Argentinien für digitale Nomaden 2026

Beratung buchen
Argentinien für digitale Nomaden 2026

Fast alles, was du über Argentinien als Nomadenziel gelesen hast, ist veraltet.

Der Grund heißt Blue Dollar. Jahrelang beruhte die argentinische Rechnung darauf, dass es zwei Wechselkurse gab und Ausländer mit Bargeld zum inoffiziellen Kurs plötzlich fünfzig bis hundert Prozent mehr Kaufkraft hatten. Buenos Aires war dadurch eine europäische Stadt zu südamerikanischen Preisen, und jeder Ratgeber der Jahre 2019 bis 2024 baute darauf auf.

Im April 2025 hat die Regierung die Devisenkontrollen aufgehoben, der Peso schwankt seither innerhalb eines Bandes, und der Abstand zwischen den Kursen ist auf zwei bis drei Prozent zusammengefallen. Die Arbitrage ist vorbei. Ausländische Karten rechnen automatisch zum Marktkurs ab. Und weil gleichzeitig die Inflation die Preise nachgezogen hat, ist Buenos Aires 2026 kein Schnäppchen mehr, sondern eine normal teure Großstadt.

Was bleibt, ist trotzdem beachtlich: eine der schönsten und kulturell reichsten Städte der Welt, die beste Fleisch- und Weinkultur dieses Rankings, und eine Zeitzone, die mit vier bis fünf Stunden Abstand zu Europa funktioniert.

Der Alltag

Buenos Aires ist eine europäische Stadt, die sich in Südamerika verirrt hat. Haussmann-Fassaden, Kaffeehäuser mit Marmortischen, Buchläden, Theater, ein Opernhaus von Weltrang, und eine Einwohnerschaft, die zu erheblichen Teilen italienischer und spanischer Abstammung ist.

Der Rhythmus ist extrem spät. Abendessen ab einundzwanzig oder zweiundzwanzig Uhr, Ausgehen ab Mitternacht, und das gilt unter der Woche. Wer aus Zürich kommt, braucht Wochen, bis er sich daran gewöhnt, dass um zwanzig Uhr die Restaurants noch leer sind.

Die Café-Kultur ist die stärkste in diesem gesamten Ranking. Man kann in Buenos Aires stundenlang in einem Café sitzen und arbeiten, ohne dass jemand schief schaut, und die Dichte an guten Cafés mit Steckdosen und WLAN ist außergewöhnlich.

Was mühsam ist: die Bürokratie. Ein Bankkonto zu eröffnen dauert regelmäßig Monate und mehrere persönliche Termine. Die DNI, die Personennummer, hat lange Bearbeitungszeiten. Argentinien ist administrativ eines der zähesten Länder dieser Liste.

Die Basen

Buenos Aires ist die Wahl, alles andere ist Ergänzung. Palermo in seinen Untervarianten Soho, Hollywood und Botánico ist das naheliegende Viertel: bäumereich, voller Restaurants, Cafés und Coworking, mit der größten internationalen Präsenz. Recoleta ist bürgerlich, elegant und ruhiger. San Telmo ist alt, rau und charaktervoll. Villa Crespo und Chacarita sind günstiger und weniger international. Belgrano ist grün und wohnlich.

Mendoza am Fuß der Anden ist die Weinregion, sonnig, trocken und deutlich ruhiger. Für alle, die Berge, Wein und Outdoor wollen, ist es die beste Adresse des Landes.

Córdoba ist die zweitgrößte Stadt, jung und universitär geprägt, deutlich günstiger als Buenos Aires.

Bariloche und die patagonische Seenregion sind landschaftlich außergewöhnlich, infrastrukturell dünner und teuer, weil touristisch.

Salta und der Nordwesten sind kulturell eigenständig, günstig und weit weg von allem.

Internet und Arbeiten

Die Versorgung in Buenos Aires ist gut. Glasfaser mit 100 bis 500 Mbit kostet zwischen 25.000 und 50.000 Pesos im Monat, umgerechnet grob 17 bis 35 Euro. Der Mobilfunk ist brauchbar, aber im lateinamerikanischen Vergleich nicht führend.

Außerhalb der Ballungsräume wird es dünner, und in Patagonien ist die Verbindung stellenweise ernsthaft schlecht.

Coworking ist in Buenos Aires reichlich vorhanden und gut, mit Preisen zwischen 150.000 und 350.000 Pesos monatlich für einen festen Platz. Die Alternative ist wie erwähnt das Café, und in Buenos Aires ist das eine echte Alternative und kein Notbehelf.

Argentinien hat eine sehr starke Technologie- und Entwicklerszene mit hoher Englischkompetenz, was für Netzwerkzwecke relevant ist.

Essen und Wein

Das ist neben der Architektur der Hauptgrund, warum Menschen bleiben.

Argentinisches Rindfleisch ist das beste in diesem Ranking, ohne Konkurrenz. Die Asado-Kultur ist eine soziale Institution, und eine Parrilla mit gutem Fleisch und einer Flasche Malbec kostet immer noch deutlich weniger als das Äquivalent in Europa.

Der italienische Einfluss ist tiefgreifend: Pasta, Pizza, Gelato und eine Café-Kultur, die aus Europa stammt und weiterentwickelt wurde. Die Konditoreikultur mit Medialunas und Dulce de Leche ist eigenständig und sehr gut.

Der Wein ist das zweite große Argument. Mendoza produziert Malbec auf Weltniveau, dazu Cabernet Franc, Bonarda und in großer Höhe angebaute Weißweine. Eine sehr gute Flasche kostet im Laden einen Bruchteil des europäischen Preises, und die Weingüter sind zugänglich und besuchbar.

Die Restaurantszene in Buenos Aires hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, mit einer modernen argentinischen Küche, die international Beachtung findet, und einer wachsenden Zahl an Puertas Cerradas, also privaten Restaurants in Wohnungen.

Was fehlt: Schärfe, asiatische Küche in der Breite, und Gemüse in der Rolle, die es in Asien spielt.

Menschen und Anschluss

Argentinier sind gesprächig, warmherzig, ironisch und außerordentlich gesellig. Der Umgang ist unmittelbar und persönlich, und Freundschaften entstehen schnell und tief.

Spanisch ist erforderlich. Englisch ist unter jüngeren, gebildeten Städtern und in der Technologiebranche verbreiteter als in vielen Nachbarländern, aber der Alltag läuft auf Spanisch. Das argentinische Spanisch mit seinem eigenen Klang und dem Voseo ist gewöhnungsbedürftig und liebenswert.

Ein Punkt, der für deutschsprachige Leser relevant ist: Argentinien hat eine große und historisch gewachsene deutschsprachige Präsenz, mit deutschen Schulen, Vereinen und Gemeinden, besonders in Buenos Aires und in Teilen Patagoniens. Diese Geschichte ist teilweise belastet und wird im Land offen thematisiert, aber die Institutionen bestehen und sind für Zugezogene praktisch nützlich.

Die internationale Nomadenszene in Palermo ist mittelgroß und stark nordamerikanisch geprägt.

Ein kultureller Hinweis: Psychoanalyse ist in Buenos Aires so verbreitet wie sonst nirgendwo auf der Welt, und die Stadt hat vermutlich die höchste Therapeutendichte weltweit. Das ist keine Anekdote, sondern sagt etwas über den Gesprächsstil und die Selbstreflexion, die man hier antrifft.

Kosten: was sich geändert hat

Dieser Abschnitt ist der Grund, warum du ältere Artikel über Argentinien ignorieren solltest.

Die Entwicklung: Im Dezember 2023 folgte eine drastische Abwertung, im April 2025 wurden die Devisenkontrollen im Rahmen eines Abkommens mit dem Internationalen Währungsfonds weitgehend aufgehoben. Seither schwankt der Peso innerhalb eines Bandes, die Beschränkung für den Devisenkauf durch Privatpersonen ist gefallen, und die verschiedenen Kurse liegen nur noch wenige Prozent auseinander. Ausländische Visa- und Mastercard-Zahlungen werden automatisch zum Marktkurs abgerechnet.

Gleichzeitig ist die Inflation von über zweihundert Prozent im Jahr 2023 auf 31,5 Prozent im Jahr 2025 gefallen; für 2026 erwarten die Marktprognosen der Zentralbank eine Größenordnung von 25 bis 30 Prozent. Das ist ein enormer Fortschritt und für die Planbarkeit gut. Es bedeutet aber auch, dass die Preise in Dollar und Euro gerechnet stark gestiegen sind. Alle Eurobeträge in diesem Abschnitt sind deshalb kursabhängig und eine Momentaufnahme von Mitte 2026.

Position Buenos Aires Mendoza / Córdoba
Möbliertes Studio, Palermo/Recoleta 700–1.100 € 400–700 €
1-Schlafzimmer-Wohnung 900–1.500 € 550–900 €
Lebensmittel und auswärts essen 450–800 € 380–650 €
Coworking, fester Platz 100–240 € 80–160 €
Glasfaser 17–35 € 17–35 €
Mobilität 40–90 € 40–90 €
Private Krankenversicherung 80–200 € 80–200 €

Realistisch liegst du in Buenos Aires bei 1.500 bis 2.400 Euro im Monat, in Mendoza oder Córdoba bei 1.000 bis 1.700 Euro.

Das ist die zentrale Botschaft: Argentinien ist nicht mehr billig. Buenos Aires kostet heute ungefähr so viel wie Lissabon oder Madrid, bei einem Angebot, das kulturell mithält und infrastrukturell nicht. Wer wegen der Preise kommt, kommt aus dem falschen Grund. Wer wegen der Stadt kommt, bekommt eine der besten der Welt.

Praktischer Hinweis: Zahle mit einer ausländischen Karte, wähle immer die Abrechnung in Pesos und lehne die Umrechnung am Terminal ab. Halte keine Reserven in Pesos. Ein argentinisches Konto ist mühsam zu bekommen, siehe freedombanking.plus und Währungsrisiko als Nomade.

Sicherheit

Argentinien ist im lateinamerikanischen Vergleich sicher, deutlich sicherer als Brasilien, Kolumbien oder Mexiko.

Buenos Aires verlangt normale städtische Aufmerksamkeit. Das dominierende Delikt ist Taschendiebstahl und Handydiebstahl, besonders in der Innenstadt, in La Boca und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Gewaltverbrechen gegen Ausländer sind selten.

Praktische Regeln: kein sichtbares Handy auf der Straße, nachts in bestimmten Vierteln nicht zu Fuß, La Boca außerhalb der touristischen Straße meiden, und für Fahrten nach Einbruch der Dunkelheit Uber oder Cabify nutzen.

Mendoza, Córdoba und die Provinzstädte sind deutlich entspannter. Die Systematik zur Bewertung steht im Leitfaden Sicherheit im Ausland.

Gesundheit

Ein starker Punkt. Argentinien hat ein gutes privates Gesundheitswesen mit gut ausgebildeten Ärzten, moderner Ausstattung in Buenos Aires und kurzen Wartezeiten. Die privaten Krankenkassen, die Prepagas, sind für Ausländer zugänglich und im internationalen Vergleich günstig.

Das öffentliche System ist kostenlos und für Notfälle nutzbar, aber unterfinanziert.

Zahnmedizin und plastische Chirurgie sind gut und günstig.

Eine internationale Police oder eine lokale Prepaga ist erforderlich, siehe Versicherungsleitfaden.

Klima

Argentinien erstreckt sich über 3.700 Kilometer von den Subtropen bis fast zur Antarktis und hat entsprechend jedes Klima.

Buenos Aires hat gemäßigtes Klima mit umgekehrten Jahreszeiten. Der Sommer von Dezember bis Februar ist heiß und schwül, regelmäßig über dreißig Grad. Der Winter von Juni bis August ist mild bis kühl, mit acht bis fünfzehn Grad, feucht und in schlecht geheizten Altbauwohnungen ungemütlich. Die besten Monate sind Oktober bis Dezember und März bis Mai.

Mendoza ist trocken, sonnig und hat kontinentales Klima mit heißen Sommern und kalten Nächten. Die Luftqualität und die Sonnenstunden sind hervorragend.

Patagonien ist im Sommer von Dezember bis Februar zugänglich und ansonsten windig, kalt und teilweise geschlossen.

Der Nordwesten um Salta ist ganzjährig mild und trocken.

Anreise und Zeitzone

Direktflüge nach Buenos Aires gibt es ab Frankfurt und Madrid, ansonsten über Madrid, Paris, Amsterdam, São Paulo oder Istanbul. Rechne mit vierzehn bis achtzehn Stunden Gesamtreisezeit. Argentinien ist das am weitesten entfernte Land in diesem Ranking, gemessen in Reisezeit ab dem deutschsprachigen Raum.

Innerhalb Argentiniens ist Fliegen wegen der Entfernungen praktisch alternativlos, und das Fernbusnetz ist gut, aber sehr zeitaufwendig.

Die Zeitzone ist UTC-3, und Argentinien hat keine Sommerzeit. Das bedeutet fünf Stunden Rückstand auf die mitteleuropäische Sommerzeit und vier im Winter, also dieselbe Konstellation wie Brasilien.

Konkret: Wenn dein Kunde in Wien um vierzehn Uhr einen Termin will, ist es bei dir neun oder zehn Uhr morgens. Deine Überschneidung mit dem europäischen Arbeitstag umfasst deinen ganzen Vormittag, und das funktioniert ohne Kompromisse auf beiden Seiten. Das ist die zweitbeste Konstellation in Lateinamerika, gleichauf mit Brasilien und deutlich besser als Kolumbien oder Mexiko. Siehe Zeitzonen und Kundenkontakt.

Der Haken ist nicht die Zeitzone, sondern die Entfernung. Ein Kurztrip nach Hause ist keine Option.

Einreise und Nomadenvisum

Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einreise visumfrei mit 90 Tagen, einmal um weitere 90 Tage verlängerbar (prórroga).

Für längere Aufenthalte gibt es das Nomadenvisum, eingeführt 2022 durch Disposición 758/2022 im Rahmen von Artikel 24(h) des Migrationsgesetzes 25.871, also als vorübergehender Aufenthalt. Die Eckdaten:

  • Laufzeit 180 Tage, verlängerbar um weitere 180 Tage, also insgesamt bis zu einem Jahr.
  • Nachweis von Einkünften aus ausländischen Quellen und der Remote-Tätigkeit.
  • Krankenversicherung, Führungszeugnisse.
  • Führungszeugnisse werden für jedes Land verlangt, in dem du in den letzten drei Jahren länger als ein Jahr gelebt hast, nicht nur für dein aktuelles Wohnsitzland. Das übersehen viele Antragsteller, die selbst schon im Ausland gelebt haben.
  • Alle ausländischen Dokumente brauchen Apostille und eine Übersetzung durch einen in Argentinien registrierten öffentlichen Übersetzer. Beides zusammen dauert jeweils ein bis drei Wochen, und die Terminvergabe im Online-System RaDEX platzt regelmäßig, weil Antragsteller beides in dieselbe Woche legen.
  • Das Visum berechtigt zu Remote-Arbeit für ausländische Auftraggeber, nicht zu lokaler Beschäftigung.

Bei den Aufenthalts- und Einbürgerungsregeln ist Argentinien seit 2025 in Bewegung, und der Stand ändert sich gerade vor Gericht. Mit dem Dekret 366/2025 hatte die Regierung die Regeln verschärft, vor allem bei der Einbürgerung: Die dafür nötige ununterbrochene Anwesenheit sollte mit jeder Ausreise neu zu laufen beginnen. Die Fristen für den Daueraufenthalt selbst hat das Dekret nicht verändert. Ende Juni 2026 hat die Nationale Wahlkammer das Dekret für nichtig erklärt; die Regierung zieht vor den Obersten Gerichtshof, und ob die rein migrationsrechtlichen Teile bis zur Entscheidung weiter angewandt werden, ist offen. Seit Ende Juli 2026 gilt zudem ein neues Dekret (681/2026) mit erweiterten Ausweisungs- und Einreiseverweigerungsgründen, etwa bei Hassbotschaften gegen Argentinier oder der Verunglimpfung von Staatssymbolen. Für dich heißt das: Plane mit den unstrittigen Grundregeln (90 plus 90 Tage, Nomadenvisum 180 plus 180), und prüfe vor jedem Schritt Richtung Daueraufenthalt oder Einbürgerung den aktuellen Verfahrensstand. Die Bearbeitung der DNI dauert ohnehin mehrere Monate.

Die Alternative, die viele nutzen, sind Grenzübertritte nach Uruguay per Fähre, mit denen die 90 Tage zurückgesetzt werden. Das wird weitgehend toleriert, ist aber keine langfristige Strategie und rechtlich keine Grundlage für Arbeit. Die allgemeine Systematik steht im Leitfaden Einreise, Visa und Aufenthalt, die Beratung zu Residenzoptionen in Lateinamerika läuft über vidalibreplan.com. Alle Wege mit Voraussetzungen, Gebühren und Verfahrensschritten im Detail findest du auf unserer Visa-Seite Argentinien.

Für Österreicher und Schweizer: Einreise und Visumverfahren sind identisch zu Deutschland. Bei der Abkommenslage bestehen Unterschiede, siehe unten.

Steuern vor Ort

Argentinien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen, mit einem progressiven Tarif bis 35 Prozent. Nichtansässige werden nur auf argentinische Quellen besteuert.

Ansässig wird unter anderem, wer einen Daueraufenthaltstitel erhält oder sich über einen längeren Zeitraum im Land aufhält, wobei die Zwölf-Monats-Betrachtung und die Aufenthaltsdauer maßgeblich sind. Wer das Nomadenvisum als vorübergehenden Aufenthalt nutzt und die Fristen einhält, wird in der Regel nicht argentinischer Steueransässiger und ist nur auf argentinische Quelleneinkünfte steuerpflichtig, was bei ausländischen Auftraggebern praktisch nichts bedeutet.

Das ist der eigentliche Vorteil des argentinischen Nomadenvisums gegenüber dem kolumbianischen: Die Aufenthaltsdauer ist so konstruiert, dass sie die Ansässigkeit nicht automatisch auslöst.

Wer dagegen dauerhaft bleibt und die Ansässigkeit erwirbt, sollte wissen, dass Argentinien zusätzlich eine Vermögenssteuer auf weltweites Vermögen kennt, die für Ansässige gilt und ein erheblicher Kostenfaktor ist. Das ist ein starkes Argument gegen eine argentinische Ansässigkeit für vermögende Personen.

Die laufenden Sätze führen wir im Steueratlas-Profil Argentinien.

Deine Steuerpflicht zu Hause

In Deutschland endet die unbeschränkte Steuerpflicht nur, wenn weder Wohnsitz noch gewöhnlicher Aufenthalt bestehen, siehe unbeschränkte Steuerpflicht. Beteiligungen ab einem Prozent lösen beim Wegzug die Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG aus, wobei Argentinien ein Drittland ist.

Zur Abkommenslage: Zwischen Deutschland und Argentinien besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, ebenso zwischen der Schweiz und Argentinien. Für Österreich ist die Lage im Umbruch: Das frühere Abkommen wurde gekündigt, ein Nachfolger ist noch nicht anwendbar. Argentinien hat das neue Abkommen im März 2026 ratifiziert; bei Abschluss des Verfahrens wird mit Anwendbarkeit ab dem 1. Januar 2027 gerechnet. Prüfe den aktuellen Stand vor jeder Planung, siehe Doppelbesteuerungsabkommen.

Damit dreht sich das Muster gegenüber Brasilien und Kolumbien teilweise um: Dort haben Deutsche und Österreicher kein Abkommen und Schweizer schon. In Argentinien sind Deutsche und Schweiz geschützt, Österreicher nicht. Das ist ein Beispiel dafür, warum sich Lateinamerika nicht als Block bewerten lässt, sondern pro Land und pro Pass.

Für die Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde maßgeblich. Für Österreich gelten § 26 BAO, die Zweitwohnsitzverordnung und § 27 Abs. 6 EStG.

Die praktische Empfehlung für die meisten: Argentinien als Aufenthaltsort auf dem vorübergehenden Titel nutzen, die Ansässigkeit anderswo halten. Zur Rechnungsstellung siehe nullsteuer.llc.

Passt Argentinien zu dir

Argentinien passt, wenn du eine große, kulturell dichte Stadt willst, die sich europäisch anfühlt und trotzdem woanders liegt. Es passt, wenn dir Essen, Wein, Architektur und Gesprächskultur wichtig sind, wenn du Spanisch lernst, und wenn du mit einer Zeitverschiebung von vier bis fünf Stunden gut arbeiten kannst. Für Menschen, die einen halbjährlichen Wechsel zwischen Europa und Südamerika fahren wollen, ist die Zeitzone entscheidend und Argentinien geeignet.

Es passt schlechter, wenn du wegen der Preise kommst, denn diese Rechnung geht seit 2025 nicht mehr auf. Es passt nicht, wenn du kurzfristig nach Hause können musst, wenn du administrativ ungeduldig bist, oder wenn du vermögend bist und eine Ansässigkeit suchst, weil die Vermögensteuer das erledigt.

Wer dieselbe Zeitzone mit besserem Klima und ähnlichem Preisniveau will, findet sie in Brasilien. Wer Stabilität und Sicherheit über Lebendigkeit stellt, sollte Uruguay prüfen, das direkt gegenüber liegt und steuerlich deutlich attraktiver ist. Die Gegenüberstellung steht in Lateinamerika-Basen im Vergleich.

Wer den Schritt konkret plant, klärt Ansässigkeit und Struktur vor dem Umzug, nicht danach. Das ist der eine Fehler, der sich später nicht mehr reparieren lässt.

Häufige Fragen

Wie gut lässt sich von Argentinien aus für europäische Kunden arbeiten?

Die Zeitzone ist UTC-3, und Argentinien hat keine Sommerzeit, also fünf Stunden Rückstand auf die mitteleuropäische Sommerzeit und vier im Winter, dieselbe Konstellation wie Brasilien. Will dein Kunde in Wien um vierzehn Uhr einen Termin, ist es bei dir neun oder zehn Uhr morgens. Deine Überschneidung mit dem europäischen Arbeitstag umfasst deinen ganzen Vormittag. Der Haken ist nicht die Zeitzone, sondern die Entfernung, denn ein Kurztrip nach Hause ist keine Option.

Ist Argentinien noch so billig, wie oft behauptet wird?

Nein, seit 2025 nicht mehr. Im April 2025 wurden die Devisenkontrollen weitgehend aufgehoben, der Blue Dollar ist Geschichte, und ausländische Karten rechnen automatisch zum Marktkurs ab. Realistisch liegst du in Buenos Aires bei 1.500 bis 2.400 Euro im Monat, in Mendoza oder Córdoba bei 1.000 bis 1.700 Euro. Buenos Aires kostet heute ungefähr so viel wie Lissabon oder Madrid, wer wegen der Preise kommt, kommt aus dem falschen Grund.

Wie funktioniert das argentinische Nomadenvisum?

Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer reist du visumfrei mit 90 Tagen ein, einmal um weitere 90 Tage verlängerbar. Für länger gibt es das 2022 eingeführte Nomadenvisum mit 180 Tagen Laufzeit, verlängerbar um weitere 180 Tage, also insgesamt bis zu einem Jahr. Du brauchst Nachweise über ausländische Einkünfte und die Remote-Tätigkeit, Krankenversicherung und Führungszeugnisse. Führungszeugnisse werden für jedes Land verlangt, in dem du in den letzten drei Jahren länger als ein Jahr gelebt hast.

Werde ich mit dem Nomadenvisum in Argentinien steuerpflichtig?

Argentinien besteuert Ansässige auf ihr Welteinkommen mit einem progressiven Tarif bis 35 Prozent, Nichtansässige nur auf argentinische Quellen. Wer das Nomadenvisum als vorübergehenden Aufenthalt nutzt und die Fristen einhält, wird in der Regel nicht argentinischer Steueransässiger und ist nur auf argentinische Quelleneinkünfte steuerpflichtig, was bei ausländischen Auftraggebern praktisch nichts bedeutet. Genau das ist der Vorteil gegenüber dem kolumbianischen Visum. Bleibst du dauerhaft, greift zusätzlich die Vermögenssteuer auf weltweites Vermögen.

Wie ist die Abkommenslage zwischen meinem Heimatland und Argentinien?

Zwischen Deutschland und Argentinien besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen, ebenso zwischen der Schweiz und Argentinien. Für Österreich ist die Lage im Umbruch: Das frühere Abkommen wurde gekündigt, ein Nachfolger ist noch nicht anwendbar, und nach der Ratifizierung durch Argentinien im März 2026 wird mit Anwendbarkeit ab dem 1. Januar 2027 gerechnet. Damit sind derzeit Deutsche und Schweizer geschützt, Österreicher noch nicht. Prüfe den aktuellen Stand vor jeder Planung.

Was hat sich zuletzt an den Aufenthaltsregeln geändert?

Die Lage ist gerade vor Gericht in Bewegung. Das Dekret 366/2025 verschärfte vor allem die Einbürgerung; die Fristen für den Daueraufenthalt selbst hat es nicht verändert. Ende Juni 2026 wurde das Dekret gerichtlich für nichtig erklärt, die Regierung zieht vor den Obersten Gerichtshof, und seit Ende Juli 2026 gilt ein weiteres Dekret mit erweiterten Ausweisungsgründen. Plane mit den unstrittigen Grundregeln und prüfe vor Schritten Richtung Daueraufenthalt den aktuellen Stand.