Island Digital Nomad Visum
Digital Nomad Visa · Europa

🇮🇸 Island
Digital Nomad Visum

Ein halbes Jahr zwischen Gletschern und Geysiren leben und dabei für deine Kunden zu Hause arbeiten: Islands Long-term Visa macht genau das möglich. Es ist allerdings das Visum mit der höchsten Einkommensschwelle Europas, und es endet nach 180 Tagen unwiderruflich.

✓ AKTIV Eingeführt: Oktober 2020 Stand der Angaben: August 2026

Island war eines der ersten Länder Europas mit einem eigenen Angebot für Remote-Arbeiter: Das Long-term Visa for Remote Workers existiert seit Oktober 2020 und wird von der isländischen Einwanderungsbehörde (Útlendingastofnun, Directorate of Immigration) vergeben. Bevor du dich in Details verliebst, brauchst du aber eine ehrliche Einordnung: Dieses Visum ist kein Auswanderungsinstrument. Es ist eine Aufenthaltserlaubnis für maximal 180 Tage, ohne Verlängerung, ohne Weg in die dauerhafte Residenz und mit der höchsten Einkommenshürde, die derzeit ein europäisches Nomad-Programm verlangt.

Und noch etwas vorweg, weil es die wichtigste Information auf dieser Seite ist: Das Visum richtet sich ausschließlich an Staatsangehörige von Ländern außerhalb des EWR und der EFTA. Mit einem deutschen oder österreichischen Pass brauchst du es nicht, du hast über die EWR-Freizügigkeit ohnehin mehr Rechte. Auch Schweizer sind über das EFTA-Übereinkommen freizügigkeitsberechtigt. Für wen diese Seite dann gedacht ist? Für alle, die mit Partnern oder Familienmitgliedern mit Drittstaatspass planen, und für alle, die verstehen wollen, wie Islands Modell im Vergleich zu anderen Programmen tickt.

Die Eckdaten auf einen Blick

Kriterium Regelung
Zielgruppe Nur Nicht-EWR/EFTA-Bürger, die visumfrei in den Schengen-Raum einreisen dürfen (z. B. USA, UK, Kanada)
Einkommen 1.000.000 ISK pro Monat (rund 7.000 EUR), mit Partner 1.300.000 ISK (rund 9.100 EUR)
Laufzeit Bis 180 Tage, nicht verlängerbar
Sperrfrist Kein neues Long-term Visa binnen 12 Monaten nach der letzten Erteilung
Antrag Nur auf Papier (Formular L-802), per Post oder Einwurf bei der Einwanderungsbehörde
Gebühr 12.200 ISK (rund 85 EUR) pro Person

Der Euro-Gegenwert ist ein Richtwert zum Kurs vom August 2026 (1 EUR entspricht etwa 143 ISK); die isländische Krone schwankt, maßgeblich ist immer der ISK-Betrag. Zweck des Aufenthalts muss Remote-Arbeit sein: angestellt bei einem Arbeitgeber außerhalb Islands oder nachweisbar selbstständig mit Kunden außerhalb Islands. Arbeit für isländische Unternehmen ist mit diesem Visum ausdrücklich verboten, dafür bräuchtest du eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Die Einkommenshürde ehrlich eingeordnet

1.000.000 ISK im Monat, also rund 7.000 EUR, sind die höchste Einkommensschwelle aller europäischen Nomad-Programme. Zum Vergleich: Spanien verlangt etwa 2.800 EUR, Portugal rund 3.500 EUR, Estland 4.500 EUR. Island filtert damit bewusst: Das Land ist klein, Wohnraum in Reykjavik ist knapp, und die Regierung will Besserverdiener, die ein halbes Jahr Geld ins Land bringen, ohne den Arbeitsmarkt zu berühren. Wer mit Partner oder Familie kommt, muss 1.300.000 ISK nachweisen, rund 9.100 EUR im Monat.

Die Schwelle ist dabei kein Formalismus, sondern harte Antragsvoraussetzung: Du belegst sie mit Arbeitsvertrag oder Kundenverträgen plus Kontoauszügen, Angestellte zusätzlich mit einer Bestätigung des Arbeitgebers, dass Remote-Arbeit aus Island erlaubt ist. Und sie ist realistisch betrachtet auch nötig: Island gehört zu den teuersten Ländern der Welt. Unter 3.000 EUR Lebenshaltungskosten pro Monat wird ein Aufenthalt in Reykjavik auch als Einzelperson kein Vergnügen.

180 Tage, keine Verlängerung, 12 Monate Sperre

Das Long-term Visa wird für bis zu 180 Tage erteilt und ist nicht verlängerbar. Es gibt keinen Übergang in eine Aufenthaltserlaubnis, keine anrechenbaren Zeiten für eine dauerhafte Residenz und keine isländische Personenkennziffer (Kennitala), also auch keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Nach Ablauf reist du aus, und zwar wirklich: Ein neues Long-term Visa bekommst du erst, wenn die letzte Erteilung mindestens 12 Monate zurückliegt. Das isländische Modell ist ein bewusst befristetes Fenster, kein Einstieg in ein Leben auf der Insel.

Ein Detail entscheidet dabei über ein halbes oder ein Vierteljahr: Die vollen 180 Tage bekommt nur, wer den Antrag stellt, bevor er in den Schengen-Raum einreist. Wer sich bei Antragstellung bereits in Island oder einem anderen Schengen-Land aufhält, bekommt maximal 90 Tage bewilligt, weil die visumfreie Schengen-Zeit angerechnet wird. Plane den Antrag also von zu Hause aus, nicht spontan aus dem Café in Reykjavik.

Antrag: Papier, Post und Geduld

Wer von Estlands durchdigitalisiertem Verfahren verwöhnt ist, erlebt in Island eine Zeitreise: Der Antrag läuft komplett auf Papier, eine Online-Einreichung existiert nicht. Du füllst das Formular L-802 aus und schickst es mit allen Anlagen per Post an die Einwanderungsbehörde (Útlendingastofnun, Dalvegur 18, 201 Kópavogur) oder wirfst es dort ein; auch die Büros der Bezirkskommissare (District Commissioners) nehmen Anträge an. So sieht das Paket aus:

  1. Formular L-802 ausgefüllt und unterschrieben
  2. Einkommensnachweise: Arbeitsvertrag oder Kundenverträge plus Kontoauszüge über 1.000.000 ISK monatlich, bei Angestellten die Remote-Work-Bestätigung des Arbeitgebers
  3. Krankenversicherung mit mindestens 2.000.000 ISK Deckung (rund 14.000 EUR), gültig in Island und im Schengen-Raum für die gesamte Aufenthaltsdauer; eine Reiseversicherung genügt nicht
  4. Führungszeugnis und Passkopie (Pass mit ausreichender Restgültigkeit)
  5. Gebühr zahlen: 12.200 ISK pro Person, nicht erstattungsfähig, auch bei Ablehnung

Die Bearbeitung dauert in der Praxis 3 bis 4 Wochen, bei Rückfragen länger. Für die passende Versicherung lohnt der Blick in unseren Überblick zur Krankenversicherung für digitale Nomaden: Die geforderte Mindestdeckung erfüllt jede gängige internationale Police, entscheidend ist die Schengen-weite Gültigkeit über die volle Laufzeit.

Mit Familie nach Island

Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder unter 18 Jahren können mitkommen, jede Person stellt einen eigenen Antrag und zahlt die eigene Gebühr. Voraussetzung ist, dass auch jedes Familienmitglied visumfrei in den Schengen-Raum einreisen darf, und beim Haupteinkommen gilt dann die Schwelle von 1.300.000 ISK. Praktisch relevant für Familien: Für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren verlangt die Behörde eine schriftliche Bestätigung, wie die Beschulung während des Aufenthalts geregelt ist. Da die Kinder keine Kennitala erhalten, ist der Zugang zur regulären isländischen Schule nicht vorgesehen; die meisten Familien lösen das über die Online-Anbindung an die Heimatschule oder internationale Fernprogramme.

Steuern: unter 183 Tagen bleibt Island außen vor

Hier ist das Visum konsequent gebaut: Die Laufzeit von maximal 180 Tagen bleibt knapp unter der isländischen 183-Tage-Grenze für die Steueransässigkeit. Wer nur mit dem Long-term Visa im Land ist, wird also im Regelfall nicht in Island unbeschränkt steuerpflichtig und zahlt seine Steuern weiter dort, wo er ansässig ist. Das ist gewollt, denn Islands reguläres Steuersystem gehört zu den teuersten der Welt: Die kombinierte Einkommensteuer aus Staats- und Gemeindeanteil liegt in drei Stufen bei rund 31,5, 38 und 46,3 Prozent, Kapitalerträge werden mit 22 Prozent besteuert. Die Details führt das Steueratlas-Profil Island.

Die ehrliche Konsequenz daraus: Island ist kein Steuerstandort und will keiner sein. Wer seinen Wohnsitz aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz verlagern will, um steuerlich zu optimieren, schaut auf andere Programme dieser Übersicht. Das isländische Visum ist für Menschen gebaut, die ihre bestehende Steuersituation mitbringen und ein halbes Jahr Ausnahmelandschaft dazubuchen. Genau dafür funktioniert es verlässlich.

Für Deutsche, Österreicher und Schweizer: Ihr braucht dieses Visum nicht. EU- und EWR-Bürger leben und arbeiten in Island über die Freizügigkeit, Schweizer über das EFTA-Übereinkommen; nach 3 Monaten wird der Aufenthalt lediglich registriert. Wichtig ist dann die andere Richtung: Wer länger als 183 Tage bleibt oder seinen Wohnsitz verlegt, wird in Island mit dem Welteinkommen steuerpflichtig, und zwar zu den oben genannten Sätzen. Das Long-term Visa betrifft aus dem deutschsprachigen Raum vor allem Paare, in denen ein Partner einen Drittstaatspass hat.

Für wen sich Island lohnt

Islands Programm ist ein Nischenangebot mit klarer Zielgruppe: Remote-Arbeiter mit hohem, stabilem Einkommen, die ein einmaliges halbes Jahr wollen, nicht ein neues Leben. Dafür bekommst du etwas, das kein anderes Programm Europas bietet: Vulkane, Gletscher, Hochland und im Winter Nordlichter direkt vor der Haustür, dazu ein sehr sicheres Land, in dem Englisch überall funktioniert. Die Kehrseite gehört genauso auf den Tisch: Extreme Lebenshaltungskosten, knapper Wohnraum in Reykjavik und im Dezember gerade einmal vier bis fünf Stunden Tageslicht. Wer im Winter kommt, sollte wissen, worauf er sich einlässt; wer das Sommerhalbjahr mit seinen hellen Nächten wählt, erlebt die freundlichste Version der Insel.

Wenn dein eigentliches Ziel ein dauerhafter, steuerlich sinnvoller Wegzug ist, vergleiche Island mit Programmen, die in eine echte Residenz führen: Die Länderübersicht sortiert die Kandidaten, und alle Visa-Programme im Vergleich findest du in der Übersicht der Digital Nomad Visa.

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