🇹🇼 Taiwan
Digital Nomad Visa
Seit Januar 2025 hat Taiwan ein echtes Nomadenvisum, und seit Januar 2026 trägt es dich bis zu zwei Jahre. Daneben steht weiter die Gold Card für Besserverdiener. Welcher der beiden Wege zu dir passt, entscheidet sich an deinem Einkommen und daran, wie lange du bleiben willst.
Taiwan ist das sicherste und funktionalste Ziel Asiens nach Japan, bei deutlich niedrigeren Kosten. Warum das Land als Basis so gut funktioniert, was Taipeh kostet und wie der Alltag aussieht, liest du im ausführlichen Länderprofil Taiwan. Diese Seite hier klärt die andere Hälfte: Mit welchem Titel bleibst du legal im Land, und wie läuft das Verfahren 2026 tatsächlich ab?
Vorweg die wichtigste Einordnung: Taiwan hat nicht ein Nomadenprogramm, sondern zwei sehr unterschiedliche. Das Digital Nomad Visitor Visa ist ein Besuchervisum, schnell beantragt, ohne lokale Arbeitsrechte, seit dem 8. Januar 2026 auf bis zu zwei Jahre ausbaubar. Die Employment Gold Card ist ein vollwertiger Aufenthaltstitel mit offener Arbeitserlaubnis, Krankenversicherung und einem Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung. Beide richten sich an Remote-Arbeiter, aber sie lösen verschiedene Probleme.
Die Wege auf einen Blick
Für Staatsangehörige von Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es drei realistische Einstiege. Der erste kostet nichts: 90 Tage visumfreie Einreise. Für ein Quartal Taipeh brauchst du gar kein Visum. Erst darüber hinaus stellt sich die Frage Nomadenvisum oder Gold Card.
| Weg | Maximale Dauer | Einkommenshürde | Antragsort |
|---|---|---|---|
| Visumfrei | 90 Tage | Keine | Keiner, einfach einreisen |
| Digital Nomad Visitor Visa | 6 Monate, verlängerbar auf bis zu 2 Jahre | 40.000 USD/Jahr (20.000 USD mit 20 bis 29) | Auslandsvertretung (TECO) oder im Land bei BOCA |
| Employment Gold Card | 1 bis 3 Jahre je Karte, verlängerbar | 160.000 TWD/Monat oder Fachqualifikation | Vollständig online |
Für Österreicher und Schweizer: Die visumfreie Einreise für 90 Tage gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz identisch, und damit auch der Zugang zum Nomadenvisum, das an die Visumfreiheit anknüpft. Auch Verfahren und Gebühren unterscheiden sich nicht. Unterschiede entstehen erst beim Wegzug aus dem Heimatland: Österreich kennt eine Wegzugsbesteuerung auf Kapitalvermögen, in der Schweiz ist die Abmeldung bei der Wohnsitzgemeinde der entscheidende Schritt.
Weg 1: Das Digital Nomad Visitor Visa
Taiwan hat sein Nomadenvisum im Januar 2025 eingeführt, zunächst begrenzt auf sechs Monate. Seit dem 8. Januar 2026 gilt: sechs Monate Ersterteilung plus bis zu drei Verlängerungen, insgesamt also bis zu zwei Jahre. Damit ist aus dem Kurzzeitangebot einer der längsten Nomadentitel Asiens geworden. Rechtlich bleibt es ein Besuchervisum, kein Aufenthaltstitel, und genau daraus ergeben sich seine Grenzen.
Antragsberechtigt bist du als Staatsangehöriger eines visumbefreiten Landes, also auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wenn du remote für Arbeitgeber oder Kunden außerhalb Taiwans arbeitest und eine dieser Bedingungen erfüllst:
- Ab 30 Jahren: Jahreseinkommen von mindestens 40.000 USD in einem der letzten beiden Jahre
- Mit 20 bis 29 Jahren: mindestens 20.000 USD in einem der letzten beiden Jahre
- Oder: Du hältst bereits ein Nomadenvisum eines anderen Landes, dann entfällt die Einkommenshürde
Dazu kommen die Nachweise, und die haben es in Summe in sich:
- Kontoguthaben von durchschnittlich mindestens 10.000 USD über die letzten sechs Monate, belegt per Kontoauszug
- Steuerbescheid oder Gehaltsbescheinigung des Arbeitgebers als Einkommensnachweis
- Lebenslauf, Portfolio oder laufende Verträge als Beleg der Remote-Tätigkeit, plus das Formular "Description of Intended Activities"
- Kranken- und volle Krankenhausversicherung für die gesamte Aufenthaltsdauer. Reine Reisepolicen werden abgelehnt, du brauchst eine echte Auslandskrankenversicherung. Was die leisten muss, steht in unserem Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden und im Artikel Auslandskrankenversicherung für digitale Nomaden
- Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit, zwei Passfotos, ausgefüllter Online-Antrag
Beantragen kannst du es an zwei Orten. Entweder vor der Abreise bei der taiwanischen Auslandsvertretung, für Deutschland ist das die Taipeh-Vertretung in Berlin oder Frankfurt, für Österreich das Büro in Wien, für die Schweiz Genf. Oder, und das ist der elegantere Weg: Du reist visumfrei ein, schaust dir das Land in Ruhe an und stellst den Antrag im Land beim Bureau of Consular Affairs (BOCA), spätestens zehn Arbeitstage bevor dein aktueller Aufenthalt abläuft. Die Bearbeitung dauert in der Regel eine gute Woche. An Gebühren fallen die üblichen Sätze für Besuchervisa an, umgerechnet rund 50 USD für die einmalige und rund 100 USD für die mehrmalige Einreise; im Land zahlst du 1.600 beziehungsweise 3.200 TWD.
Jetzt die ehrlichen Grenzen, denn die gehören auf den Tisch. Das Nomadenvisum gibt dir Aufenthalt, sonst nichts. Du darfst nicht für taiwanische Arbeitgeber oder Kunden arbeiten, du kommst nicht in die staatliche Krankenversicherung, und es zählt nicht als Vorlaufzeit für eine Daueraufenthaltsberechtigung. Der wichtigste Punkt für Familien: Eine Mitnahme von Ehepartner oder Kindern über das Nomadenvisum ist nicht vorgesehen, es gibt schlicht keine Dependent-Regelung (Stand: August 2026). Jeder Erwachsene muss die Voraussetzungen selbst erfüllen, Kinder passen gar nicht ins Schema. Wer mit Familie kommt, landet praktisch zwingend bei der Gold Card.
Weg 2: Die Employment Gold Card
Die Gold Card gibt es seit Februar 2018, und sie ist ein grundsätzlich anderes Produkt: Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsvisum, Aufenthaltskarte und Wiedereinreiseerlaubnis in einem Dokument, gültig für ein bis drei Jahre nach deiner Wahl, verlängerbar, und ohne dass du einen taiwanischen Arbeitgeber brauchst. Zum Stand Ende Februar 2026 waren rund 8.400 Karten in Umlauf, seit dem Start wurden knapp 16.000 erteilt. Das Programm ist etabliert, die Community in Taipeh gut vernetzt.
Zwei Zugänge führen zur Karte:
- Über das Einkommen: durchschnittlich mindestens 160.000 TWD pro Monat, umgerechnet rund 5.000 USD, nachgewiesen über einen Steuerbescheid der letzten drei Jahre (in Deutschland der Einkommensteuerbescheid)
- Über die Qualifikation in einem von zwölf anerkannten Fachgebieten, darunter Wirtschaft, Digitales, Finanzen, Wissenschaft und Technologie, Bildung, Kultur, Recht, Architektur und Sport, jeweils mit eigenen Kriterien
Der Antrag läuft vollständig online über die Plattform der Migrationsbehörde (goldcard.nat.gov.tw), ohne Konsulatstermin und ortsunabhängig. Du lädst Pass, Einkommens- oder Qualifikationsnachweise hoch, die Prüfung wandert durch mehrere Behörden. Rechne realistisch mit ein bis zwei Monaten. Die Gebühren sind moderat: je nach Laufzeit 3.700 bis 5.700 TWD, also umgerechnet grob 110 bis 170 Euro. Bist du bei Bewilligung im Ausland, holst du die Karte nach der Einreise ab; bist du schon in Taiwan, geht es direkt.
Was die Gold Card bietet und das Nomadenvisum nicht: offene Arbeitserlaubnis (du darfst auch für taiwanische Kunden arbeiten und lokal angestellt sein), Zugang zur staatlichen Krankenversicherung NHI, für Angestellte und Selbstständige sogar ohne die sonst übliche Wartefrist von sechs Monaten, Familiennachzug mit offener Arbeitserlaubnis für den Ehepartner, und einen Weg zur Daueraufenthaltsberechtigung nach drei Jahren. Seit Januar 2026 gibt es für Spitzenverdiener ab sechs Millionen TWD Jahreseinkommen sogar einen Schnellweg nach nur einem Jahr. Dazu kommt ein handfester Steuervorteil: In den ersten fünf Jahren wird die Bemessungsgrundlage für Gehaltseinkünfte oberhalb von drei Millionen TWD halbiert.
Welcher Weg für wen
Die Faustregel ist einfacher, als die vielen Details vermuten lassen. Für ein Quartal reicht die visumfreie Einreise, da brauchst du gar nichts. Verdienst du zwischen 40.000 und 60.000 USD im Jahr und willst länger bleiben, ist das Nomadenvisum dein Weg: schnell, günstig, bis zu zwei Jahre. Ab etwa 60.000 USD Jahreseinkommen, also 160.000 TWD im Monat, ist die Gold Card in fast jedem Fall die bessere Wahl, weil sie für ähnlichen Aufwand ein Vielfaches liefert: Arbeitsrechte, Krankenversicherung, Familiennachzug, Perspektive auf Daueraufenthalt. Und wer mit Partner oder Kindern plant, hat ohnehin nur diese eine Option. Unter 40.000 USD Jahreseinkommen bleibt dir Taiwan in 90-Tage-Blöcken, was für eine Winterbasis völlig ausreicht.
Steuern: die 90-Tage-Falle
Das taiwanische Steuerrecht ist strenger, als die meisten Nomaden-Ratgeber es darstellen, und der kritische Punkt liegt früher, als du denkst. Bis 90 Tage im Kalenderjahr bleibt dein Auslandseinkommen unberührt. Darüber wird es ernst: Arbeit, die du physisch in Taiwan erbringst, kann nach taiwanischer Auffassung als taiwanische Einkommensquelle gelten, auch wenn dein Auftraggeber in München sitzt und das Geld auf ein deutsches Konto fließt. Auf solche Einkünfte greift ab dem 91. Tag eine pauschale Quellenbesteuerung von 18 Prozent. Ab 183 Tagen im Kalenderjahr wirst du steuerlich ansässig, dann gilt der progressive Tarif, und ausländische Einkünfte laufen über eine alternative Mindeststeuer mit großzügigen Freibeträgen, die für die meisten Selbstständigen im Ergebnis wenig kostet. Die Details, die laufenden Sätze und die dünne Abkommenslage Taiwans erklärt das Länderprofil Taiwan; die Zahlen führt das Steueratlas-Profil Taiwan.
Und wie immer gilt die Reihenfolge: Erst der saubere Wegzug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, dann die neue Ansässigkeit. Wer die Wohnung zu Hause behält, bleibt dort unbeschränkt steuerpflichtig, ganz gleich, welches Visum in seinem Pass klebt. Einen Überblick über die Grundlagen gibt unsere Seite Steuern für digitale Nomaden; andere Länder zum Vergleich findest du in der Länderübersicht.
Ist Taiwan das Richtige für dich?
Wir klären mit dir, ob Nomadenvisum oder Gold Card zu deiner Situation passt und wie der Wegzug aus Europa abläuft, von der Abmeldung bis zur 183-Tage-Frage.
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