima wie Medellín in ländlicher Form. Für einige Wochen konzentriertes Arbeiten großartig.

Internet und Arbeiten

In den Städten ist die Versorgung gut. Glasfaser mit 200 bis 500 Mbit kostet zwischen 80.000 und 160.000 Pesos im Monat, umgerechnet nach dem aufgewerteten Peso-Kurs grob 22 bis 45 Euro, kursabhängig. Mobiles Internet ist günstig und in Ballungsräumen zuverlässig.

Medellín ist außerdem eine der wenigen Städte Lateinamerikas mit kostenlosem öffentlichem WLAN in Parks und öffentlichen Räumen, ein Ergebnis der langjährigen Digitalstrategie der Stadt.

Außerhalb der Städte, besonders an der Küste und in ländlichen Regionen, wird es unzuverlässig, und Stromausfälle kommen vor. Wer in Minca oder auf einer Finca arbeitet, braucht eine mobile Rückfallebene.

Coworking ist in Medellín reichlich vorhanden, teilweise auf hohem Niveau, mit Preisen zwischen 400.000 und 900.000 Pesos monatlich für einen festen Platz. Die Café-Kultur ist ausgeprägt und arbeitsfreundlich.

Essen und Kaffee

Hier muss man ehrlich sein: Die kolumbianische Küche ist nicht der Grund, aus dem man kommt. Sie ist bodenständig, fleisch- und kohlenhydratlastig, oft frittiert und selten aufregend. Bandeja Paisa, Arepas, Empanadas, Sancocho: sättigend, günstig, aber ohne die Tiefe der mexikanischen oder peruanischen Küche.

Was dagegen außergewöhnlich ist, sind die Rohstoffe. Die tropische Obstvielfalt ist die größte in diesem gesamten Ranking, mit einem Dutzend Früchten, die es in Europa nicht einmal als Import gibt. Ein Markteinkauf für eine Woche kostet ein paar Euro und ist qualitativ nicht zu schlagen.

Und die Restaurantszene in Bogotá und Medellín hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, mit einer jungen Küche, die kolumbianische Zutaten modern interpretiert und international Beachtung findet.

Der Kaffee ist die Ausnahme, die man erwarten würde, und sie hat einen Haken: Historisch wurde die gute Ernte exportiert und die schlechtere im Land getrunken. Das hat sich in den Städten geändert, und Medellín und Bogotá haben inzwischen eine ernsthafte Spezialitätenszene mit Röstereien auf Weltniveau. Auf dem Land bekommst du immer noch häufig dünnen, süßen Kaffee.

Menschen und Anschluss

Das ist Kolumbiens stärkster Punkt, und er ist stark genug, um vieles andere aufzuwiegen.

Kolumbianer sind die herzlichsten Menschen in diesem Ranking. Die Offenheit gegenüber Fremden ist echt, Einladungen kommen schnell, Familien beziehen Außenstehende selbstverständlich ein, und der Umgangston ist warm und humorvoll. Wer aus einer Kultur kommt, in der man Jahre braucht, um in einen Freundeskreis zu kommen, erlebt hier das Gegenteil.

Spanisch ist zwingend. Englisch wird in El Poblado und in der Tourismusbranche gesprochen, sonst praktisch nicht. Der Vorteil: Das in Kolumbien gesprochene Spanisch, besonders in Bogotá, gilt als eines der klarsten und am besten verständlichen der Welt, und das Land ist ein exzellenter Ort, um die Sprache zu lernen.

Die internationale Gemeinde in Medellín ist groß und stark nordamerikanisch geprägt. Die deutschsprachige Präsenz ist klein.

Ein Punkt, der zur Ehrlichkeit gehört: Der starke Zuzug ausländischer Remote-Arbeiter nach El Poblado und Laureles hat die Mieten dort massiv getrieben und zu erheblichem Unmut geführt. Es gab öffentliche Debatten und lokale Proteste. Wer Spanisch spricht, außerhalb der zwei Modeviertel wohnt und lokal einkauft, wird völlig anders wahrgenommen als jemand, der nie aus der Blase herauskommt.

Kosten

Position Medellín Bogotá
Möbliertes Studio, Laureles/Envigado 1,8–3,2 Mio. COP 1,8–3,0 Mio. COP
1-Schlafzimmer-Wohnung, El Poblado 3,0–5,5 Mio. COP 2,8–5,0 Mio. COP
Lebensmittel und auswärts essen 1,2–2,4 Mio. COP 1,4–2,6 Mio. COP
Coworking, fester Platz 0,4–0,9 Mio. COP 0,4–0,9 Mio. COP
Glasfaser 0,08–0,16 Mio. COP 0,08–0,16 Mio. COP
Mobilität (Metro, Uber) 0,3–0,7 Mio. COP 0,4–0,9 Mio. COP
Private Krankenversicherung 0,3–0,8 Mio. COP 0,3–0,8 Mio. COP

Realistisch lebst du in Medellín komfortabel für 1.100 bis 1.800 Euro im Monat, in Bogotá bei 1.200 bis 1.900 Euro. Wer in Laureles statt El Poblado wohnt und lokal einkauft, kommt deutlich darunter.

Die Preise in den internationalen Vierteln sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wer mit Zahlen aus der Zeit vor 2022 plant, plant falsch.

Ein praktischer Punkt: Für einen regulären Mietvertrag verlangen kolumbianische Vermieter in der Regel eine Mietbürgschaft über eine Versicherung, was ohne Cédula und lokale Bonität schwierig ist. Praktisch bedeutet das für die ersten Monate teurere möblierte Kurzzeitmieten. Ein Konto bekommst du mit Cédula de Extranjería, siehe freedombanking.plus.

Sicherheit realistisch

Kolumbien hat sich in zwanzig Jahren fundamental verändert, und Medellín ist das bekannteste Beispiel dafür. Gleichzeitig ist es kein sicheres Land im europäischen Sinn.

Was praktisch gilt:

Das dominierende Delikt ist Raub, nicht Gewalt aus dem Nichts. Die lokale Regel heißt "no dar papaya", also keine Gelegenheit bieten. Kein sichtbares Handy auf der Straße, keine teure Uhr, keine Kamera um den Hals, nachts kein langer Fußweg, immer Uber statt Straßentaxi.

Ein Thema, das Mitteleuropäer unterschätzt, ist Betäubung. Es gibt eine reale Zahl von Fällen, in denen Zugezogene über Dating-Apps oder in Bars unter Verwendung von Substanzen betäubt und ausgeraubt wurden, teilweise mit schweren gesundheitlichen Folgen. Mehrere Botschaften warnen explizit davor. Getränke nie unbeaufsichtigt lassen, keine Fremden in die Wohnung, bei Dating-Verabredungen öffentliche Orte.

Räumlich ist die Lage sehr unterschiedlich. Die Viertel, in denen du wohnen wirst, sind im Alltag beherrschbar. Bestimmte Regionen des Landes sind es nicht, und die Reisehinweise des Auswärtigen Amts, des österreichischen Außenministeriums und des EDA sind hier ungewöhnlich detailliert und lohnen die Lektüre.

Die ehrliche Zusammenfassung: Wer die Regeln kennt und befolgt, lebt in Medellín ohne Zwischenfall. Wer sie nicht kennt, hat statistisch nach einigen Monaten eine Geschichte. Die Systematik dafür steht im Leitfaden Sicherheit im Ausland und in Sicherheit als Nomade realistisch bewerten.

Gesundheit

Ein starker Punkt. Kolumbien hat ein gutes privates Gesundheitswesen, mehrere Kliniken in Medellín und Bogotá gehören zu den besten Lateinamerikas, und das Land ist ein etabliertes Ziel für Medizintourismus, insbesondere für Zahnmedizin und plastische Chirurgie. Die Kosten liegen weit unter mitteleuropäischen.

Eine private Absicherung ist zwingend und für das Nomadenvisum ohnehin Voraussetzung, siehe Versicherungsleitfaden.

Ein praktischer Hinweis: In Bogotá auf 2.640 Metern ist die Höhe spürbar und braucht ein bis zwei Wochen Eingewöhnung. Medellín auf 1.500 Metern ist unproblematisch. Für tropische Tieflandregionen und die Küste ist Gelbfieberimpfschutz je nach Reiseziel relevant.

Klima und Höhe

Kolumbien hat keine Jahreszeiten, sondern Höhenstufen. Die Temperatur hängt fast ausschließlich davon ab, auf welcher Höhe du stehst.

Medellín auf 1.500 Metern liegt ganzjährig bei 17 bis 28 Grad. Das ist das beste Ganzjahresklima in diesem Ranking, ohne Heizung, ohne Klimaanlage, ohne saisonale Planung. Es gibt zwei feuchtere Perioden im Frühjahr und im Herbst, die sich aber auf Nachmittagsregen beschränken.

Bogotá auf 2.640 Metern liegt bei 6 bis 19 Grad, kühl, häufig bewölkt und regnerisch. Wer Sonne sucht, ist hier falsch.

Die Küste um Cartagena und Santa Marta ist tropisch heiß und feucht, ganzjährig um 30 Grad, mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Praktisch heißt das: Du wählst dein Klima über den Ort, und du kannst innerhalb eines Tages zwischen Frühling, Kühle und Tropen wechseln.

Anreise und Zeitzone

Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum nach Bogotá gibt es ab Frankfurt, ansonsten läuft es über Madrid, Amsterdam, Paris oder Istanbul. Rechne mit zwölf bis siebzehn Stunden Gesamtreisezeit. Medellín erreichst du in der Regel mit einem Zwischenstopp.

Innerhalb Kolumbiens ist Fliegen günstig und wegen der Topografie meist die einzige sinnvolle Option. Fahrten über Land dauern durch die Andenketten sehr lange.

Die Zeitzone ist UTC-5, und Kolumbien hat keine Sommerzeit. Das bedeutet sieben Stunden Rückstand auf die mitteleuropäische Sommerzeit und sechs im Winter.

Konkret: Wenn dein Kunde in Zürich um siebzehn Uhr Feierabend macht, ist es bei dir zehn Uhr morgens. Deine Überschneidung mit Europa liegt zwischen deinem Aufwachen und dem frühen Mittag. Das ist eine Stunde besser als Mexiko und deutlich schlechter als Brasilien. Wer bereit ist, europäische Termine am frühen Vormittag abzuräumen und danach einen ungestörten Tag zu haben, kann damit sehr gut arbeiten. Siehe Zeitzonen und Kundenkontakt.

Einreise und Nómada-Visum 2026

Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einreise visumfrei, mit typischerweise 90 Tagen, die auf insgesamt 180 Tage im Kalenderjahr verlängert werden können.

Für längere Aufenthalte gibt es das Visa V Nómadas Digitales, geregelt in der Resolución 5477 von 2022. Die Eckdaten für 2026:

  • Einkommensnachweis über das Dreifache des kolumbianischen Mindestlohns, 2026 rund 5,25 Millionen Pesos monatlich, umgerechnet nach der starken Peso-Aufwertung aktuell etwa 1.400 bis 1.500 Euro, kursabhängig. In der Konsulatspraxis wird der Betrag für jeden der letzten Monate erwartet; verlasse dich nicht auf eine Durchschnittsbildung.
  • Ausschließlich ausländische Einkünfte, keine kolumbianischen Arbeitgeber, keine kolumbianischen Kunden.
  • Laufzeit bis zu zwei Jahre; die tatsächlich bewilligte Dauer liegt im Ermessen des Konsulats.
  • Krankenversicherung mit vollem Leistungsumfang und Repatriierung für die gesamte Dauer. Einfache Reise- und Erstattungspolicen werden zunehmend abgelehnt; die Police muss Kolumbien ausdrücklich und vollumfänglich inklusive Repatriierung decken.
  • Gebühren im Bereich von 220 bis 235 US-Dollar, dazu Kosten für die Cédula.
  • Antrag online über das Portal der Cancillería, Entscheidungsfrist offiziell 30 Tage.
  • Nach Einreise Registrierung bei Migración Colombia und Beantragung der Cédula de Extranjería.

Zwei Verschärfungen aus 2026, die du kennen musst: Anträge aus Kolumbien heraus während eines touristischen Aufenthalts werden inzwischen routinemäßig abgelehnt. Und Freiberufler müssen ihre Auftragslage lückenlos dokumentieren; dünne Nachweise sind der häufigste Ablehnungsgrund.

Wichtig zum Verständnis: Das Nómada-Visum ist ein Besuchervisum. Die Zeit darauf zählt nicht für einen späteren Daueraufenthalt. Wer eine langfristige Perspektive in Kolumbien sucht, muss über eine andere Kategorie gehen. Die Systematik steht im Leitfaden Einreise, Visa und Aufenthalt, die Beratung zu Residenzoptionen in Lateinamerika läuft über vidalibreplan.com. Alle Wege mit Voraussetzungen, Gebühren und Verfahrensschritten im Detail findest du auf unserer Visa-Seite Kolumbien.

Steuern vor Ort

Kolumbien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen, mit einem progressiven Tarif bis 39 Prozent.

Ansässig wird, wer sich mehr als 183 Tage innerhalb eines beliebigen rollierenden Zwölfmonatszeitraums in Kolumbien aufhält. Die Tage müssen nicht zusammenhängen, An- und Abreisetag zählen mit, und der Zeitraum ist ausdrücklich nicht das Kalenderjahr. Zusätzlich greift ein Test über den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit.

Migración Colombia erfasst deine Ein- und Ausreisen, und die Steuerbehörde DIAN hat Zugriff auf diese Daten. Die Zeiten, in denen man das ignorieren konnte, sind vorbei.

Der praktische Punkt: Wer das Nómada-Visum voll ausschöpft, wird per Definition kolumbianischer Steueransässiger. Das Visum selbst löst keine Steuerpflicht aus, aber die Aufenthaltsdauer, die es ermöglicht, tut es zwangsläufig.

Die laufenden Sätze führen wir im Steueratlas-Profil Kolumbien.

Das Abkommensproblem

Und jetzt der Absatz, der für deutschsprachige Leser den Unterschied macht und der in keinem englischsprachigen Ratgeber steht.

Die Schweiz unterhält seit dem 1. Januar 2012 ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Kolumbien. Schweizer Steuerpflichtige haben damit Abkommensschutz, klare Ansässigkeitsregeln über eine Tie-Breaker-Klausel und eine geordnete Zuweisung der Besteuerungsrechte.

Zwischen Deutschland und Kolumbien besteht kein umfassendes Doppelbesteuerungsabkommen auf dem Gebiet der Einkommensteuer. Es existiert lediglich ein sehr altes Abkommen aus dem Jahr 1965, das ausschließlich Schiff- und Luftfahrtunternehmen betrifft. Für alle anderen Einkünfte gibt es keinen Abkommensschutz. Für Österreich ist die Lage gleichfalls ungünstig; prüfe den aktuellen Stand vor jeder Planung, da Abkommen verhandelt und in Kraft gesetzt werden können.

Was das bedeutet, wenn du als Deutscher in Kolumbien über 183 Tage kommst und deine deutsche Steuerpflicht nicht sauber beendet hast: Beide Staaten dürfen zugreifen, und es gibt keine Abkommensregel, die entscheidet, wer Vorrang hat. Es bleiben die einseitigen Entlastungsmaßnahmen nach § 34c EStG, also Anrechnung oder Abzug der kolumbianischen Steuer. Weil Kolumbien mit bis zu 39 Prozent selbst kräftig besteuert, ist hier immerhin etwas anzurechnen, anders als bei den Emiraten. Aber die Position ist unsicher, aufwendig und im Streitfall ohne Verständigungsverfahren.

Die praktische Konsequenz: Für Deutsche und Österreicher ist Kolumbien ein Land für Aufenthalte unter der 183-Tage-Schwelle, nicht für eine Ansässigkeit. Wer dort wirklich leben will, braucht eine sauber beendete Steuerpflicht zu Hause und muss akzeptieren, dass er in einem abkommenslosen Verhältnis operiert. Für Schweizer stellt sich diese Frage nicht in dieser Schärfe. Die Grundlagen dazu stehen unter Doppelbesteuerungsabkommen.

Für Österreicher und Schweizer: Einreise und Visumverfahren sind identisch zu Deutschland. Bei der Abkommenslage besteht dagegen der zentrale Unterschied, siehe oben.

Deine Steuerpflicht zu Hause

In Deutschland endet die unbeschränkte Steuerpflicht nur, wenn weder Wohnsitz noch gewöhnlicher Aufenthalt bestehen, siehe unbeschränkte Steuerpflicht. Angesichts der fehlenden Abkommenslage ist die saubere Beendigung hier besonders wichtig.

Beteiligungen ab einem Prozent lösen beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG aus, wobei Kolumbien ein Drittland ist.

Für Österreich gelten § 26 BAO, die Zweitwohnsitzverordnung und § 27 Abs. 6 EStG. Für die Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde maßgeblich, mit kantonal unterschiedlicher Prüfung.

Zur Struktur: Weil Kolumbien Ansässige voll besteuert, taugt es nicht als Steuersparziel. Wer die Zeitzone und das Klima will und gleichzeitig eine niedrige Quote, muss die Ansässigkeit anderswo halten und Kolumbien unter der Schwelle nutzen. Zur Rechnungsstellung siehe nullsteuer.llc.

Passt Kolumbien zu dir

Kolumbien passt, wenn du das beste Ganzjahresklima in diesem Ranking willst, wenn dir menschliche Wärme und ein dichtes Sozialleben mehr bedeuten als Effizienz, und wenn du Spanisch lernst oder schon sprichst. Für alle, die in Lateinamerika wirklich ankommen wollen statt nur zu wohnen, ist Medellín die naheliegende Adresse.

Es passt schlechter, wenn du nachmittags in europäischen Terminen sitzt, wenn dich die permanente Sicherheitsabwägung belastet, oder wenn du eine steuerlich saubere Ansässigkeit brauchst und einen deutschen oder österreichischen Pass hast.

Wer Lateinamerika will und die Zeitzone näher an Europa braucht, sollte sich Brasilien ansehen, das mit vier bis fünf Stunden deutlich besser liegt. Mexiko bietet mehr Kultur und Gastronomie bei schlechterer Zeitzone. Argentinien ist die dritte Option. Die Gegenüberstellung steht in Lateinamerika-Basen im Vergleich.

Wer den Schritt konkret plant, klärt Ansässigkeit und Struktur vor dem Umzug, nicht danach. Das ist der eine Fehler, der sich später nicht mehr reparieren lässt.

Häufige Fragen

Wie gut lässt sich von Kolumbien aus mit europäischen Kunden arbeiten?

Die Zeitzone ist UTC-5 ohne Sommerzeit, das bedeutet sieben Stunden Rückstand auf die mitteleuropäische Sommerzeit und sechs im Winter. Wenn dein Kunde in Zürich um siebzehn Uhr Feierabend macht, ist es bei dir zehn Uhr morgens, deine Überschneidung liegt zwischen Aufwachen und frühem Mittag. Wer bereit ist, europäische Termine am frühen Vormittag abzuräumen und danach einen ungestörten Tag zu haben, kann damit sehr gut arbeiten.

Was kostet das Leben in Medellín oder Bogotá?

Realistisch lebst du in Medellín komfortabel für 1.100 bis 1.800 Euro im Monat, in Bogotá bei 1.200 bis 1.900 Euro. Wer in Laureles statt El Poblado wohnt und lokal einkauft, kommt deutlich darunter. Die Preise in den internationalen Vierteln sind in den letzten Jahren allerdings stark gestiegen.

Wie funktioniert das Nómada-Visum für Kolumbien?

Für Deutsche, Österreicher und Schweizer ist die Einreise visumfrei, typischerweise 90 Tage, verlängerbar auf 180 Tage im Kalenderjahr. Für längere Aufenthalte gibt es das Visa V Nómadas Digitales mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren, wobei die tatsächlich bewilligte Dauer im Ermessen des Konsulats liegt. Du musst ein Einkommen über dem Dreifachen des Mindestlohns nachweisen, und Anträge aus einem touristischen Aufenthalt heraus werden inzwischen routinemäßig abgelehnt.

Werde ich in Kolumbien steuerpflichtig, wenn ich länger bleibe?

Kolumbien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen mit einem progressiven Tarif bis 39 Prozent. Ansässig wird, wer sich mehr als 183 Tage innerhalb eines beliebigen rollierenden Zwölfmonatszeitraums im Land aufhält. Wer das Nómada-Visum voll ausschöpft, wird per Definition kolumbianischer Steueransässiger.

Warum ist Kolumbien für Deutsche und Österreicher steuerlich heikler als für Schweizer?

Die Schweiz hat seit 2012 ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Kolumbien und damit Abkommensschutz. Zwischen Deutschland und Kolumbien besteht kein umfassendes Abkommen zur Einkommensteuer, für Österreich ist die Lage ebenfalls ungünstig. Kommst du als Deutscher über 183 Tage und hast deine deutsche Steuerpflicht nicht sauber beendet, dürfen beide Staaten zugreifen, ohne dass eine Abkommensregel den Vorrang klärt.

Wie sicher ist der Alltag in Medellín wirklich?

Das dominierende Delikt ist Raub, nicht Gewalt aus dem Nichts, die lokale Regel heißt "no dar papaya", also keine Gelegenheit bieten. Kein sichtbares Handy auf der Straße, nachts kein langer Fußweg, immer Uber statt Straßentaxi. Wer die Regeln kennt und befolgt, lebt in Medellín ohne Zwischenfall.