Brasilien löst das Problem, an dem alle anderen lateinamerikanischen Ziele scheitern.
Mexiko kostet dich acht Stunden. Kolumbien sieben. Brasilien kostet dich vier bis fünf. Wenn dein Kunde in Zürich um vierzehn Uhr in einen Call will, ist es bei dir neun oder zehn Uhr morgens. Du arbeitest einen normalen Tag, dein Kunde arbeitet einen normalen Tag, und niemand steht früh auf oder bleibt lange wach.
Das ist der Grund, warum Brasilien in diesem Ranking vor Mexiko und Kolumbien steht, obwohl beide in anderen Punkten stärker sind. Dazu kommt ein Land, das schlicht überwältigend ist: São Paulo hat die beste Gastronomie und das dichteste Kulturleben der südlichen Hemisphäre, Florianópolis hat Strände und eine wachsende Technologieszene, und die brasilianische Lebensart ist etwas, das Menschen dauerhaft verändert.
Was dagegen steht: eine Sicherheitslage, die Aufmerksamkeit verlangt, Portugiesisch als Pflicht, und für deutsche und österreichische Leser dasselbe strukturelle Steuerproblem, das wir schon bei Kolumbien beschrieben haben. Auch das behandeln wir hier in einem eigenen Abschnitt.
Der Alltag
Brasilien ist warm im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Der Umgangston ist herzlich, körperlich und ausgesprochen unkompliziert. Man umarmt sich zur Begrüßung, man redet viel, man lacht laut.
Der Tag ist spät getaktet. Abendessen ab zwanzig Uhr, Ausgehen ab zweiundzwanzig, und am Wochenende geht es bis in den Morgen. Gleichzeitig beginnt der Arbeitstag früh, was ein gewisses Durchhaltevermögen verlangt.
Praktisch funktioniert Brasilien besser, als die meisten erwarten. Das digitale Zahlungssystem Pix hat den Zahlungsverkehr revolutioniert und ist eines der besten der Welt: Sofortüberweisungen rund um die Uhr, kostenlos, per QR-Code, überall akzeptiert, vom Straßenverkäufer bis zum Autohaus. Wer aus Deutschland kommt, wo Überweisungen Tage brauchen, erlebt einen Kulturschock in die andere Richtung.
Lieferdienste und Fahrdienste funktionieren überall und sind billig. Was mühsam bleibt, ist alles Behördliche und Bankbezogene, und die brasilianische Bürokratie ist berüchtigt.
Die Basen
Florianópolis, kurz Floripa, ist die naheliegende Wahl für Remote-Arbeit. Eine Insel im Süden mit über vierzig Stränden, atlantischem Regenwald, einer wachsenden Technologie- und Gründerszene und einem Lebensstandard, der zu den höchsten Brasiliens gehört. Lagoa da Conceição ist das Zentrum für Zugezogene, Campeche ruhiger und familiärer, der Norden touristischer. Floripa gilt außerdem als eine der sichersten Städte Brasiliens.
São Paulo ist die Metropole: zwanzig Millionen Menschen, das wirtschaftliche Zentrum Südamerikas, ein Kulturangebot wie New York und eine Gastronomie, die international zur Spitze gehört. Vila Madalena, Pinheiros und Jardins sind die relevanten Viertel. Hässlich, laut, überwältigend und für viele die interessanteste Stadt des Kontinents.
Rio de Janeiro ist die schönste Stadt in diesem gesamten Ranking, ohne ernsthafte Konkurrenz. Berge, Meer, Regenwald und Stadt auf engstem Raum. Botafogo, Ipanema und Santa Teresa sind die üblichen Adressen. Rio hat allerdings die schwierigste Sicherheitslage der drei.
Belo Horizonte ist unterschätzt: bergig, kulinarisch stark, deutlich günstiger und mit einer lebendigen Ausgehkultur. Paraty, Ubatuba und Búzios sind Kleinstadtvarianten an der Küste.
Internet und Arbeiten
Brasilien ist hier deutlich besser als sein Ruf. Der Glasfaserausbau ist in den letzten Jahren stark vorangeschritten, und Anschlüsse mit 300 bis 700 Mbit kosten zwischen 100 und 200 Real im Monat, umgerechnet grob 17 bis 34 Euro. In den Städten ist die Versorgung sehr gut, in Küstenorten wie Floripa ebenfalls.
Mobiles Internet ist gut ausgebaut und günstig. Für eine brasilianische SIM brauchst du allerdings eine CPF, die brasilianische Steuernummer, die auch für Bankkonten, Mietverträge und viele Online-Dienste benötigt wird. Sie ist für Ausländer beantragbar und sollte einer der ersten Schritte nach Ankunft sein.
Coworking ist in São Paulo und Florianópolis reichlich vorhanden und gut, mit Preisen zwischen 500 und 1.200 Real im Monat für einen festen Platz. Floripa hat durch seine Technologieszene eine ungewöhnlich hohe Dichte an ernsthaften Häusern.
Essen
Brasilien ist kulinarisch stärker, als das Klischee von Grillfleisch und Bohneneintopf vermuten lässt.
São Paulo hat die beste Restaurantszene Lateinamerikas, mit japanischer Küche auf Weltniveau, weil die Stadt die größte japanische Gemeinde außerhalb Japans hat, dazu italienische, libanesische und eine moderne brasilianische Küche, die international Beachtung findet.
Die regionale Tiefe ist enorm: die afrobrasilianische Küche Bahias mit Dendê-Öl und Meeresfrüchten, die Küche von Minas Gerais mit Käse und Schweinefleisch, die Amazonasküche mit Fischen und Früchten, die es sonst nirgends gibt.
Der Alltag ist günstig und gut. Das Prato-Feito-Mittagessen kostet 25 bis 45 Real, also vier bis acht Euro, und die verbreiteten Buffets nach Gewicht sind eine der besten Erfindungen der Gastronomie.
Die Obstvielfalt ist außergewöhnlich, der Kaffee kommt aus dem Land, und die Bäckereikultur ist überraschend gut. Was fehlt, ist eine ausgebaute vegetarische Tradition, auch wenn sich das in den Großstädten schnell ändert.
Menschen und Anschluss
Brasilianer sind offen, warm und außerordentlich gesellig. Der soziale Zugang ist einfach, Einladungen kommen schnell, und die Bereitschaft, Fremde einzubeziehen, ist hoch.
Portugiesisch ist nicht verhandelbar. Englisch wird in Brasilien deutlich weniger gesprochen als in vielen Nachbarländern, auch in São Paulo. Spanisch hilft beim Verstehen, aber Brasilianer erwarten und schätzen, dass man Portugiesisch lernt. Für Deutschsprachige ist es gut erlernbar, wobei die Aussprache anspruchsvoller ist als im Spanischen.
Wer Portugiesisch lernt, erlebt ein völlig anderes Land, und der Unterschied ist größer als in fast jedem anderen Land dieser Liste.
Die deutschsprachige Präsenz hat in Brasilien eine besondere Geschichte: Im Süden, in Santa Catarina und Rio Grande do Sul, gibt es historisch deutsche Siedlungsgebiete, etwa Blumenau und Pomerode, mit erhaltenen Traditionen und teilweise noch gesprochenen deutschen Dialekten. Das ist kulturell interessant und für die Ansiedlung praktisch relevant.
Die internationale Nomadenszene ist in Florianópolis am dichtesten, insgesamt aber kleiner als in Medellín oder Mexiko-Stadt.
Kosten
| Position | Florianópolis | São Paulo | Rio de Janeiro |
|---|---|---|---|
| Möbliertes Studio, gute Lage | 2.500–4.500 BRL | 2.800–5.000 BRL | 2.800–5.000 BRL |
| 1-Schlafzimmer-Wohnung | 3.500–6.500 BRL | 4.000–7.500 BRL | 4.000–8.000 BRL |
| Lebensmittel und auswärts essen | 1.800–3.200 BRL | 2.000–3.800 BRL | 2.000–3.500 BRL |
| Coworking, fester Platz | 500–1.200 BRL | 600–1.400 BRL | 550–1.200 BRL |
| Glasfaser | 100–200 BRL | 100–200 BRL | 100–200 BRL |
| Mobilität | 400–900 BRL | 400–900 BRL | 400–900 BRL |
| Private Krankenversicherung | 400–1.200 BRL | 400–1.200 BRL | 400–1.200 BRL |
Realistisch liegst du in Florianópolis bei 1.100 bis 1.800 Euro im Monat, in São Paulo oder Rio bei 1.300 bis 2.100 Euro.
Der Real hat gegenüber dem Euro über Jahre nachgegeben, was Brasilien für europäische Verdiener spürbar verbilligt hat. Gleichzeitig ist die Inflation im Land ein Dauerthema, und Mieten werden jährlich indexiert angepasst.
Ein praktischer Punkt: Für einen regulären brasilianischen Mietvertrag wird üblicherweise eine Bürgschaft, eine Mietversicherung oder eine Kaution über mehrere Monatsmieten verlangt, was ohne lokale Bonität schwierig ist. Rechne für die ersten Monate mit teureren möblierten Kurzzeitmieten. Ein Konto ist mit CPF und Aufenthaltstitel möglich, siehe freedombanking.plus.
Sicherheit realistisch
Brasilien hat eine hohe Gewaltkriminalität, und die Unterschiede zwischen Städten und Vierteln sind erheblich.
Was praktisch gilt:
Das dominierende Delikt ist Raub, häufig bewaffnet. Die Grundregel lautet, im Zweifel herauszugeben und nicht zu diskutieren. Kein sichtbares Handy auf der Straße, keine Uhr, keine Kamera, kein Schmuck.
Räumlich ist die Lage sehr unterschiedlich. Florianópolis gehört zu den sichersten Städten des Landes und ist im Alltag weitgehend unproblematisch. São Paulo verlangt Aufmerksamkeit in bestimmten Zonen und zu bestimmten Zeiten. Rio ist die schwierigste der drei, mit gelegentlichen Auseinandersetzungen, die Stadtteile für Stunden betreffen können.
Praktische Regeln: immer Uber statt Straßentaxi, nachts nicht zu Fuß, an Ampeln nachts nicht warten, keine Wertsachen am Strand, nicht in Favelas ohne ortskundige Begleitung, und bei Geldautomaten nur in geschlossenen Räumen abheben.
Die ehrliche Zusammenfassung: Wer die Regeln kennt und befolgt, lebt in Florianópolis praktisch unbehelligt und in São Paulo mit überschaubarem Risiko. In Rio ist die Wachsamkeit dauerhaft höher. Die Systematik zur Bewertung steht im Leitfaden Sicherheit im Ausland und in Sicherheit als Nomade realistisch bewerten.
Gesundheit
Die private medizinische Versorgung in São Paulo gehört zu den besten Lateinamerikas, mit mehreren Krankenhäusern auf internationalem Spitzenniveau. Auch Florianópolis und Rio haben gute private Häuser. Das staatliche System ist davon strikt zu trennen.
Eine private Absicherung ist zwingend und für das Nomadenvisum Voraussetzung, siehe Versicherungsleitfaden.
Zahnmedizin und plastische Chirurgie sind in Brasilien ausgesprochen gut und günstig, und das Land ist ein etabliertes Ziel für Medizintourismus.
Ein praktischer Hinweis: Für Reisen in bestimmte Regionen, insbesondere Amazonas und Teile des Landesinneren, ist Gelbfieberimpfschutz relevant, und Dengue ist in Brasilien ein saisonales Thema mit erheblichen Fallzahlen.
Klima
Brasilien ist so groß wie ein Kontinent und hat entsprechend viele Klimazonen.
Der Süden um Florianópolis hat vier echte Jahreszeiten mit warmen Sommern von Dezember bis März und kühlen, feuchten Wintern von Juni bis August, in denen es auf zehn bis fünfzehn Grad heruntergehen kann. Weil die Häuser nicht isoliert und selten geheizt sind, ist der Winter innen ungemütlich. Die beste Zeit in Floripa ist von Oktober bis April.
São Paulo liegt auf 800 Metern und ist gemäßigt, oft grau und regnerisch, mit milden Wintern.
Rio ist tropisch: heiß und feucht im Sommer, mit über vierzig Grad in Hitzewellen, angenehm im Winter von Juni bis September, was für viele die beste Reisezeit ist.
Der Nordosten um Salvador und Recife ist ganzjährig tropisch warm und die Wahl für alle, die keine Jahreszeiten wollen.
Die Jahreszeiten sind zu Europa umgekehrt, was Brasilien zu einer möglichen Winterflucht macht, allerdings deutlich weiter entfernt als Südafrika.
Anreise und Zeitzone
Direktflüge nach São Paulo gibt es ab Frankfurt, München und Zürich, dazu ab Frankfurt nach Rio; ab Wien fliegst du mit einem Umstieg. Flugzeit rund zwölf Stunden, meist über Nacht. Florianópolis erreichst du mit einem Inlandsanschluss.
Innerhalb Brasiliens ist Fliegen wegen der Entfernungen praktisch alternativlos und relativ günstig.
Die Zeitzone ist UTC-3, und Brasilien hat seit 2019 keine Sommerzeit mehr. Das bedeutet fünf Stunden Rückstand auf die mitteleuropäische Sommerzeit und vier im Winter.
Und das ist der entscheidende Punkt. Vier bis fünf Stunden sind eine völlig andere Kategorie als sieben oder acht. Konkret: Wenn dein Kunde in Wien um vierzehn Uhr einen Termin will, ist es bei dir neun oder zehn Uhr morgens. Wenn er um siebzehn Uhr Feierabend macht, ist es bei dir zwölf oder dreizehn Uhr. Deine Überschneidung mit dem europäischen Arbeitstag umfasst deinen gesamten Vormittag und Mittag, ohne dass einer von beiden etwas verschieben muss.
Für alle, die Lateinamerika wollen und trotzdem einen europäischen Kundenstamm bedienen, ist Brasilien deshalb die einzige wirklich funktionierende Antwort. Siehe Zeitzonen und Kundenkontakt.
Einreise und Nomadenvisum
Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einreise visumfrei, mit einem Aufenthalt von bis zu 90 Tagen, der einmal um weitere 90 Tage auf insgesamt 180 Tage pro Jahr verlängert werden kann.
Für längere Aufenthalte gibt es das Nomadenvisum, eingeführt 2022 auf Grundlage einer Verordnung des Nationalen Einwanderungsrats. Die Eckdaten:
- Laufzeit ein Jahr, um ein weiteres Jahr verlängerbar.
- Einkommensnachweis von mindestens 1.500 US-Dollar monatlich aus ausländischen Quellen, alternativ ein verfügbares Guthaben von mindestens 18.000 US-Dollar. Das ist eine der niedrigsten Schwellen weltweit.
- Nachweis der Remote-Tätigkeit über einen Arbeitsvertrag oder Auftragsverhältnisse mit Auftraggebern außerhalb Brasiliens.
- Krankenversicherung mit Geltung in Brasilien, Führungszeugnis.
- Antragstellung bei einer brasilianischen Auslandsvertretung, danach Registrierung bei der Bundespolizei innerhalb von neunzig Tagen nach Einreise. Alternativ kannst du die Aufenthaltsgenehmigung nach Art. 4 der Resolution auch aus dem visumfreien Aufenthalt heraus im Land beantragen, online über MigranteWeb beim Justizministerium.
- Familiennachzug möglich.
Die niedrige Einkommensschwelle macht das brasilianische Visum zu einem der zugänglichsten überhaupt. Der Haken liegt nicht beim Visum, sondern bei der Steuer.
Für Österreicher und Schweizer: Einreise und Visumverfahren sind identisch zu Deutschland. Bei der Abkommenslage bestehen dagegen erhebliche Unterschiede, siehe unten.
Die allgemeine Systematik steht im Leitfaden Einreise, Visa und Aufenthalt, die Beratung zu Residenzoptionen in Lateinamerika läuft über vidalibreplan.com. Alle Wege mit Voraussetzungen, Gebühren und Verfahrensschritten im Detail findest du auf unserer Visa-Seite Brasilien.
Steuern vor Ort
Brasilien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen, mit einem progressiven Tarif bis 27,5 Prozent.
Steuerlich ansässig wird man mit dem 184. Aufenthaltstag innerhalb von zwölf Monaten oder durch den Erwerb eines Daueraufenthaltstitels (IN SRF 208/2002).
Für Inhaber des Nomadenvisums ohne lokale Anstellung greift der Tageszähler, nicht der Einreisetag. Der Grundsatz gilt: Wer das Visum voll ausschöpft und im Land lebt, wird brasilianischer Steueransässiger.
Brasilianische Steueransässige unterliegen zudem einer jährlichen Erklärungspflicht und, oberhalb bestimmter Schwellen, einer Meldepflicht für im Ausland gehaltene Vermögenswerte gegenüber der Zentralbank. Das ist ein erheblicher administrativer Aufwand.
Die laufenden Sätze führen wir im Steueratlas-Profil Brasilien.
Das Abkommensproblem
Und hier kommt der Punkt, der für deutschsprachige Leser über die Eignung Brasiliens entscheidet.
Deutschland hat das Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien am 7. April 2005 gekündigt. Es ist zum 31. Dezember 2005 außer Kraft getreten. Ein neues Abkommen gibt es bis heute nicht, und Verhandlungen sind nicht absehbar. Die Bundesregierung begründete den Schritt seinerzeit damit, dass das Abkommen von 1975 veraltet sei und ein Überarbeitungsversuch gescheitert war. Seither wurde in wiederholten Sondierungen keine ausreichende Grundlage für neue Verhandlungen gefunden.
Die Schweiz dagegen hat mit Brasilien ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, das seit dem 1. Januar 2022 anwendbar ist. Schweizer Steuerpflichtige haben damit Abkommensschutz, eine Tie-Breaker-Regel und eine geordnete Zuweisung der Besteuerungsrechte.
Für Österreich besteht kein vergleichbares umfassendes Abkommen mit Brasilien. Prüfe den aktuellen Stand vor jeder Planung, da Abkommen verhandelt und in Kraft gesetzt werden können.
Was das praktisch bedeutet, wenn du als Deutscher oder Österreicher in Brasilien ansässig wirst und deine heimische Steuerpflicht nicht sauber beendet hast: Beide Staaten dürfen zugreifen, und es gibt keine Abkommensregel, die entscheidet, wer Vorrang hat. Es bleibt die einseitige Entlastung nach nationalem Recht, in Deutschland also die Anrechnung nach § 34c EStG. Weil Brasilien mit bis zu 27,5 Prozent selbst besteuert, ist etwas anzurechnen, aber die Position ist unsicher, aufwendig und ohne Verständigungsverfahren im Streitfall.
Die praktische Konsequenz: Für Deutsche und Österreicher ist Brasilien in erster Linie ein Land für Aufenthalte unter der 183-Tage-Schwelle. Wer dort wirklich leben will, braucht eine sauber beendete heimische Steuerpflicht und muss akzeptieren, in einem abkommenslosen Verhältnis zu operieren. Für Schweizer stellt sich die Frage nicht in dieser Schärfe. Die Grundlagen stehen unter Doppelbesteuerungsabkommen.
Das ist übrigens dasselbe Muster wie bei Kolumbien: Die Schweiz hat ein Abkommen, Deutschland und Österreich nicht. Wer in Lateinamerika ansässig werden will und einen deutschen Pass hat, sollte das Abkommensnetz vor der Länderauswahl prüfen, nicht danach.
Deine Steuerpflicht zu Hause
In Deutschland endet die unbeschränkte Steuerpflicht nur, wenn weder Wohnsitz noch gewöhnlicher Aufenthalt bestehen, siehe unbeschränkte Steuerpflicht. Angesichts der fehlenden Abkommenslage ist die saubere Beendigung hier besonders wichtig.
Beteiligungen ab einem Prozent lösen beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG aus, wobei Brasilien ein Drittland ist.
Für Österreich gelten § 26 BAO, die Zweitwohnsitzverordnung und § 27 Abs. 6 EStG. Für die Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde maßgeblich, mit kantonal unterschiedlicher Prüfung.
Weil Brasilien mit bis zu 27,5 Prozent besteuert und zusätzlich eine Meldepflicht für Auslandsvermögen kennt, ist es kein Steuersparziel, sondern ein Lebensqualitätsziel mit moderater Besteuerung. Wer das Klima und die Zeitzone will und gleichzeitig eine niedrige Quote, muss die Ansässigkeit anderswo halten und Brasilien unter der Schwelle nutzen. Zur Rechnungsstellung siehe nullsteuer.llc.
Passt Brasilien zu dir
Brasilien passt, wenn du Lateinamerika willst, ohne deinen Arbeitstag zu opfern. Die vier bis fünf Stunden Differenz sind der Grund, warum es funktioniert, wo Mexiko und Kolumbien scheitern. Es passt, wenn du Portugiesisch lernst, wenn dir Musik, Essen und Lebensfreude wichtig sind, und wenn du ein Land willst, das groß genug ist, um dich Jahre zu beschäftigen.
Es passt schlechter, wenn du keine Sprache lernen willst, wenn dich die Sicherheitsabwägung belastet, oder wenn du eine steuerlich saubere Ansässigkeit brauchst und einen deutschen oder österreichischen Pass hast.
Wer Lateinamerika mit besserem Klima und geringeren Kosten will, findet es in Kolumbien, zahlt aber mit zwei Stunden mehr Zeitverschiebung. Mexiko bietet mehr Kultur und Gastronomie bei noch schlechterer Zeitzone. Argentinien liegt in derselben Zeitzone wie Brasilien und ist die dritte ernsthafte Option. Die Gegenüberstellung steht in Lateinamerika-Basen im Vergleich.
Wer den Schritt konkret plant, klärt Ansässigkeit und Struktur vor dem Umzug, nicht danach. Das ist der eine Fehler, der sich später nicht mehr reparieren lässt.
Häufige Fragen
Wie viel Zeitverschiebung habe ich zu Europa und kann ich damit meine Kunden bedienen?
Brasilien liegt auf UTC-3 und hat seit 2019 keine Sommerzeit mehr, also vier bis fünf Stunden Rückstand auf Mitteleuropa. Wenn dein Kunde in Wien um vierzehn Uhr einen Termin will, ist es bei dir neun oder zehn Uhr morgens. Deine Überschneidung mit dem europäischen Arbeitstag umfasst deinen gesamten Vormittag und Mittag, ohne dass jemand etwas verschieben muss. Deshalb funktioniert Brasilien, wo Mexiko und Kolumbien scheitern.
Was kostet das Leben in Brasilien pro Monat?
Realistisch liegst du in Florianópolis bei 1.100 bis 1.800 Euro im Monat, in São Paulo oder Rio bei 1.300 bis 2.100 Euro. Der Real hat gegenüber dem Euro über Jahre nachgegeben, was das Land für europäische Verdiener spürbar verbilligt hat. Rechne allerdings für die ersten Monate mit teureren möblierten Kurzzeitmieten, weil ein regulärer Mietvertrag meist eine Bürgschaft, eine Mietversicherung oder eine Kaution über mehrere Monatsmieten verlangt.
Wie komme ich für einen längeren Aufenthalt nach Brasilien?
Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer reist du visumfrei ein, bis zu 90 Tage, einmal auf insgesamt 180 Tage pro Jahr verlängerbar. Für länger gibt es das 2022 eingeführte Nomadenvisum mit einem Jahr Laufzeit, verlängerbar um ein weiteres Jahr. Du brauchst dafür einen Einkommensnachweis von mindestens 1.500 US-Dollar monatlich aus ausländischen Quellen oder alternativ ein Guthaben von mindestens 18.000 US-Dollar. Das ist eine der niedrigsten Schwellen weltweit.
Werde ich in Brasilien steuerpflichtig, wenn ich dort lebe?
Brasilien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen mit einem progressiven Tarif bis 27,5 Prozent. Ansässig wirst du unter anderem mit dem 184. Aufenthaltstag innerhalb von zwölf Monaten oder durch den Erwerb eines Daueraufenthaltstitels. Wer das Nomadenvisum voll ausschöpft und im Land lebt, wird brasilianischer Steueransässiger und muss zusätzlich eine jährliche Erklärung abgeben sowie oberhalb bestimmter Schwellen sein Auslandsvermögen melden.
Warum ist Brasilien für Deutsche steuerlich heikel?
Deutschland hat das Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien gekündigt, es ist zum 31. Dezember 2005 außer Kraft getreten, und ein neues gibt es bis heute nicht. Wirst du als Deutscher oder Österreicher in Brasilien ansässig, ohne deine heimische Steuerpflicht sauber beendet zu haben, dürfen beide Staaten zugreifen, und keine Abkommensregel entscheidet, wer Vorrang hat. Deshalb ist Brasilien für dich in erster Linie ein Land für Aufenthalte unter der 183-Tage-Schwelle. Für Schweizer stellt sich die Frage nicht so scharf, weil die Schweiz ein seit 2022 anwendbares Abkommen hat.
Wie sicher ist der Alltag in Brasilien?
Brasilien hat eine hohe Gewaltkriminalität, und die Unterschiede zwischen Städten und Vierteln sind erheblich. Das dominierende Delikt ist Raub, oft bewaffnet, weshalb du kein sichtbares Handy, keine Uhr und keinen Schmuck auf der Straße tragen solltest. Wer die Regeln befolgt, lebt in Florianópolis praktisch unbehelligt und in São Paulo mit überschaubarem Risiko. In Rio ist die Wachsamkeit dauerhaft höher.